Sex ohne Grenzen: Wo ist der Blümchensex?

Fesseln, zuschauen, Gruppenspiele - beim Blick ins Internet fragt man sich, was beim Sex eigentlich noch normal ist. BALANCE-Autorin Eva Meschede hat sich umgehört.

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Neulich, als ich von meiner Arbeit am Computer fliehen wollte, ging ich wie so oft auf Expedition ins Internet. Schaute mal auf gut Glück nach Last-Minute-Reisen, stöberte bei eBay nach High-Heels und durchwühlte Amazon nach CDs und Büchern, die ich schon immer mal kaufen wollte. Schließlich landete ich mehr oder weniger zufällig an der Pforte eines Chats: "Joyclub - Community für stilvolle Erotik".

"Dies ist keine Sex-Site" hieß es da, denn dies sei etwas für "Leute mit Niveau". Habe ich. Ich trat ein: Hier hatten sich Zehntausende Singles, Paare, Gebundene und Verheiratete angemeldet, Tausende von ihnen waren im Moment online auf der Suche nach Sex-Abenteuern. Es gab nicht weniger als 36 Kategorien für erotische Vorlieben, wenn man sein Profil erstellen wollte, darunter "Flotter Dreier MMF" oder "FFM", Bondage, SM, "Dominant sein", "Devot sein", "Filmen, Zeigen und Zuschauen?".

Immerhin gab es auch noch die Lösungen "Normalsex" und "Dessous". Ich fragte mich: Haben überhaupt noch irgendwelche Menschen normalen Sex? Oder ist das, was früher als pervers galt, mittlerweile ganz normal, und ich bin Steinzeit?

Pervers bedeutet erst einmal nur: abweichend vom Normalen. Aber, was ist die Norm? In jedem Dating-Forum, auch in den harmloseren Flirt-Treffs, gibt es Nicks wie "DomTom", "Master-Toni" oder "Sub_ tanja", "Angie-devot" als eindeutige Hinweise auf eine sexuelle Vorliebe des BDSM (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism), ein Rollenspiel, bei dem einer den dominanten Part, der andere den submissiven übernimmt.

Andere Teilnehmer verkünden "Partnertausch" sei möglich. Menschen, die sich als "glücklich verheiratet" bezeichnen, suchen ein Abenteuer nebenher, oft mit Einverständnis der anderen Ehehälfte, die gern auch zusieht. "Filmen, zeigen und zuschauen?" scheint inzwischen geradezu üblich zu sein. Vor allem Frauen zeigen mit Vorliebe fast alles: knappe Dessous, ganz nackt, gefesselt, in Aktion mit einem oder zwei Partnern. Auch wenn nackte Haut nicht immer gut aussieht. Es wird hemmungslos sortiert, gebaggert, angemacht und über Fantasien, aber auch Praktiken diskutiert.

Und was, wenn der Arbeitskollege oder Nachbar auch mal reinschaut? Im Freundinnenkreis ernte ich mit dieser Frage nur müdes Lächeln. Ein Kündigungsgrund wäre so ein sexy Foto im Internet wohl schwer, meint eine ganz pragmatisch. Immerhin ließen sich heutzutage sogar attraktive CSU-Politikerinnen zwar angezogen, aber doppeldeutig mit Latexhandschuhen fotografieren. Und wer jemanden in einem Sex-Chat entdeckt, der muss ja wohl auch selbst zumindest geguckt haben. Wohl wahr.

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  • BRIGITTE BALANCE 2/2007
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