"Gute Küsser sind gute Familienväter"

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Brigitte.de: Womit noch nicht geklärt wäre, warum Männer schlecht küssen, also zum Beispiel eine Frau mit bohrenden Zungenküssen traktieren...

Wolfgang Berner: Statistische Erhebungen, die diese Behauptung stützen, gibt es meines Wissens nicht. Ich möchte es lieber so formulieren: Sexualität ist eine sehr bewusste Sache geworden. Das Liebesleben leidet darunter, dass jeder Mann heutzutage ein doller Liebhaber zu sein hat. Die Männer wollen also vollwertige Liebhaber sein, und schießen beim Kuss vielleicht über das Ziel hinaus. Zudem hat Küssen viel mehr mit einem Intimitätsgefühl zu tun als mit akutem sexuellen Begehren. Und viele Männer fürchten besonders die Intimität.

Brigitte.de: Das heißt, schlechte Küsser wollen mit heftigen Küssen lieber schnell zum Eigentlichen kommen?

Wolfgang Berner: Das kann es heißen, ja. Die Bereitschaft beim Mann, empfindsam zu küssen, kann entsprechend bedeuten: Dies ist die Partnerin, die ich mir gewünscht habe.

Brigitte.de: Was mache ich, wenn ich unzufrieden bin mit den Küssen meines Partners?

Wolfgang Berner: Es sollte nicht ausschließlich über das Problem diskutiert werden. Besser: Ausprobieren und positiv verstärken, also sagen "So hab ich's gern!", wenn mir etwas gefällt und gut tut. Mein Rat an die Partner lautet: Aufmerksam sein, und nicht einer Rolle entsprechen wollen, sondern mit sich selbst zufrieden sein.

Brigitte.de: Apropos Selbstzufriedenheit: In einer Umfrage gaben 20 Prozent der Männer an, sie hielten sich für perfekte Küsser...

Wolfgang Berner: Jeder fünfte? Das ist doch nicht viel (lacht). Die Rede von einer Perfektion finde ich schwierig. Sexualität ist kein Sport. Küssen sollte immer Ausdruck eines Gefühls sein.

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  • Artikel vom 07.04.2004
  • Prof. Dr. med. Wolfgang Berner ist Direktor des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).
    Interview: Wiebke Peters
BRIGITTE im ABO