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Männer-Strip: Jungs, lasst die Hosen an!

Im Kinofilm "Magic Mike" ziehen Matthew McConaughey und Channing Tatum als Stripper blank. Ist das erotisch? Männer sollten entweder tanzen oder nackt sein, findet BRIGITTE.de-Redakteurin Julia Müller.

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Für den schmierigen Stripclub-Besitzer Dallas (Matthew McConaughey, im Bild) ist "Magic Mike" (Channing Tatum) ein Glücksfall. Aber eigentlich träumt der einen ganz anderen Traum.

Für den schmierigen Stripclub-Besitzer Dallas (Matthew McConaughey, im Bild) ist "Magic Mike" (Channing Tatum) ein Glücksfall. Aber eigentlich träumt der einen ganz anderen Traum.

Foto: Constantin Film

Ich habe nichts gegen halbnackte Männer. Ganz im Gegenteil, ich schaue sie mir sehr gern an: im Fernsehen bei Olympia, auf H&M-Plakaten, in Filmen mit Ewan McGregor oder auch privat in meinem Schlafzimmer. Aber ein Mann, der sich tanzend vor mir auszieht? Der reizt meine Lachmuskeln, sonst nichts.

Ich spreche aus Erfahrung: Als Höhepunkt eines Junggesellinnenabschieds habe ich einen Abend in einem Hamburger Stripclub verbracht. Die Braut durfte zwischen sieben verschiedenen Modellen mit freiem Oberkörper wählen, allein das war so erotisch wie eine Kaufentscheidung an der Käsetheke. Knapp zehn Minuten verrenkte sich dann ein mit Tattoos zugepflasterter, ölig glänzender Herr auf unserem Tisch. Selbst im Handstand animierte er uns dazu, Papiergeld in den Bund seiner Unterhose zu stecken, zum Schluss trug er nur noch Turnschuhe und eine Decke vor dem Gemächt. Das ganze Spektakel versetzte niemanden in Ekstase. Und mir war es höchst unangenehm.

Die Idee, Erotik als Dienstleistung einzukaufen, finde ich befremdlich. Natürlich könnte man den Männer-Strip als Siegeszug der Emanzipation feiern: Wenn Männer Frauen dafür bezahlen, sich auszuziehen, warum sollte uns dieses Vergnügen nicht auch zustehen? Ich möchte niemanden davon abhalten, mit einer Horde Freundinnen kreischend in einer Stripshow zu sitzen. Allerdings bezweifle ich, dass es dabei besonders lustvoll zugehen wird.

Dazu habe ich eine Theorie: Der leicht bekleidete männliche Körper ist dafür gemacht, beim Holzhacken, Surfen oder meinetwegen Federballspielen eine gute Figur abzugeben, nicht aber beim Tanzen zu Titeln wie "You Can Leave Your Hat On". Das wirkt putzig (erinnern Sie sich an den englischen Film "Ganz oder gar nicht"?) oder prollig (die Chippendales), aber niemals sexy.

Den Film "Magic Mike" werde ich mir wahrscheinlich trotzdem ansehen. Immerhin führte Steven Soderbergh Regie und wenn sich keiner auszieht, soll die Geschichte richtig gut sein. Aber ich habe weiterhin Schwierigkeiten mit strippenden Männern - selbst, wenn sie aussehen wie Matthew McConaughey.

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  • Artikel vom 15.08.2012
    Foto: Constantin Film
    Text: Julia Müller
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