Pornos für Frauen: Petra Joy macht's!

"Ich will wieder Zauber in den Sex bringen!", sagt Petra Joy, die vor fünf Jahren ihren ersten Porno für Frauen drehte. Warum sich Frauen und Pornos nicht ausschließen und wie sich ihre erotischen Filme vom 0815-Männer-Porno unterscheiden, erklärt sie im Interview auf BRIGITTE.de. Wir zeigen Bilder und Trailer.

Petra Joys erster Film gilt als einer der ersten Pornos für Frauen

Petra Joys erster erotischer Film "Sexual Sushi", gilt als einer der ersten Pornos für Frauen. Bevor sie sich an das große Thema der weiblichen Lust mit eigenen Filmen machte, hat sie unter anderem als Fernsehjournalistin für "Liebe Sünde" und Erotikfotografin gearbeitet. Mit "Female Fantasies" und "Feeling it! Not faking it" folgten zwei weitere Pornos für Frauen. Unter dem Label "Strawberry Seductress" macht sie auch weiterhin erotische Fotos von Frauen. Sie gibt Seminare und Workshops für Frauen, die selber Pornos drehen möchten, und schrieb das Buch: "Adult Movie Making For Couples".

BRIGITTE.de: Viele Frauen mögen keine Pornos. Woran liegt das?

Petra Joy: An den Inhalten. Traditionell sind Pornos von Männern für Männer gemacht. In durchschnittlichen Pornos werden Männer extrem von Frauen verwöhnt. Da gibt es zum Beispiel den Kult um den Blowjob. Und quasi jede Szene endet damit, dass der Mann auf der Frau abspritzt. Wenn Sex im wirklichen Leben so aussehen würde, wäre das auch nicht toll.

BRIGITTE.de: Was wollen Frauen denn Ihrer Meinung nach sehen?

Petra Joy: Ich bin davon überzeugt, dass Frauen genau so visuell erregbar sind wie Männer. Den Unterschied macht die Qualität: Frauen mögen gerne schöne Bilder und gucken Pornos mehr als Gesamtkunstwerk. Wenn sie selbst im Mittelpunkt stehen, können sie sich auch damit identifizieren.

BRIGITTE.de: Haben Sie auch deshalb angefangen, selber Pornos zu drehen, um genau das besser zu machen?

Petra Joy: Ich war in den 80er-Jahren aktiv in der Anti-Porno-Bewegung. Ich war damals nicht grundsätzlich gegen Pornos, weil ich eine Frau bin oder eine Feministin. Ich liebe Sex. Aber zu dieser klassisch männlichen Art von Pornos musste ich erst mal "Nein" sagen. Später habe ich mich gefragt, warum man erotische Bilder den Männern überlassen sollte. Ich möchte Alternativen schaffen zu dem Ramsch, der auf dem Markt ist.

BRIGITTE.de: Was machen Sie also anders?

Petra Joy: Ich sehe mich nicht als Pornographin, ich sehe mich als Erotik-Künstlerin. Meine Filme sollen wieder Zauber in den Sex bringen, Sinnlichkeit und Intimität. Mir ist es wichtig, authentische Frauenphantasien zu veröffentlichen. In meinen Filmen zeige ich die meiner Freundinnen und Kundinnen. Teilweise sind es auch meine Phantasien. Dass jedes Loch gestopft wird - immer tiefer und immer mehr - ist eine männliche Phantasie. Frauen wünschen sich was ganz anderes: Sie wollen viel Oralsex erfahren, statt ihn immer nur zu geben, sie wollen Vielfalt. Ich will die Frauen mit meinen Filmen ein Stück befreien.

BRIGITTE.de: Kann man überhaupt einen gemeinsamen Nenner für das finden, was für Frauen erotisch ist?

Petra Joy: Ich kann zwar nicht dafür sprechen, was alle Frauen erotisch finden, aber schon für die Mehrheit. Ich beschäftige ich mit dem Thema Sexualität jetzt seit 20 Jahren, interviewe Frauen, schreibe Bücher... Natürlich gibt es Frauen, die auf Männerpornos stehen. Für Lesben spreche ich auch nicht, weil ich keine bin.

BRIGITTE.de: In Ihren Filmen gibt es zum Beispiel Szenen mit Federstreicheln und sehr zärtlichem Sex. Ist das nicht anders herum ein Klischee?

Petra Joy: Eigentlich gar nicht. Es gibt ja andererseits zum Beispiel auch die Szene mit der Frau, die sich von zwei Frauen in Matrosenuniform verwöhnen lässt. Das ist eine echte Sexphantasie der Darstellerin gewesen, die hat sie live das erste Mal so vor der Kamera erlebt. Da war überhaupt nichts inszeniert. Das ist in meinem Schlafzimmer gedreht und die haben vor Lust wirklich das Haus zusammengeschrien, so dass sich meine Nachbarn beschwert haben.

BRIGITTE.de: Aber auch bei der Szene bedient doch allein der Retro-Matrosen-Look wieder ein Klischee.

Petra Joy: Es ist ein bestimmter Look, aber es ist trotzdem nicht Mainstream-Porno. Die Frauen hätten sonst Acrylnägel, Acrylhaare, Silikonbrüste, ganz viel Make-up und würden ständig nur in die Kamera gucken. 95 Prozent der Frauen, die in Mainstream-Pornos Lesbenszenen machen, stehen überhaupt nicht auf Frauen. Man kriegt mit, dass die Frauen sich nur für die Kameras berühren und die Lust nicht echt ist. Ich mache nie Vorgaben für den Sex, der ist immer authentisch in meinen Filmen.

BRIGITTE.de: "Feeling it not faking it" ist also nicht nur Titel Ihres dritten Films, sondern auch ein Credo. Macht das Ihnen das Filmen nicht schwer?

Petra Joy: Ja, es ist allein schon total schwer, die Darsteller zu finden.

BRIGITTE.de: Und wie finden Sie die?

Petra Joy: Durch Mundpropaganda. Meine Flugblätter liegen in Frauen-Sexshops aus, es gibt einen Casting-Fragebogen auf meiner Homepage. Menschen, die normale Jobs und Leben haben und gleichzeitig sexuell befreit genug sind, sich so vor der Kamera zu zeigen, gibt es nur sehr vereinzelt.

BRIGITTE.de: Sie setzen also mehr auf Authentizität als auf Ästhetik?

Petra Joy: Ich caste nicht nach Schwanzlänge, ich sehe die Darsteller nicht nackt vor dem Dreh. Es ist mir wichtiger, was sie im Herzen und im Kopf haben. Ich könnte mir einen Pornostar mit einem perfekt muskulösen Körper mieten, aber der will dann rammeln wie so ein Idiot!

BRIGITTE.de: Glauben Sie, dass Frauen genau wie Männer auch mal Hardcore-Sex haben wollen?

Petra Joy: Natürlich! Ich habe nichts gegen Penetration, ich zeige auch männliche Ejakulation - allerdings nicht über das Gesicht der Frau, weil ich weiß, dass das viele Frauen als demütigend empfinden. Das Wichtigste ist zu zeigen, dass die Frauen kommen. Und ich zeige gerne Vorspiele, Frauen wollen sehen, wie die Erregungskurve verläuft. Man sieht die Gesichter und die Reaktionen - und auch den männlichen Körper.

BRIGITTE.de: Sie verkaufen Ihre Filme als Pornos für Frauen und Paare. Mögen denn auch Männer Ihre Filme?

Petra Joy: Ich habe sehr viele männliche Fans, nicht jeder Mann ist abgestumpft und will nur das Harte. Mir sagen viele Männer: endlich! Wie erfrischend! Ich verstehe jetzt besser, was Frauen anturnt! Ich verstehe meine Filme auch als Sexerziehung. Deswegen zeige ich immer wieder Safer Sex und baue mit als einzige Regisseurin weltweit die Benutzung von Kondomen in die Handlung ein.

Pornos für Frauen: Petra Joys Filme in Bildern

BRIGITTE.de: Sie sind nicht die einzige Frau, die Pornos für Frauen macht. Sind eigentlich andere Frauenpornos ähnlich?

Petra Joy: Es gibt weibliche Filmemacherinnen, die ich sehr schätze. Und wieder andere, die der Pornoindustrie gegenüber Zugeständnisse machen und die männlichen Klischees wiederholen. Da endet dann eben doch wieder jede Szene mit der Ejakulation des Mannes auf der Frau. Es gibt viele verschiedene Stimmen, da soll frau sich selbst eine Meinung bilden, worauf sie steht.

BRIGITTE.de: Sie machen gar keine Zugeständnisse an die Pornoindustrie?

Petra Joy: Genau, meine Filme sind auch deswegen kein kommerzieller Erfolg, aber es geht schließlich nicht nur ums Geld. Es geht genauso darum, Zeichen zu setzen, Menschlichkeit rüberzubringen und zu inspirieren. Ich weiß, dass ich das Bild von Sexualität für viele Menschen verändert habe. Darauf bin ich stolz.

Fotos: Petra Joy

Kommentare (8)

Kommentare (8)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Saschas Kommentar kann ich echt nachvollziehen. Als altes Ehepaar sind können wir auch schon mal ein wenig "Nachhilfe" gebrauchen. Ich kenne leider keine einzige Videothek, dessen Personal auch nur halbwegs über die angebotenen Filme Bescheid weiss.



    Das "Gerammel" der herkömmlichlich Pornos finde ich furchtbar und frauenverachtend, Wenn ich so mit meiner Frau umgehen würde, wäre sie schon lange weg. Es gibt ein paar ganz wenige Lesbienfilme wo die Parnerinnen sehr feinfühlig und lieb miteinander umgehen, aber viele Heterostreifen sind oft mehr ab- als antörnend. Meine wenigen Ansprüche an einen gelungenen Film sind: Eine Handlung, liebvoller Umgang miteinander, gute Kameraeinstellung ( keine Handkamera, die dauernd wackelt ) Wenn möglich, auch echter Orgasmus zum mitgeniessen, keine Schreiorgie, das ist völlig unglaubwürdig. Wenn der Film wirklich gut ist, wie im vorgenannten Sinne, dann werden wir ihn auch kaum zuende sehen, dehalb ist der Schluss nicht so relevant.

    Lin
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Die Petra Joy ist doch die gleiche Sexfilmerin wie die männlichen Produzenten - geil auf Sex und geil auf GELD. Jetzt braucht sie eine Begründung dafür und nennt sich KÜNSTLERIN.

    Und die FRAUEN sind gerührt. Quote bei den Sexfilmern!



    Wer wird denn die vielen Rammelfilme als Vergleich heranziehen, die will auch kein Mann sehen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ein richtig, heißes und sogleich schönes Thema. Ich und meine Partnerin hatte die Suche nach einem Frauenfreundlichen Porno schon längst aufgegeben, zumindestens mal ich, meine Frau nicht LOL

    Selbst bei uns in der Videothek um die Ecke, konnte mir der liebe Herr M... nicht weiterhelfen, was ich ja schon traurig finde, man sollte doch als Inhaber einer Videothek wissen was es so gibt oder nicht ? Aufjedenfall, hat mir ein Arbeitskollege eine DVD von der Petra Joy empfohlen und zwar ist das dieser http://www.dvduncuts.com/product_info.php?info=p6490_Dirty-Diaries---Petra-Joy.html selbstverständlich habe ich mir die DVD gekauft und bin positiv überrascht, das einzigste was mich stört sind die Preise... Naja das schöne und gute hat halt seinen Preis.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Also ich muss da mal was zu sagen.Ich bin ein Mann und suche seit langem mal einen schönen Porno.Die Filme von Männern für Männer eregen mich überhaubt nicht.Ich liebe es wenn eine Frau einen" echten" Orgasmus hat.Was in diesen Rammel filmen nie der fall ist.Wie soll eine Frau auch kommen ,Wenn sie sich darauf konzentrieren muss nicht zu würgen während der supermann ihr sein teil bis zu den Mandeln schiebt.Danach wird dann ins Gesicht gespr....
    Ich hab in den ganzen Filmen seit meiner Jugend nicht einmal gesehen ,das eine Frau auch als solche behandelt wurde.Auch das Spiel zwischen bumsen und f..... ist nirgends zu sehen.
    Eine Aufnahme vom Frauenarzt kommt aufs gleiche raus.Und die Jugend männl.denkt Sex ist ein Sport und sie müssten wie ein Schlagbohrer auf ihrer Freundin rumhacken.Völlig verzerrtes Bild der Realität.Es ist schon lange Zeit das es schöne ,zärtliche und anregende Filme gibt.
    Also Männer mal ehrlich wollt ihr euch wirklich länger so ne scheisse anschauen!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Sehr schön und sehr interessant zu lesen der Beitrag " Pornos für Frauen " ich ( Weiblich ) habe diesen Beitrag hier gefunden, weil ich mal wieder seit langer Zeit einen Pornofilm für die Frau sehen wollte. Was ich auch sehr toll finde das ihr das Brigitte Team auf die Seite von Petra Joy hinweist, endlich mal einen Shop wo man realtiv (im Vergleich zu den Pornos für Männer) viele Filme für die Frau findet.
    Aber auch ich war mal auf der Suche nach einer Seite wo man diverse Filme für die Frau bekommt und habe da nach Meinungen andere Internetnutzer und Freundinnen eine Empfehlung bekommen und zwar auf der Seite http://www.porno-star-dvd.com/?cat=c167_--Heartcore.html findet man eine Reihe an Frauen freundlichen Pornofilme. Das Zauberwort heißt wohl " Heartcore " habe ich selbst auch noch nie gehört, aber gut zu wissen.
    Aufjedenfall, ein Dankeschön an das Brigitte.de Team für diesen sehr schönen Beitrag von Petra joy.

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