Die populärsten Sex-Mythen: Was wirklich passiert im Bett

Nur Frauen können einen Orgasmus vortäuschen. Oder? Enthaltsamkeit steigert die Lust. Stimmt das wirklich? Autorin Lynn Hagens überprüft populäre Sex-Mythen.

1. Ein Stehvermögen von 30 Minuten ist normal

Bei ausgedehnteren gehen Männer meist automatisch davon aus, dass ihr kleiner Freund die ganze Zeit über stramm zu stehen hat - bereit zum Einsatz, sobald es soweit ist. Und wenn ihrer stattlichen Erektion zwischendurch einmal die Luft ausgeht, ist dies für nicht wenige Männer eine herbe Enttäuschung.

Aber nicht nur Männer, sondern auch Frauen hegen immer wieder recht unrealistische Erwartungen an das männliche Stehvermögen. Da die Erektion das am deutlichsten sichtbare Zeichen seiner Erregung ist, gehen sie davon aus, dass ihr Nachlassen ein Hinweis darauf ist, dass auch seine Lust gerade einen Knick bekommen hat. In der Realität ist es jedoch so, dass der Penis gar nicht für länger anhaltende Erektionen gebaut ist. Im erigierten Zustand herrscht im Penis ein deutlich höherer Blutdruck als im Rest des Körpers. Wenn dieser hohe Druck zu lange anhält, kann er die Gefäße schädigen und so dazu führen, dass in Zukunft überhaupt keine richtigen Erektionen mehr stattfinden können. Daher ist eine Dauererektion auch kein Spaß, sondern dringend behandlungsbedürftig. Damit es gar nicht erst so weit kommt, hat Mutter Natur es so eingerichtet, dass der Penis sich ganz von selbst von Zeit zu Zeit eine kleine Pause gönnt und im Durchschnitt alle 15 Minuten etwas an Haltung verliert.

2. Beschnittene Männer halten länger durch

Bei beschnittenen Männern ist die Eichel, und damit der empfindsamste Teil des Penis, nicht mehr von der schützenden Vorhaut bedeckt. Daher verliert sie im Laufe der Zeit etwas an Empfindsamkeit, da sie so "nackt" ja ständig im direkten Kontakt mit ihrer Umwelt steht - allein schon mit der Unterwäsche. Auf das männliche Stehvermögen wirkt sich diese Abhärtung jedoch kaum aus – beschnittene Männer halten im Durchschnitt auch nicht länger durch als ihre unbeschnittenen Geschlechtsgenossen. Viel mehr als auf das Vorhandensein der Vorhaut kommt es dabei nämlich auf individuelle Faktoren wie Gesundheitszustand, Training (ja, wirklich!), das Ausmaß der Erregung und nicht zuletzt den Konsum von Alkohol und Co. an – und diese Faktoren können sich von Mal zu Mal ändern. Männern, die unter vorzeitigem Samenerguss leiden, wird zwar gelegentlich zur Entfernung der Vorhaut geraten, um so den Orgasmus hinauszuzögern. Da es jedoch auch beschnittene Männer gibt, die unter vorzeitigem Samenerguss leiden, ist der Erfolg der Maßnahme nicht wirklich garantiert

Sex: Die populärsten Sex-Mythen: Was wirklich passiert im Bett

3. Die erste Nacht muss unvergesslich sein

Wir kennen es alle aus dem Kino: Wenn sich endlich der oder die Richtige gefunden hat und das Traumpaar die erste Nacht miteinander verbringt, ist der Sex unvergesslich. In der Realität sieht dies aber leider oft anders aus: Nervosität und Anspannung gehören zu den größten Feinden von gutem Sex - und wer wäre beim ersten Mal mit einem neuen Partner nicht nervös?

Der Reiz des Neuen sorgt zwar für viel Spannung und Lust, und auch die Hormone heizen die Erotik noch zusätzlich an, aber trotzdem lauern im entscheidenden Moment jede Menge Pleiten und Pannen. So ergibt sich die Unvergesslichkeit der ersten gemeinsamen Nacht oft gerade aus den vielen Fallstricken, die dabei auf uns warten. Das muss für die Qualität der weiteren Beziehung allerdings nicht die geringste Rolle spielen: Auch nach einem verkorksten ersten Mal kann ein Paar zu einem wunderbaren Zusammenspiel im Bett finden – zumindest, wenn es nicht dem Irrtum unterliegt, dass das erste Mal eine Vorschau auf den Rest des gemeinsamen Sexlebens ist.

4. Ein guter Lover kann mehrmals nacheinander

Rein theoretisch ist es so, dass ein Mann durchschnittlich nur zehn Minuten Pause braucht, bevor sein bestes Stück nach einem Orgasmus wieder einsatzbereit ist. Nicht wenige Sexratgeber - von erotischen Romanen oder Filmen ganz zu schweigen – schüren daher die Erwartung, dass ein guter Liebhaber auch mehrmals nacheinander kann. In der Realität sieht es jedoch so aus, dass meist nur junge Männer allzeit bereit für einen neuen erotischen Einsatz sind. Da sie auf dem Höhepunkt ihrer sexuellen Leistungsfähigkeit stehen, sind sie gelegentlich durchaus dazu in der Lage, ein ums andere Mal neu ins Liebesspiel einzusteigen. Die Betonung liegt allerdings auf "gelegentlich".

Für eine endlose Abfolge von Orgasmen ist der männliche Organismus nämlich einfach nicht geschaffen. Aus biologischer Sicht dient Sex schließlich vor allem zur Fortpflanzung. Die Produktion neuer Spermien in den Hoden benötigt jedoch eine gewisse Zeit. Daher nimmt die Anzahl der Spermien im Ejakulat und sogar die Menge des Spermas selbst bei dicht aufeinander folgenden Orgasmen rapide ab – dem Schützen geht schlichtweg seine Munition aus. Darüber hinaus ist Sex jedoch auch eine äußerst kraftraubende Angelegenheit. Sie treibt den Blutdruck in die Höhe, der Puls wird schneller, allerlei Muskeln spannen sich an und sogar die Atmung wird vertieft. Kurz gesagt: Nicht nur die Geschlechtsorgane, sondern der ganze Mann braucht nach dem Sex eine Erholungspause. Und diese muss umso ausgedehnter sein, je stärker er sich vorher verausgabt hat.

5. Zu viel Sex leiert die Vagina aus

Diese Behauptung gehört ganz eindeutig in die Kategorie der Schauermärchen – in diesem Fall zu denen, die in früheren, prüderen Zeiten Frauen davon abhalten sollten, ihre Sexualität frei auszuleben und ihrer Lust nachzugeben. Die Vagina ist ein elastischer, muskulöser Schlauch, der seine Größe und Form während des Liebesspiels verändern und beim Orgasmus in seinem vorderen Teil in aufregende rhythmische Kontraktionen verfallen kann.

Wie alle Muskeln werden auch die Muskelstränge der Vagina durch regelmäßige Betätigung nicht schlaff, sondern tendenziell eher kräftiger - es besteht also kein Grund zur Beunruhigung. Erst mit fortschreitendem Alter wird die Vagina nach und nach weniger dehnbar, und ihre Wände werden dünner. Dies hat jedoch nichts mit der Anzahl der Sexualkontakte zu tun, sondern mit dem sinkenden Östrogenspiegel nach der Menopause. Falls das Größenverhältnis zwischen Penis und Vagina so unausgewogen ist, dass ein eher kleiner Penis eine eher weite Vagina nicht so sehr ausfüllt, wie beide Beteiligten sich das wünschen würden, kann gezieltes Beckenbodentraining helfen. Dabei werden die Beckenbodenmuskeln wiederholt so angespannt, als ob man auf der Toilette den Urinstrahl unterbrechen wollte. Das Training ist auch dann empfehlenswert, wenn der Beckenboden nach einer oder mehreren Geburten geschwächt ist und die Vagina beim Sex deshalb weiter erscheint als früher.

6. Enthaltsamkeit steigert die Lust

Wenn dies grundsätzlich so stimmen würde, gäbe es wohl schon lange keine religiösen Keuschheitsgelübde mehr. Enthaltsamkeit hat keine direkte, unmittelbare Auswirkung auf die sexuelle Lust. Zwar ist es möglich, dass - vor allem in einer glücklichen Beziehung - eine Zeit der erzwungenen Enthaltsamkeit dazu führen kann, dass beide Partner danach wie in der ersten Verliebtheit übereinander herfallen. Freiwillige Enthaltsamkeit dagegen eignet sich nur sehr bedingt als Mittel zur Luststeigerung.

Sie kann ganz im Gegenteil sogar dazu führen, dass die Lust im Laufe der Zeit ganz verschwindet, denn woran man sich kaum noch erinnert, das vermisst man auch nicht! Wer sich guten, lustvollen Sex wünscht, tut deshalb besser daran, Zeit für regelmäßige Übungsstunden einzuplanen. Lust lässt sich nämlich auch lernen und trainieren, und die Erinnerung an genussvolle, ekstatische Stunden zu zweit kann ganz allein schon dafür sorgen, dass sich immer wieder Lust auf mehr einstellt. Daher ist Enthaltsamkeit gerade dann mit Vorsicht zu genießen, wenn das Sexleben sowieso schon unter Langeweile und Lustlosigkeit leidet – in dem Fall kann sie nämlich noch mehr dazu beitragen, dass dies zum Dauerzustand wird.

7. Frauen haben seltener Lust auf Sex als Männer

Studien zufolge denkt über ein Drittel der Männer alle dreißig Sekunden an Sex- bei den Frauen tut dies dagegen nur jede zehnte. Aber ist dies auch ein Beweis dafür, dass Frauen seltener Lust auf haben als Männer? Bei der Beantwortung dieser Fragen kommt es stark auf das Alter der Betroffenen an: Nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern auch die Lust auf Sex ist je nach Lebensalter unterschiedlich stark ausgeprägt. Bei Männern fällt die Zeit der größten körperlichen Leistungsfähigkeit auch mit der größten sexuellen Begierde zusammen. Ihr Geschlechtstrieb steigt in der Pubertät steil an und hat mit Anfang 20 seinen Höhepunkt. Erst ab dem 30. Geburtstag lässt er dann wieder deutlich spürbar nach. Frauen dagegen sind zwar körperlich gesehen ebenfalls mit Anfang 20 in Hochform und vor allem im - aus biologischer Sicht - besten Alter, um Kinder zu bekommen. Ihr Geschlechtstrieb dagegen steigt deutlich langsamer an als der junger Männer.

Erst ab Anfang 30 ist dann auch ihr sexuelles Verlangen so stark ausgeprägt wie bei gleichaltrigen Männern. Dies hängt oft auch damit zusammen, dass sie bis dahin ihre Körper viel besser kennen gelernt haben und auch mehr Selbstbewusstsein haben, um ihre sexuellen Wünsche auszudrücken. In den ersten Lebensjahrzehnten kann es daher durchaus zutreffen, dass bei annähernd gleichaltrigen Paaren der Mann öfter Lust auf Sex hat als seine Partnerin. Ab dem 30. Lebensjahr wird sich ihr sexuelles Verlangen jedoch in etwa gleichen. Und ab dem 40. Lebensjahr kann dann sogar genau das Gegenteil zutreffen: Frauen haben in diesem Alter nicht selten deutlich mehr Lust auf Sex als gleichaltrige Männer. Dies liegt daran, dass der Geschlechtstrieb des Mannes in diesem Alter schön langsam nachlässt, während die Frau nach wie vor ihre Lust am Sex auslebt. Noch dazu wirkt sich bei Frauen, die auf die Vierzig zugehen, oft auch der Wunsch nach einem Kind aus, bevor die einsetzende Menopause dies unmöglich macht.

Sex: Die populärsten Sex-Mythen: Was wirklich passiert im Bett

8. Nur Frauen können einen Orgasmus vortäuschen

Frauen sind nicht die einzigen, die dazu im Stande sind, ihrem Sexpartner zur Abkürzung des Liebesspiels (oder um sein Ego zu schonen) einen Orgasmus vorzutäuschen. Mit etwas Geschick schafft dies auch praktisch jeder Mann, und rund zwei Drittel der deutschen Männer haben es auch schon einmal getan. Sperma ist schließlich nur dann ein offensichtliches Zeichen für einen Orgasmus, wenn es sich dort ergießt, wo man es auch sehen kann (und es tritt schließlich nicht in rauen Mengen auf). Innerhalb der Vagina ist es also schwierig nachzuprüfen, und auch ein Kondom muss Mann nur unauffällig genug verschwinden lassen.

Männer täuschen Orgasmen übrigens aus denselben Gründen vor wie Frauen: Weil sie ihre Partnerin nicht enttäuschen wollen, einfach nicht genügend Erregung oder Energie für einen Orgasmus übrig haben oder sich aus dem einen oder anderen Grund wünschen, der Sex möge schnell wieder vorbei sein. Dies muss weder an der Partnerin liegen noch ein Grund für eine Beziehungskrise sein, wenn er sich einmal dabei ertappen lässt. Es zeigt jedoch, dass es in der Partnerschaft mehr Offenheit und Aufrichtigkeit geben könnte. Denn dann wäre das Vortäuschen eines Orgasmus vielleicht gar nicht nötig gewesen.

9. Normal sind drei Mal Sex pro Woche

Mit die größte Uneinigkeit herrscht wohl nach wie vor über die Frage, wie viel Sex der Mensch braucht, um glücklich zu sein. Für manche Menschen sind drei Mal Sex pro Woche schon fast zuviel des Guten, während andere danach immer noch gierig nach mehr lechzen. Dem Klischee nach ist letzteres vor allem unter Männern verbreitet, während Frauen sich auch gerne mit weniger Sex begnügen würden. Aber gibt es überhaupt eine allgemeingültige Antwort auf die Frage, wie viel Sex denn nun normal ist? Die Antwort lautet mit ziemlicher Sicherheit Nein.

Denn genauso unterschiedlich wie die sexuellen Vorlieben der Menschen ist ihr individuelles Bedürfnis nach Sex. Und das kann im Laufe der Zeit sogar ganz erheblich schwanken. Für viele junge Männer gibt es kaum etwas Wichtigeres im Leben als die schönste Nebensache der Welt - und entsprechend oft würden sie sich gerne damit vergnügen. Ältere Männer haben dagegen in der Regel einen schon deutlich geringeren Appetit auf sexuelle Betätigungen. Und auch bei Frauen nimmt das Bedürfnis nach Sex im Laufe des Erwachsenenlebens zuerst immer stärker zu, bevor es dann nach und nach wieder etwas zurückgeht.

Neben solch altersbedingten Schwankungen kann sich die Lust auf Sex jedoch auch kurzfristiger enorm verändern. Veränderungen in den Lebensumständen, der Gesundheitszustand oder auch die Auslastung durch Familie und Beruf lassen für die Frage nach der idealen Häufigkeit daher alles von ein Mal im Monat bis zu einem Mal pro Tag zu - und ihr solltet euch auch von niemandem etwas anderes erzählen lassen, solange ihr und euer Partner damit zufrieden seid.

10. Schamhaar erfüllt sowieso keinen Zweck

... und deshalb kann man es ohne Bedenken abrasieren, zu interessanten Kurzhaarfrisuren trimmen oder mit Hilfe von Wachsstreifen gleich ganz ausreißen lassen - wenn die persönliche Schmerzgrenze dies denn zulässt. Körperbehaarung hat auch im Intimbereich seit den 60ern sehr viele Fans verloren, und selbst unter Männern greift der Trend um sich, sich nicht nur das Gesicht, sondern auch großzügig den Rest des Körpers zu rasieren. Auch wenn die Haarlosigkeit momentan von vielen Menschen - der Mode folgend – als sexy empfunden wird, kann sie aus biologischer Sicht den Sexappeal durchaus schmälern: das Schamhaar und die Achselbehaarung dienen nämlich auch dazu, die in diesen Bereichen produzierten Duftstoffe aufzunehmen und ihre Wirkung durch eine erhöhte Verdunstung zu verstärken.

Beim typischen Schweißgeruch mag dies wenig anziehend wirken, aber bei den ebenfalls in diesen Bereichen abgegebenen Pheromonen deuten die bisherigen Forschungsergebnisse stark darauf hin, dass sie auch beim Menschen als sexuelle Lockstoffe dienen – obwohl wir sie normalerweise nicht bewusst wahrnehmen. Die Chancen stehen also gut, dass das Schamhaar gerade dann die sexuelle Anziehungskraft erhöht, wenn es nicht nach der heißesten Mode in Form gebracht ist! Und dies ist (neben dem unangenehmen Piken der nachwachsenden Haare) doch ein guter Grund, sich eine Komplett-Enthaarung lieber zwei Mal zu überlegen.

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11. Männer bekommen bei Sex-Entzug einen Samenstau

Manche Männer klagen bei längerem Sexentzug (und dafür können schon drei Tage ausreichen) über einen schmerzhaften Samenstau. Ihre Erklärung dafür klingt im ersten Moment ganz einleuchtend: Schließlich sind ihre Hoden von der Pubertät bis ins hohe Alter ständig mit der Produktion von Milliarden von Spermien beschäftigt, und wenn sie diese nicht von Zeit zu Zeit loswerden - tja, dann scheint es ihren Hoden wie einem zu stark aufgepusteten Luftballon zu gehen: der Druck darin wird schier unerträglich.

So weit, so einleuchtend - aber was ist wirklich dran an dieser Geschichte? Und wieso bekommen wir Frauen sie immer wieder so zu hören, als gäbe es plötzlich nicht mehr die Möglichkeit, sich selbst zu befriedigen? Bei genauerem Hinsehen erweist sich die Gefahr des schmerzhaften Samenstaus zum Glück als ein hübsches Märchen. Zwar steigt die Anzahl der Spermien in den ersten fünf Tagen nach einer Ejakulation stetig an, bis sie wieder ihr Durchschnittsniveau erreicht, aber das imaginäre Reservoir, in dem diese Spermien gespeichert werden, gleicht in keiner Weise einem Stausee ohne Abfluss. Der menschliche Körper ist schließlich nicht dafür gebaut, wertvolle Ressourcen unnötig zu vergeuden: Da die Spermien teils schon nach wenigen Tagen zu verfallen beginnen, werden unbrauchbare und überschüssige Spermien nach und nach einfach wieder absorbiert. Dies geschieht jedoch vom Mann völlig unbemerkt, und er erleidet dabei nicht die geringsten Schmerzen. In manchen Fällen kann Sexentzug allerdings tatsächlich zu Schmerzen im Bereich der Nebenhoden und Samenleiter führen: Wenn nämlich ein Mann über längere Zeit sexuell erregt ist, ohne zur Ejakulation zu kommen. Dieses Phänomen entsteht jedoch nicht etwa durch den aufgestauten Samen, sondern durch Krämpfe in der Muskulatur der Samenwege. Anstatt deshalb gleich mit dem Ärmsten ins Bett zu springen, sollte es im Zweifelsfall aber ebenso gut möglich sein, seiner Erregung einen kräftigen Dämpfer zu verpassen - oder ihn dezent daran zu erinnern, dass die Linderung seiner Schmerzen schließlich auch in seiner Hand liegt.

12. Selbstbefriedigung ist schlecht für die Partnerschaft

Die Selbstbefriedigung blickt in Europa auf eine leidvolle Geschichte zurück: Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert wurde in ihr eines der größten Übel der Menschheit gesehen, und Kirchenvertreter wie Ärzte taten ihr Bestes, um die Bevölkerung mit allen Mitteln vom Masturbieren abzuhalten. Angeblich war Selbstbefriedigung die sichere Fahrkarte zu Krankheit, körperlichem und geistigem Verfall und schließlich einem frühen Tod. Durch Diäten, Körperübungen, eine Vielzahl an Verboten und Regeln und sogar durch das Tragen von "Onanieverhinderungsgürteln", die jede Berührung der eigenen Genitalien unmöglich machten, sollte Generationen von Europäern und Amerikanern von Kindesbeinen an die Selbstbefriedigung verleidet werden.

Heutzutage hat sich die Lage zum Glück wieder entspannt. Die Medizin hat bewiesen, dass Selbstbefriedigung keinerlei schädlichen Nebenwirkungen hat, zumindest, solange man sich nicht exzessiv rund um die Uhr damit beschäftigt und darüber Essen, Trinken und Schlafen vergisst. Etwas komplizierter ist die Angelegenheit jedoch, wenn eine feste Beziehung ins Spiel kommt. Während die meisten Menschen Selbstbefriedigung für Singles als durchaus akzeptable Methode zum Abbau sexueller Spannungen betrachten, glauben viele doch auch, dass sie in einer Beziehung keinen Platz mehr hat. Oft wird behauptet, dass Selbstbefriedigung ein Zeichen dafür wäre, dass der Sex mit dem Partner nicht erfüllend genug ist. Dies kann zwar gelegentlich vorkommen, aber normalerweise muss man sich darüber nicht den Kopf zerbrechen: In der Regel werden die Selbstbefriedigung und auch der dabei erlebte Orgasmus nämlich als derart verschieden vom Sex mit dem Partner erlebt, dass sich ein Vergleich gar nicht so ohne weiteres ziehen ließe. Sex allein ist eben einfach nicht dasselbe Vergnügen wie Sex mit einem geliebten Menschen. Und Selbstbefriedigung kann die Partnerschaft sogar stärken, da die gemeinsame Sexualität umso besser ausgelebt werden kann, je besser beide Partner ihre Körper und ihre Vorlieben und Bedürfnisse kennen.

13. Sex dauert im Durchschnitt 20 Minuten

Die "normale" Dauer von Sex ist eine der beliebtesten Streitfragen der Weltgeschichte. In mancher Hinsicht lohnt es sich, es hier mit Einstein zu halten und davon auszugehen, dass alles relativ ist – vor allem die Zeit. Wer es doch genauer wissen will, sollte zunächst einmal genauer definieren, welche Zeitspanne er messen möchte: die Zeit, die ein Paar miteinander im Bett verbringt oder die Dauer des tatsächlichen Geschlechtsaktes.

Da das Vorspiel ganz nach Lust und Laune mal nur kurz und mal sehr lange dauern kann, wird in der Regel nur letzteres berücksichtigt – die Zeitspanne vom Eindringen des Penis in die Vagina bis zum Orgasmus von mindestens einem der Beteiligten und dem Ende des aktiven Liebesspiels. In Umfragen schätzen viele Menschen – vor allem Männer – diese Zeitspanne auf 20 bis sogar 30 Minuten. Frauen sind meist etwas realistischer und tippen auf ungefähr zehn Minuten. Wirklich auf die Uhr gesehen hat von den Befragten aber in der Regel kaum jemand. Männer, die unter vorzeitiger Ejakulation leiden, klagen dagegen nicht selten über eine Beischlafdauer von nur zwei bis drei Minuten (und sie werfen dabei tatsächlich gelegentlich einen Blick auf die Uhr).

Aber dauert der normale Sexualakt tatsächlich so viel länger? Und gibt es überhaupt eine typische Dauer dafür Zumindest auf letztere Frage lautet die Antwort eindeutig Nein. Bei manchen Paaren dauert der Sex normalerweise nur wenige Minuten, andere kommen tatsächlich auch schon mal auf 20 Minuten – und selbst dann noch kann die Dauer von Mal zu Mal erheblich schwanken. Studien haben ergeben, dass die tatsächliche Dauer des Sexualaktes meist viel kürzer ist, als sie den Beteiligten vorkommt: In den meisten Fällen dauert er nur rund fünf Minuten.

14. Sexuelle Vorlieben und Fantasien bleiben immer gleich

Viele Menschen verlassen sich darauf, dass der Sex mit ihrem Partner immer gleich bleiben, und vor allem immer wieder auf dieselbe Weise für Befriedigung und Genuss sorgen wird. Doch dies ist ein Irrtum. Mit Sex ist es wie mit gutem Essen: Nur weil man früher etwas gar nicht mochte, bedeutet dies noch lange nicht, dass man nicht später eine ausgeprägte Leidenschaft dafür entwickeln kann. Feinschmecker wissen, dass es sich lohnt, immer mal wieder über den eigenen Schatten zu springen und etwas zu probieren, das bisher keinen rechten Reiz auf sie ausüben konnte. Manchmal stellen sie schon nach dem ersten Bissen fest, dass ihr erster Eindruck der richtige war und diese Speise einfach nicht mit ihren Geschmacksknospen harmoniert.

Manchmal jedoch erleben sie auch unerwartet ein kulinarisches Feuerwerk, das all ihre kühnsten Erwartungen übertreffen kann. Daher kann ich Ihnen nur empfehlen, niemals einen Schlussstrich unter das Thema Sex zu ziehen und zu beschließen, dass Sie nunmehr alles Wichtige darüber wüssten – und vor allem wüssten, was genau Ihnen dabei gefällt. Der größte Gefallen, den Sie sich und Ihrem Partner machen können, ist der, von Jahr zu Jahr immer wieder verspielt und offen mit der körperlichen Liebe umzugehen. Dies bedeutet nicht zwangsläufig, dass Sie eines Tages in Latex und Leder investieren oder verstohlen einen Swingerclub aufsuchen müssten. Oft sind es die kleinen Dinge, die das Leben und die Liebe abwechslungsreich und aufregend erhalten: Heiße Küsse, wie sie sonst nur frisch verliebte Teenager austauschen, intime Berührungen in unerwarteten Momenten, eine neue Intensität der Zärtlichkeit oder ein überraschend deutlicher Ausdruck des eigenen Begehrens.

15. Viel Sex macht schnell schwanger

Je öfter man Sex hat, desto schneller klappt es mit der Schwangerschaft – dieser Trugschluss hat schon so manches Paar an den Rande der körperlichen Leistungsfähigkeit getrieben. Zumindest wenn immer derselbe Mann beteiligt ist, führt mehr Sex nämlich nicht automatisch auch dazu, dass mehr befruchtungsfähige Spermien mit im Spiel sind. Ganz im Gegenteil: Die Hoden können die Samenfäden dann nicht so schnell nachproduzieren, wie sie verbraucht werden, und noch dazu kommt es schneller zu einem Mangel an wichtigen Stoffen wie Zink, die die empfindlichen Spermien unter anderem vor schädlichen Umwelteinflüssen schützen. Aus medizinischer Sicht sollten Paare mit Kinderwunsch daher nicht öfter als alle zwei Tage miteinander schlafen, damit auch genügend zeugungsfähige Spermien vorhanden sind – denn je höher die Dichte der Samenfäden im Sperma ist, desto größer sind auch die Chancen für eine Befruchtung.

Sex: Die populärsten Sex-Mythen: Was wirklich passiert im Bett

Die Sex-Mythen stammen aus dem Buch "Je kürzer, desto länger" von Lynn Hagens (160 S., Humboldt Verlag, 8,90 Euro). Leseprobe hier

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