Lippenbekenntnisse: Wie Frauen über Sex denken

Braucht man Nähe, um guten Sex zu haben?

Helen Fisher(Foto: privat)

Helen Fisher
(Foto: privat)

Das hängt von den Beteiligten ab. Einige sagen, dass Vertrautheit absolut notwendig ist, bevor man miteinander ins Bett geht. Andere wiederum meinen: »Nein, ich muss noch nicht einmal wissen, wie er heißt.« Dennoch erstaunt es mich, dass Männer den Sexakt an sich als intimer empfinden als Frauen. Für die ist es nämlich eher ein Ausdruck von Nähe, sich von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten. Wenn wir mit jemandem intim sind, schauen wir ihm mit einer Art ›Ankerblick‹ direkt in die Augen. Das geht auf die graue Vorzeit zurück, als unsere Urahninnen ihre Säuglinge hochhielten und ihr Gesicht fixierten; um sie zu trösten, zu ermahnen und sie mit Worten zu erziehen. Worte sind für Frauen gleichzusetzen mit Nähe. Es gibt Frauen, die kurz vor dem Sex mit ihrem Partner reden möchten. Der hält sie für verrückt. Sie aber möchte ihre Art von Vertrautheit herstellen, bevor es zum Sex kommt. Für den Mann ist der Sex an sich Ausdruck von Nähe. Aus darwinscher Sicht macht das durchaus Sinn. Wenn ein Mann Sex mit einer Frau hat, schenkt sie ihm möglicherweise ewiges Leben. Denn wenn sie schwanger wird, verhilft sie seiner DNS in die Zukunft. Für den Mann der Hauptgewinn auf diesem Planeten!

Helen Fisher, ist Professorin an der Rutgers-Universität in New Brunswick, New Jersey, und eine der weltweit bekanntesten Liebesexpertinnen. Die Anthropologin hat mehrere Bücher zum Thema geschrieben, darunter Die vier Typen der Liebe, Anatomie der Liebe und Warum wir lieben. Seit vielen Jahren forscht sie intensiv zu den Themen Evolution und Chemie der Leidenschaft.

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