Rezepte gegen die Unlust

Ihr Partner hat keine Lust? Ein Experte beantwortet Leseranfragen der BRIGITTE zum Thema Lust beim Sex.

Dr. Reinhardt Kleber

Dr. Reinhardt Kleber, Sexual-
therapeut am Universitäts-
klinikum Hamburg-Eppendorf

Im November 2005 veröffentlichte die BRIGITTE einen Artikel zum Thema "lustloser Mann". Die Reaktionen bei Brigitte.de auf dieses Thema waren überwältigend: In weit über 100 Leser-Kommentaren äußerten sich betroffene Frauen (und Männer). Vielfach wurde gewünscht, mehr Tipps für den Umgang mit dem Problem sexueller Unlust beim Partner zu bekommen. Brigitte.de befragte den Sexualtherapeuten Dr. Reinhardt Kleber vom Universitätsklinikum Eppendorf in Hamburg zu den Problemen, die in den Kommentaren deutlich wurden.

"er hat einfach keine Lust"
"Dass er mich liebt, zweifle ich keine Sekunde an, und wir kuscheln und schmusen sehr viel. Nur auf Sex hat er überhaupt keine Lust mehr. Muss ich mich wirklich damit abfinden?"

"Die Wurzel des Übels ist nicht der Sex selbst, sondern die gesamte Paardynamik", stellt Reinhardt Kleber klar. In der Regel haben die Partner einen Konflikt, der noch nicht zur Sprache gekommen und verarbeitet ist. Probleme mit der Sexualität sind immer Begleiter solcher Konflikte, nie entstehen sie aus einer vollkommenen Harmonie heraus, auch wenn die Paare das von sich behaupten.

Sexuelle Unlust heißt oft: Keine Lust, das zu machen, was die Partnerin will, auch wenn Erregbarkeit grundsätzlich vorhanden ist. Dieser Kontrast weist nach der Ansicht Klebers darauf hin, dass die Harmonie, die fast alle Kommentarschreiberinnen für ihre Beziehung reklamieren, unter die Lupe genommen werden muss. In der Regel gibt es keine Streitkultur. Ein häufiger Grund dafür: Das Trennende, was nach der Phase der Verliebtheit immer zwischen zwei Partnern entsteht, weil sie sich bewusster werden, zwei unterschiedliche Menschen zu sein, wird nach Klebers Erfahrung von vielen Paaren nicht genügend respektiert. "Konflikte - die es in jeder Beziehung gibt - werden sehr schnell unter den Teppich gekehrt, und werden dann vergessen", beschreibt Reinhardt Kleber das Problem. Als erster Schritt kann es hilfreich sein, darauf zu achten, "dass nicht ein Partner chronisch das vorletzte Wort hat", wie der Psychotherapeut es ausdrückt, der andere also immer Recht bekommt. Die Partner müssten wieder lernen oder sich erst angewöhnen, Konflikte wirklich durchzubeißen, sich auseinanderzusetzen mit den Unterschieden zwischen ihnen. Paaren, die nicht streiten, entgeht etwas Wichtiges, sagt Reinhardt Kleber: " Die Erleichterung nach einem durchgefochtenen Streit - und die schöne Erfahrung, dass die Beziehung sich entwickelt".

Außerdem rät Kleber Paaren, genau hinzuschauen, ob es in der Beziehung starr gewordene Polarisierungen gibt. Das heißt, jeder Partner nimmt eine klar definierte Rolle ein: Der eine ist beispielsweise exklusiv fürsorglich, der andere exklusiv hilfsbedürftig. Klebers Rat: "Schauen Sie, wo Sie den Spieß umdrehen können, überlegen Sie zum Beispiel, wo der Fürsorgliche selbst Hilfe braucht, und spielen Sie mit neuen Positionen." Auch Komplimente des Partners, wie "du bist die Schönste, eine tolle Frau", sollten kritisch betrachtet werden. "Mit solchen Zuschreibungen wird die Partnerin hinter Glas gesteckt, so dass viel von der Dynamik verloren geht, die für eine Beziehung so wichtig ist", sagt Reinhardt Kleber.

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  • Protokoll: Wiebke Peters
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