Sex-Praktiken

Sadomasochismus: "Wir nehmen uns, was wir brauchen"

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In diesem Artikel:

Was meinst du mit "politisch"?
Wir leben und entdecken selbstbestimmt unsere Sexualität, gerade auch als Frauen, egal ob wir oben oder unten spielen - wir nehmen uns, was wir brauchen, ohne uns dafür zu schämen. Wir versuchen, unsere eigenen Bedürfnisse ausfindig zu machen und dann auch zu kommunizieren, nicht als Forderung, sondern einfach als Information, und dann sehen wir, wie wir zusammenkommen.

Wir achten sehr genau auf die Bedürfnisse des anderen.

Genauso versuchen wir, aufmerksam auf einen anderen zu hören und auch auf uns selbst, und dem anderen möglichst viel von dem zu geben, was er haben möchte, ohne uns selbst dabei zu gefährden. Wir achten sehr genau darauf, die Bedürfnisse des anderen und auch seine Ängste, seine Verletzlichkeiten ernst zu nehmen, uns gegenseitig mit Respekt und Achtung zu behandeln, den anderen als Menschen zu sehen und nicht zum Wunscherfüller zu degradieren. Wir reden sehr viel miteinander, reflektieren, versuchen, zu sagen, was das Verhalten des anderen, die Situation mit uns macht, ohne dabei Schuldzuweisungen zu formulieren. Ich glaube, so wie wir miteinander umgehen, sollte man generell im gesellschaftlichen Raum miteinander umgehen, wenn man will, dass sich etwas ändert.

Ist es denn wirklich so, dass alle SMer so viel miteinander sprechen und so rücksichtsvoll miteinander umgehen? Gibt es nicht auch sexuelle, emotionale oder auch wirtschaftliche Ausbeutung unter SMern?
Doch, natürlich, viele machen das ganz anders. Aber nur, weil manche SMer die Möglichkeiten dessen, was sie tun, nicht sehen, verliert die Sache ihr Potential ja nicht.

Du sagtest vorhin, dass du dich jetzt auch traust, ohne schlechtes Gewissen Frauen zu dominieren - was hat SM für dich mit queer sein zu tun?
Es gibt natürlich eine große heterosexuelle Szene, wo Queerness kaum stattfindet. Aber in meinen Augen hat das schon ganz viel miteinander zu tun, und gerade in Berlin gibt es ja auch schon eine lesbisch-SMige oder schwul-SMige Szene.

Es fängt schon mal damit an, dass wir als SMer ja sowieso einen Lebensstil haben, der in die klassischen Schubladen erst mal nicht unbedingt reinpasst. Deswegen ist hier theoretisch ein guter Raum für Dinge, die sich nicht so klar definieren lassen. Ich bin zum Beispiel bisexuell und damit hatten zumindest früher eigentlich alle ein Problem. Den einen war man nicht hetero, den anderen nicht lesbisch genug. In der SM-Szene fühle ich mich mit meinem Bi-Sein wohl. Wobei es auch hier Lesben gibt, die nichts mit Bi-Frauen haben wollen, und Heteros, die einen nicht ernst nehmen.

Du glaubst also, uneindeutige sexuelle Identitäten sind im sadomasochistischen Raum gut aufgehoben?
Ja, damit wird ja auch oft gespielt im SM-Bereich. Der Transvestizismus ist ja eine beliebte Spielart. Wobei wir klassische Geschlechterrollen ironisch überspitzen und daraus Lust ziehen.

Was ist das Lustvolle daran?
Ich kann es ehrlich gesagt nicht sagen. Es ist wie mit Schlägen oder Küssen oder allem anderen. Man weiß nicht, warum es einen kickt. Man spürt bloß, dass es so ist.

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  • Interview aus dem Buch "Lust auf Schmerz" von Cornelia Jönsson (Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)
    Foto: Getty Images
Letzte Kommentare
  • BRIGITTE.de-Team
    am 26.08.11 um 10:24
    Hallo Peter!

    Eine kurzer Hinweis:

    1. Meinung zum Erotik-Artikel schreiben: Hervorragend, gerne.
    2. E-Mail-Adresse hinzufügen: Nein, dafür gibt es Dating-Portale.

    Wir haben daher Ihren Hinweis, Ihnen zu schreiben (und Ihre Adresse) entfernt.

    Gruß

    das BRIGITTE.de-Team

  • Peter
    am 26.08.11 um 09:45
    Hi,
    Also ich kann vieles nachvollziehen. Ich organisiere eintägige Fantasien für Männer wie Frauen, aber das dominante Frauen die Frauenbewegung weiterbringen, weil sie den Spieß umdrehen, siche nicht. Und ich halte es auch nicht für eine Störung, eher ist das unterdrücken der Neigung die Störung. Einnmal den Sklaven raus lassen, einmal mit 5 Männern schlafen... das tut der Seele gut. Besser als 10 Stunden auf der Couch!
  • Scribbler
    am 19.12.09 um 10:39
    Soziologie und S/M... noch ne Pommes dazu?

    Schön und gut, dass die Dame sich gefunden hat, aber ihre "Heilsprognose" und die Tatsache, dass ganze als political correct zu klassifizieren, ist doch ziemlich weit her geholt. Da ich selber in der Szene aktiv bin, kann ich ruhigen Gewissens behaupten, dass die Autorin mit ihrer Einstellung ziemlich einsam dasteht. Aber nun gut: Jedem wie er mag.

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