Keine Lust: Will er nicht? Kann er nicht?

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Interview: Warum haben Männer keine Lust auf Sex?

Dr. Reinhardt Kleber, Sexualtherapeut am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Dr. Reinhardt Kleber, Sexual-
therapeut am Universitäts-
klinikum Hamburg-Eppendorf

BRIGITTE: Immer mehr Männer haben kein Bedürfnis nach Sex...

Dr. Reinhardt Kleber: Früher mussten sich Frauen permanent gegen allzeit bereite Männer wehren, heute klagen sie über Männer, mit denen im Bett nichts mehr los ist. Vor 15 Jahren wurden wir Männer oft stark kritisiert, wenn wir auch nur gewagt haben, einer Frau einen lüsternen Blick zuzuwerfen - heute werden wir öfter zum Sex aufgefordert. Angebot und Nachfrage haben sich verschoben. Das ist im Wesentlichen der Unterschied zu früher. Immer häufiger kommen Männer in meine Beratung und klagen über sexuelle Unlust, früher waren es fast nur Frauen.

BRIGITTE: Werden Männer immer weiblicher und Frauen immer männlicher?

Dr. Reinhardt Kleber: So ähnlich. Männer sind oft durch das immer stärker werdende weibliche Selbstbewusstsein eingeschüchtert. Viele Frauen von heute nehmen sich, was sie wollen, da sind alte männliche Eroberungsmuster nicht mehr gefragt. Nicht zu vergessen: Männer haben den Höhepunkt ihrer sexuellen Potenz mit 17, Frauen etwa ab Mitte 30. Das Leiden in einer Partnerschaft fängt immer dann an, wenn es zu einem sexuellen Ungleichgewicht kommt. Wenn einer von beiden mehr will als der andere. Viele Männer haben Angst, den Ansprüchen einer Frau nicht zu genügen. Da kann eine Therapie helfen. Oft genügt es schon, wenn die Frauen beharrlich bleiben und sich nicht nach ein paar erfolglosen Annäherungsversuchen gleich zurückziehen. Der größten Fehler, den die Paare machen, ist, nicht über ihre Bedürfnisse zu sprechen. Und: Erotik braucht Zeit, Inszenierungen und eine Nische jenseits des Alltags.

BRIGITTE: Ab wann kann man überhaupt von einem lustlosen Mann sprechen?

Dr. Reinhardt Kleber: Die Grenzen, wo etwas zum Problem wird, sind natürlich immer individuell. Generell gilt: wenn es einem von beiden - in diesem Fall der Frau - nicht genügt. Manche Paare kommen zu mir und sagen: "Wir schlafen nur noch zweimal pro Woche miteinander." Es geht aber um Qualität, nicht um Quantität. Die Erwartungshaltung in Sachen Sex ist inzwischen wahnsinnig hoch.

BRIGITTE: Gibt es noch mehr Gründe?

Dr. Reinhardt Kleber: Bedeutend für die männliche Unlust ist oft auch massiver Internetkonsum. Manche Männer reagieren dann nur noch auf pornografisches Material aus dem Netz und schließen ihre Partnerin von ihren erotischen Wünschen aus. Und viele werden auch unsicher angesichts der Männlichkeits-Ideale...

BRIGITTE: ...wegen der Waschbrettbäuche der Männer in der Werbung?

Dr. Reinhardt Kleber: Internet, Werbeplakate, Zeitschriften - die narzisstische Körperkultur wird geschürt. Männer werden mit perfekten Männerkörpern konfrontiert. Da steht ein ganz normaler Mann zu Hause vor dem Spiegel, sieht seinen kleinen Bauchansatz, seine wenig muskulösen Arme, sein schütteres Haar und fühlt sich plötzlich unsexy. Das macht es schwerer, Verlangen nach Sex zu spüren.

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  • Artikel vom 08.11.2005
  • Text: Andrea Müller
    Interview: Andrea Müller
Letzte Kommentare
  • frieda
    am 30.04.12 um 15:28
    Hallo,

    leider bin ich auch eine Leidensgenossin.
    Ich bin seit 10Mon in einer Beziehung (beide Anfang30)
    Alles wunderbar, allerdings fehlt eines: SEX.
    Er ist Jungfrau, sexuell unerfahren und hat in seiner langjährigen vorigen Bezihungen einige Versuche gestartet.Doch:Seine Exfreundin wollte keinen Sex, ließ ihn nie ran und bei den wenigen Versuchen hatte sie wohl so starke Schmerzen, dass es nie zu mehr kam.
    Nun ist er völlig zu und verklemmt/gehemmt. Ich kann machen was ich will, er zeigt kein wirkliches Verlangen oder sexuelles Interesse. Zu mehr wie Zungenküsse und ein wenig Kuscheln kommt es nicht. Sobald es intensiver wird blokt er wieder ab. Habe öfter versuchtmit ihm darüber zu sprechen. Funktioniert genauso toll wie alles weitere. Kurz erklärt er sich, danach wird es tot geschwiegen. "Was man(n) nicht kennt, vermisst man(n) nicht!" Er wäre in Sorge, dass er nicht gut im Bett sei und meinen Erwartungen nicht entspreche! Was soll ich tun? Habe Geduld aber die ist ba

  • Trockengebiet
    am 30.04.12 um 10:34
    Erik, kann es sein, dass Du noch nicht ganz bereit für eine feste Beziehung bist? Mit 25 und nach 5 Jahren Beziehung auch kein Drama, aber ich glaube, hier gibt es die ein oder andere, die sich schon in einem anderen "Stadium" des Zusammenlebens befindet und da geht es eher in Richtung "Gemeinsam" als "das Unbekannte - neue "Eroberungen" machen" oder "Fernbeziehung nach 5 Jahren".. Ich glaube, Du musst Dir noch mal die Hörner abstoßen statt endgültiges zu leben.. Das ist nicht böse gemeint. Wirklich! Ich kenne genug Leute, die genauso waren. Aber irgendwann verändern sich die Bedürfnisse.
    Für die, die sich nun fragen, wie soll das weitergehen und wie soll ich damit leben, stellen sich ganz andere Fragen. Ich spreche aus Erfahrung. Statt aufzugeben, gehe ich nun zu einer Paartherapie. Allein! Ich liebe meinen Freund bis in die letzte Pore und suche mir Hilfe, wie wir da rauskommen. Ob das hilft, wird sich zeigen. Ich lasse nichts unversucht.
  • Engel
    am 29.04.12 um 17:46
    Wir sehen uns ja nicht so oft paar Std am Tag und am Wochenende ist er auf Arbeit er hat ja auch keine schwere arbeit.. Und bin öfter mal für 1 Woche oder 10 Tage bei eltern oder Freunde also ist das nicht der Grund
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