Sex ohne Liebe: "Ich brauche diesen Kick"

Leidenschaft ein Leben lang? Das lässt sich schon machen. Für Petra L., indem sie einfach regelmäßig den Partner wechselt. Aber macht Sex ohne Liebe auch glücklich?

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Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Aber grob geschätzt habe ich in den 30 Jahren meines sexuell aktiven Lebens mit 50 Männern geschlafen. Mit vier davon hatte ich feste Beziehungen. Der Rest waren Affären. Und leider muss ich rückblickend sagen, dass der Sex in den festen Beziehungen der deutlich schlechtere war. An den Männern lag es nicht. Sondern an meinem Desinteresse: Wenn ich einen festen Partner habe, dauert es in der Regel ein halbes Jahr, und dann ist bei mir jede Lust versiegt. Große Nähe und guter Sex - das habe ich nie zusammenbringen können.

Begierde-Killer: ein fürsorglicher Mann

Das geht ja vielen so, fast alle meine Freundinnen in langen Beziehungen sind nicht besonders scharf. Bei mir muss es aber keine Langzeit-, sondern einfach nur eine Beziehung sein, damit ich das Interesse an Sex verliere. Kann sein, dass ich so sehr nach Geborgenheit giere, wenn ich mich auf einen Mann einlasse, dass alles andere sofort zum Erliegen kommt. Meine Eltern hatten keine gute Ehe, sie haben wahnsinnig viel gestritten. Und ich habe mir nichts mehr gewünscht als Wärme und Rückhalt, dieses Bedürfnis sitzt tief. Dazu kommt mein Job. Ich bin Unternehmensberaterin und sehr viel unterwegs. Wenn ich dann zu Hause bin, sehne ich mich nach Ruhe und Fürsorge. Mit einer flauschigen Decke auf dem Sofa liegen, kuscheln, Fernsehen gucken - das liebe ich. Und wenn mein Partner sich netterweise darauf einlässt, versetzt er sich den Todesstoß.

Also nicht, dass ich dann keine Lust mehr auf Sex habe. Ich habe nur keine Lust mehr auf Sex mit meinem Partner.

Ich finde in ihm nicht mehr das, was ich brauche, um meine Sexualität anzufachen. Keine Fremdheit, keine Überraschungen. Ein verführerisches Lächeln, das ich anfangs vielleicht sehr mochte, verkommt schnell zu einem plumpen Signal. Einer meiner Ex-Freunde hat sich am Anfang unserer Beziehung immer nackt vors Bett gestellt und mit dem Hintern gewackelt. Ich fand das lustig und auch sexy, weil es so selbstbewusst war, und außerdem hatte er einfach einen tollen Hintern. Ein paar Monate später dachte ich nur noch: Was für ein albernes Gezappel. Und dann setzt das schlechte Gewissen ein, weil ich weiß, er will, und ich muss es irgendwie abwenden. Der Horror, wenn mir klar wird: Diesmal musst du dich darauf einlassen, wenn er nicht merken soll, dass ich ihn als begehrenswerten Mann längst abgeschrieben habe.

Die Erleichterung, wenn ich es hinter mir habe und für die nächsten zwei Wochen Ruhe. Das halte ich eine Zeit lang durch, dann gehe ich fremd, und das ist dann der Anfang vom Ende.

Leidenschaftlichen Sex habe ich vor allem, wenn ich Single bin. Aus einem sehr schlichten Grund, denn als Single schlafe ich immer nur dann mit Männern, wenn ich von mir aus den Impuls dazu verspüre. Und weil ich die Männer, mit denen ich ins Bett gehe, nicht schon in- und auswendig kenne. Ich kenne sie ganz gut, aber noch nicht zu gut. Im Moment sind es drei.

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  • Protokoll: Annette Steiner
    Foto: Getty
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 17/09
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