"Gute Küsser sind gute Familienväter"

Viele Frauen klagen, dass Männer einfach schlecht küssen. Was dahinter steckt, verrät der Hamburger Sexualforscher Prof. Dr. med. Wolfgang Berner im Brigitte.de-Interview.

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Wolfgang Berner

Wolfgang Berner

Brigitte.de: Fast jede zweite Frau ist mit den Kuss-Qualitäten von Männern unzufrieden. Und viele Frauen glauben, dass Männer, die schlecht küssen, auch schlechte Liebhaber sind. Was ist da dran?

Wolfgang Berner: Da stellt sich doch zunächst die Frage, was eigentlich ein guter Liebhaber ist. Das hängt vor allem von der individuellen Kommunikation der Partner ab. Wir haben bei wissenschaftlichen Untersuchungen unter Studenten festgestellt, dass Frauen in länger bestehenden Partnerschaften vor allem Zärtlichkeiten vermissen, also das "Werbeverhalten" der Männer aus der Anfangsphase einer Beziehung. Wenn eine Frau nun sagt, ein Mann küsse schlecht, gibt sie damit unabsichtlich eines ihrer Partner-Wahlmerkmale preis...

Brigitte.de: Können Sie das näher erläutern?

Wolfgang Berner: Evolutionsbiologisch betrachtet gehört das Küssen in den Bereich der Partnerwahl. Schon bei den - uns am nächsten verwandten - Primaten lässt sich beobachten, dass sie Küsse austauschen. Das lässt sich von der Mundernährung herleiten: Die Mutter kaut ihrem Nachwuchs das Essen vor; der Mund-zu-Mund-Kontakt hat also etwas mit familiärer Fürsorge zu tun. Frauen, die betonen, wie wichtig ihnen ein guter Küsser ist, geben unbewusst über ihren Familiensinn Auskunft. Sie fühlen sich bei einem gut küssenden Partner wohl, weil er besser geeignet ist zur Brutpflege, also zur Aufzucht der Kinder, als ein Mann, der ihrem Empfinden nach schlecht küsst.

Brigitte.de: Männern ist das Kriterium "Küssen" nicht so wichtig?

Wolfgang Berner: Richtig, Männer sind prinzipiell weniger wählerisch bei der Partnerwahl. Deren Ziel, die Fortpflanzung, stellt für sie biologisch gesehen ein geringeres Risiko dar als für Frauen.

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  • Prof. Dr. med. Wolfgang Berner ist Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).
    Interview: Wiebke Peters

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