Pornosucht: "Am Computer kannst Du doch immer!"

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Ich kam aus dem Muster nicht mehr raus. Wann immer Uwe in sein Arbeitszimmer verschwand, stieg die Wut in mir hoch. Maximal eine halbe Stunde hielt ich durch, dann stürzte ich nach oben und spie Beleidigungen aus. Um dann wieder wie ein Häufchen Elend zusammenzubrechen. "Sag mir doch, was ich tun soll", flehte ich verzweifelt, "was fehlt dir bei uns?" Er schüttelte den Kopf. Sagte, dass er manchmal nicht wisse, was er in all den Seiten suche. Ein Bild, das er nicht beschreiben könnte. Ein bestimmtes Ambiente, eine spezielle Stellung, manchmal auch nur einen veränderter Blickwinkel.

Ich kann den Kampf gegen die Bilder nicht gewinnen.

Schon die Jagd danach geilt ihn auf, und dann dieser großartige Moment, in dem er findet, was er will. Er kriegt es nicht auf Anhieb, er muss es suchen. Das ist der Reiz, und das macht mich reizlos: Im Gegensatz zu dem perfekten Bild bin ich viel zu verfügbar. Und auch wenn ich mich noch so sehr bemühen würde, ich kann diesen Kampf einfach nicht gewinnen, das habe ich kapiert. Denn so wandlungsfähig ist keine Frau, dass sie zufällig zur Fantasie, zu Gedankenblitzen einer spontanen Lust passt. Rote Dessous, schwarze Strümpfe, Lack, Leder, im Schürzchen oder beim Dreier.

Immerhin reden wir jetzt, die Karten liegen auf dem Tisch, vielleicht ist das unsere Chance. Uwe kann nicht mehr ohne die Bilder, hat er gesagt. Dass er aber wieder zurück will in unsere Beziehung und in eine Welt, in der Umarmungen auch mal warm und weich sind, nicht nur geil und feucht. Wir haben gemeinsam entschieden, eine Paartherapie zu machen, zweimal waren wir schon da. Ich habe kapiert, dass ich mich nicht in Konkurrenz zu den Pornos sehen muss, er hat verstanden, dass er in eine Sucht hineingeraten ist. Er hat zugegeben, sogar schon mal im Büro in Sex-Seiten gestöbert zu haben, wenn die Kollegen gegangen waren. Seine Pornodatensammlung hat er inzwischen gelöscht. Und er lässt die Tür auf, wenn er am PC arbeiten muss. Ein Anfang, immerhin.

Bei meinem Sohn habe ich neulich ein Pornoheft im Wäschestapel entdeckt. Ich habe es zerrissen und in den Müll gestopft, in einem Anfall von Wut. Ich bin dann sofort los, habe das gleiche Heft noch mal gekauft und es in seinen Schrank gelegt. Damit er nichts merkt. Für einen Jungen seines Alters ist das ja völlig normal. Für mich nicht mehr. Aber dafür kann er nun wirklich nichts.

Mein Mann schläft nicht mehr mit mir: Tauschen Sie sich mit anderen Frauen im Forum aus

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  • Artikel vom 11.12.2009
  • Protokoll: Silke Pfersdorf
    Foto: iStockphoto.com
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 24/09
Letzte Kommentare
  • Tig
    am 24.05.12 um 23:43
    Nach meinen (28 m) Erfahrungen haben Pornos großes Suchtpotential, wenn man einmal angefixt ist. Ich hatte Phasen in denen es ähnlich war wie hier beschrieben (mehrere Stunden täglich, im Büro etc). Als ich dann in einer sehr glücklichen Partnerschaft war, war es erst mal weg, ist aber dann bei Stress, Ärger etc wiedergekommen. Es macht mir auch Angst, weil ich gemerkt habe, wie ich dann sehr bald immer weniger Lust auf wirklichen Sex habe. Vom Vertrauensbruch, den Lügen, dem Ekel meiner Freundin, der Scham und dem Selbstbetrug zu schweigen. Pornos alleine schauen hat für mich nichts mit wirklichem Sex zu tun, weil es nicht um Menschen geht, sondern nur um autistische Selbstbefriedigung. In der Zeit wo's schlimm war hätte man mir wer weiß wen auf den Bauch binden können, ich hätte trotzdem nicht aufgehört. Ich glaube, dass ich das allein nie mehr ganz aus dem Kopf kriege, wer also einen guten Verhaltenstherapeuten in Berlin kennt...
  • Kristall
    am 02.05.12 um 07:31
    Egal wie lange eine Frau versucht gegen diese Pornosucht anzukämpfen, diesen Kampf verliert jede Frau. Das liegt wahrscheinlich daran, das wir betroffenen Frauen nicht mit den Damen im Internet mithalten können. Damit meine ich, wir sind nicht so wandlungsfähig. Es sind immer andere Frauen mal blond mal braun. Aber alle sind ohne Scham. Wir hätten den ganzen Tag damit zu tun den Herren zu gefallen um die Phantasie anzuregen. Weil, es gibt ja dann auch nichts anderes im Leben mehr bei dieser Sucht. Weder Verantwortung, noch Respekt gegenüber dem Partner. Noch nicht einmal Scham, wenn man aufgefallen ist. Jede Minute, die ich darüber nachgedacht und geweint habe, war verschenkte Zeit. Ich mache mir keine Vorwürfe mehr das es an mir gelegen hat. Aber ich kann es leider auch nicht vergessen, auch wenn dieser Mann nicht mehr in meiner Nähe ist. Leider hat es mich zu sehr geprägt. Seitdem er weg ist, bin ich befreit von diesem Schmutz. Das war doch kein Leben, es war zerstörend.
  • Löwenzahn
    am 29.04.12 um 15:29
    Es tröstet doch, dass frau nicht allein ist seit 40 Jahren. Ich könnte alle Beiträge hier noch einmal abschreiben, denn in meinem Haus läuft dasselbe ab. Ich kann alles dick unterstreichen. Man stumpft mit der Zeit ab, wird sarkastisch, ist verzweifelt, sucht anfangs die Schuld bei sich.
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