Sex-Praktiken

Sadomasochismus: "Wir nehmen uns, was wir brauchen"

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In diesem Artikel:

Hat SM sexistische Aspekte?
In manchen Fällen sicher. Aber ich finde es ganz wichtig, im feministischen Diskurs und auch Handeln, von dieser PorNo-Geschichte, die es früher gab, wegzukommen. Porno und Sex und auch Sex mit Männern ist natürlich überhaupt nicht per se schlecht und frauenverachtend. Es geht nicht darum, uns der Pornographie zu entziehen, es geht vielmehr darum, sie für uns selbst zu erobern. Früher waren hier bei uns Frauen bloß Spielzeuge der männlichen Erotik, wie das heute immer noch in ganz vielen Ländern der Fall ist.

Wir finden es eben auch geil, erotisch brutal zu sein.

Dann haben die Frauen sich gewehrt, indem sie gesagt haben, sie wollen nicht sexualisiert werden. Und erst recht nicht, wenn diese Sexualisierung irgendetwas Gewalttätiges hat. Gewalttätig ist nur die männliche Sexualität, die weibliche ist zärtlich. Das ist natürlich Quatsch. Heute sind wir endlich an dem Punkt, wo wir einfach selbstbestimmt zu unserer Sexualität stehen können, ohne uns dabei irgendwie um die Männer zu kümmern, sei es, um ihnen zu gefallen oder um uns von ihnen zu emanzipieren. Heute machen wir, was uns Spaß bringt, und stehen dazu. Und klar, wir finden nackte Frauenkörper auch geil und wir finden es eben manchmal auch geil, erotisch brutal zu sein, auch einer Frau gegenüber. Das ist vollkommen in Ordnung, wenn sie es sich so wünscht und ich es mir so wünsche. Das haben wir der queeren und auch der sadomasochistischen Kultur zu verdanken, dass das heute geht.

Wie lebst du derzeit SM?
Ich habe eine Freundin, und wir switchen. Ursprünglich habe ich sie getoppt - sie war die erste Frau, mit der ich das so intensiv hatte. Nach einer gewissen Zeit wollte sie mal tauschen, zum Probieren. Das hat ihr dann so gut gefallen, dass sie das öfter wollte.

Ich finde das auch sehr gut, aber wenn ich wählen kann, ist mir das andere lieber. Weil ich auch keine gute Bottom bin, wie ich finde. Ich bin ganz feige, ich mag nicht geschlagen werden, ich habe viele Tabus - man kann nicht viel mit mir machen. Aber mein Respekt vor Bottoms ist gewaltig gewachsen, seit wir switchen. Und ihrer vor Tops auch, weil sie sieht, wie anstrengend und fordernd das ist.

Seit einigen Wochen gibt es einen Mann, den wir ein paar Mal gemeinsam getoppt haben, sie und ich. Das ist wirklich gut, ich hoffe, wir drei können uns das erhalten und viel miteinander entdecken.

Gehst du offen mit deiner Neigung um?
Ja, das ist für mich Teil des politischen Konzepts, das ich damit verbinde. Ich finde es wichtig, Toleranz und Respekt für unterschiedliche Lebensentwürfe aufzubringen, solange sie niemandem schaden. Dass alle immer das Gleiche gut finden sollen, das setzt uns gewaltig unter Druck.

Ich finde auch wichtig, dass Sexualität generell aufgewertet wird, dass wir nicht immer weiter so tun, als sei das bloß eine unwichtige Sache, die Paare manchmal vorm Einschlafen machen. Denn das stimmt nicht. Und es macht uns krank, wenn wir uns das einreden. Ich finde es wichtig, eine Sprache, einen Diskurs über Sex zu entwickeln. Man bemächtigt sich der Dinge, indem man lernt, über sie zu sprechen, sie sprachlich zu reflektieren, zu analysieren, auch mitzuteilen oder eben überhaupt zu benennen. Eine Gesellschaft kann nicht gesund sein, wenn sie ihrem Begehren hilf- und sprachlos gegenübersteht.

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  • Interview aus dem Buch "Lust auf Schmerz" von Cornelia Jönsson (Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)
    Foto: Getty Images
Letzte Kommentare
  • BRIGITTE.de-Team
    am 26.08.11 um 10:24
    Hallo Peter!

    Eine kurzer Hinweis:

    1. Meinung zum Erotik-Artikel schreiben: Hervorragend, gerne.
    2. E-Mail-Adresse hinzufügen: Nein, dafür gibt es Dating-Portale.

    Wir haben daher Ihren Hinweis, Ihnen zu schreiben (und Ihre Adresse) entfernt.

    Gruß

    das BRIGITTE.de-Team

  • Peter
    am 26.08.11 um 09:45
    Hi,
    Also ich kann vieles nachvollziehen. Ich organisiere eintägige Fantasien für Männer wie Frauen, aber das dominante Frauen die Frauenbewegung weiterbringen, weil sie den Spieß umdrehen, siche nicht. Und ich halte es auch nicht für eine Störung, eher ist das unterdrücken der Neigung die Störung. Einnmal den Sklaven raus lassen, einmal mit 5 Männern schlafen... das tut der Seele gut. Besser als 10 Stunden auf der Couch!
  • Scribbler
    am 19.12.09 um 10:39
    Soziologie und S/M... noch ne Pommes dazu?

    Schön und gut, dass die Dame sich gefunden hat, aber ihre "Heilsprognose" und die Tatsache, dass ganze als political correct zu klassifizieren, ist doch ziemlich weit her geholt. Da ich selber in der Szene aktiv bin, kann ich ruhigen Gewissens behaupten, dass die Autorin mit ihrer Einstellung ziemlich einsam dasteht. Aber nun gut: Jedem wie er mag.

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