Sex-Praktiken

Sadomasochismus: "Wir nehmen uns, was wir brauchen"

  • 4 Kommentare
  •  
  •  
In diesem Artikel:

Und wie reagiert dein Umfeld?
Es gab ein, zwei Frauen im politischen Umfeld, die ungut reagiert haben, die das falsch finden - als ob Begehren richtig oder falsch sein könnte. Die beiden meide ich jetzt eben.
Meine Eltern haben nichts weiter dazu gesagt, wir reden nicht viel über so intime Sachen. Mein Bruder findet das alles total schräg, er lebt ganz anders, mit Kindern und Frau und Haus und so. Aber wir haben darüber gesprochen und wir akzeptieren uns gegenseitig. Ja, und meine Freunde haben durchweg positiv reagiert.

Hat sich etwas in deinem Alltag oder deinem Berufsleben verändert?
Ich trenne das ja nicht so stark, für mich ist das alles eins. Ich verbringe jetzt natürlich viel Zeit in sadomasochistischen Kontexten, die dann woanders fehlt. Ich war in Leipzig mehr in die linke Szene eingebunden als hier in Berlin.

Ich bin durch SM offener und näher an mir selbst.

Ich promoviere über religiöse Inszenierungen von Weiblichkeit im weitesten Sinne - und da fließt mein Denken über Sadomasochismus natürlich mit ein, wie auch in meine Arbeit mit illegalen Einwanderinnen, weil das Thema "selbstbestimmte Sexualität" oder eben deren Fehlen da ja wichtig ist. Ich versuche auch, Frauen mit krassen Missbrauchserfahrungen zu vermitteln, dass Sex auch für Frauen etwas Positives sein kann, damit sie das nicht völlig aufgeben.
Ja, und ich habe schon den Eindruck, dass ich offener bin, also Sachen eher mal aus verschiedenen Blickwinkeln sehe, kapiere, dass die Dinge meist nicht eindeutig sind oder einfarbig, und dass ich näher an mir selbst dran bin.

Also hast du dich positiv entwickelt, seit du offen SM lebst?
Ja, schon. Offenheit ist ja immer gut. Das ist natürlich auch sehr anstrengend und zeitaufwändig, ich glaube nicht, dass Vanillas so viele Diskussionen über Sex mit ihren Sexpartnern haben und dann doch immer wieder auch Streit und ganz schlimme Gefühle. Oder dass sie so viel Zeit mit dem Einkaufen von Klamotten und Sextoys verbringen.

Hat SM für dich etwas mit Kindheitserinnerungen zu tun?
Irgendwas ist da, das spüre ich, aber darüber weiß ich noch nicht mehr, da muss ich später irgendwann mal ran.

Fühlst du dich als SMerin diskriminiert?
Ich fühle mich diskriminiert als Frau, die sich dezidiert und intensiv mit Sex beschäftigt. Und ja, in gewissen beruflichen Kontexten würde ich sicher Schwierigkeiten bekommen wegen meiner Neigung, das heißt, ich kann vieles nicht machen.

Was wünschst du dir für deine sadomasochistische Zukunft?
Wenn es so bleibt, wie es ist, dann ist das schon ziemlich gut. Und dann hoffe ich natürlich, viele neue, spannende Menschen kennenzulernen, in berührende Kontakte zu treten, immer kreativ zu bleiben, Neues zu entdecken ...

Müssen SMer stets Neues entdecken?
Ich glaube, dass es schon ein ausgeprägtes Bedürfnis nach neuen Kicks gibt. Vielleicht lässt das mit der Zeit nach.

Buchtipp

In dem Buch "Lust auf Schmerz" von Cornelia Jönsson erzählen 33 ganz unterschiedliche Frauen davon, wie sie ihre eigene sadomasochistische Neigung entdeckten und verwirklichten.
(Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, 240 Seiten)

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  • Interview aus dem Buch "Lust auf Schmerz" von Cornelia Jönsson (Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag)
    Foto: Getty Images
Letzte Kommentare
  • BRIGITTE.de-Team
    am 26.08.11 um 10:24
    Hallo Peter!

    Eine kurzer Hinweis:

    1. Meinung zum Erotik-Artikel schreiben: Hervorragend, gerne.
    2. E-Mail-Adresse hinzufügen: Nein, dafür gibt es Dating-Portale.

    Wir haben daher Ihren Hinweis, Ihnen zu schreiben (und Ihre Adresse) entfernt.

    Gruß

    das BRIGITTE.de-Team

  • Peter
    am 26.08.11 um 09:45
    Hi,
    Also ich kann vieles nachvollziehen. Ich organisiere eintägige Fantasien für Männer wie Frauen, aber das dominante Frauen die Frauenbewegung weiterbringen, weil sie den Spieß umdrehen, siche nicht. Und ich halte es auch nicht für eine Störung, eher ist das unterdrücken der Neigung die Störung. Einnmal den Sklaven raus lassen, einmal mit 5 Männern schlafen... das tut der Seele gut. Besser als 10 Stunden auf der Couch!
  • Scribbler
    am 19.12.09 um 10:39
    Soziologie und S/M... noch ne Pommes dazu?

    Schön und gut, dass die Dame sich gefunden hat, aber ihre "Heilsprognose" und die Tatsache, dass ganze als political correct zu klassifizieren, ist doch ziemlich weit her geholt. Da ich selber in der Szene aktiv bin, kann ich ruhigen Gewissens behaupten, dass die Autorin mit ihrer Einstellung ziemlich einsam dasteht. Aber nun gut: Jedem wie er mag.

mehr (4)
 
Kommentar schreiben
Wird nicht angezeigt.
Unter diesem Namen erscheint Ihr Kommentar.
Bitte schreiben Sie den Sicherheitscode ab * (Andere Zeichenfolge)
noch 1000 Zeichen übrig!
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder, alle anderen sind optional.

BRIGITTE im ABO

Brigitte-Netzwerk
BRIGITTE-woman.de
Bfriends.de
Bym.de