Filmszenen
Zur Sache, Schätzchen: Unsere liebsten Sexszenen im Film

In "I am love" verliebt sich Tilda Swinton in einen jüngeren Mann ­- und bringt mit lebenshungrigem Sex die Kinoleinwand zum Glühen. Lust auf mehr cineastische Scharfmacher? Unsere ganz persönliche Lieblingsliste der aufregendsten Sexszenen der Filmgeschichte.

Sexszenen Film

Foto: United Archives/Imago

"I am love": Kochende Lust

"I am love" (Kinostart: 28. Oktober) ist schon vor dem ersten Vollzug ein einziges, mit magischer Erotik aufgeladenes, ekstatisches Fieber, bei dem man als Zuschauer in den gleichen überwältigenden Strudel gerät wie Emma (Tilda Swinton), die sich in einen 25 Jahre jüngeren Koch verliebt. Die erste richtige Sexszene wirkt deswegen fast unerträglich verzögert: Sorgfältig zieht der Koch ihr die Flip Flops aus, den Gürtel, die Hose, die Kette und den Ehering, während sie still und unbeholfen dasteht, brennend vor Sehnsucht und gleichzeitig verschüchtert von der Ungeheuerlichkeit der Dinge. Sie sinken zu Boden und lieben sich, während sie ihm das Rezept für ihr Lieblingsgericht verrät, die letzten Zutaten verschwimmen im Rausch. Anschließend schneidet er ihr die Haare, mit einem einzigen beherzten Schnitt. Am wunderbarsten ist übrigens der Anblick von Swintons linker Brust, die seltsam eingefallen ist: Dieser angenehm müde und unperfekte Busen einer 50-Jährigen stimmt einen mit seiner unaufgeregten Schönheit gleichzeitig wehmütig und froh - und raubt einem endgültig die Luft.
Andrea Benda

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"The Graduate - Die Reifeprüfung": Dustin auf Abwegen

Im Grunde nicht nur eine Sex-Szene, sondern ein hinreißendes Davor und Danach: Wie Anne Bancroft (Mrs. Robinson!) in "The Graduate - Die Reifeprüfung" (1967) den jungen Dustin Hoffman verführt, der eigentlich mit ihrer Tochter ausgehen will. Wie sie das Bein abwinkelt, bis Dustin den spitzenbesetzten Rand ihrer Strümpfe sehen kann, nein: muss, und er sagt: "Versuchen Sie, mich zu verführen, Mrs. Robinson?" Aber da ist es schon zu spät, er ist ihr bzw. der Versuchung verfallen. Und anschließend sitzt sie im Motel auf der Bettkante, zieht ihre Strümpfe wieder an, Dustin steht in den Trümmern seines Selbstbildes, aber wir als Zuschauer wissen: Der Sex war ganz bestimmt großartig.
Till Raether

"Gegen die Wand": Sie wollen (hinterher) nur spielen

Eine der wenigen Szenen im deutschen Film, bei der man getrost von "ficken" sprechen kann

In Fatih Akins großartigem "Gegen die Wand" (2004) geht's ja in jeder Hinsicht heftig zur Sache, und es gibt auch eine ganze Menge Sex. Meine liebste Szene spielt sich aber nicht zwischen Cahit (Birol Ünel) und der Hauptfigur Sibel (Sibel Kekilli) ab, sondern zwischen Cahit und seiner - hm: Geliebten? Guten Freundin? Maren (Catrin Striebeck) und Cahit verbindet etwas Inniges, aber es geht ihnen nicht darum, ein Paar zu sein. Was sie nicht davon abhält, es fast aggressiv miteinander zu treiben - in einer der wenigen Szenen im deutschen Film, bei der man getrost von "ficken" sprechen kann, denn "Liebe machen" trifft's hier echt nicht. Das Beste aber ist, wie die beiden hinterher nackt, vertraut und völlig entspannt Backgammon spielen und quatschen. So unverkrampft geht's im deutschen Kino leider selten zu.
Stefanie Hentschel

"The Tall Guy": Wenn dabei ein ganzes Zimmer zu Bruch geht

Dexter King (Jeff Goldblum), ein erfolgloser Schauspieler, verliebt sich in der romantischen Komödie "The Tall Guy" (1989) in die Krankenschwester Kate (Emma Thompson). Bei ihrer ersten Verabredung sagt Kate: "Um eines klarzustellen und uns später Peinlichkeiten zu ersparen: Nur weil eine Frau sich zum Abendessen einladen lässt, heißt das nicht, dass sie danach auch mit dem Typen ins Bett hüpft." - "Oh mein Gott, nein, da hast Du absolut recht", antwortet Dexter sichtlich betroffen. "Nun, ich gehöre nicht zu diesen Frauen. Wenn mir ein Mann gefällt, warum soll ich dann erst zehn Mal mit ihm essen gehen?", sagt Kate. Und dann folgt eine der besten - und lustigsten - Sexszenen der Filmgeschichte: bei der Thompson und Goldblum aus dem Bett fallen, zu Walzermusik auf dem Boden herumrollen, dabei Porzellan zerdeppern, eine Milchtüte zerdrücken und sich unfreiwillig den Po mit Müsli panieren. Danach reißen sie noch ein paar Bilder von der Wand und lieben sich hinreißend komisch auf dem Klavier - bis zum musikalischen und physischen Finale.
Bernhard Lill

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"Wenn die Gondeln Trauer tragen": Sex-Kunst

Bestünde der Film "Wenn die Gondeln Trauer tragen" (1973) nur aus seiner äußerst anregenden Sexszene, wäre er a) immerhin noch fünfeinhalb Minuten lang und b) fast so etwas wie ein Feel-Good-Movie. Das Ehepaar Baxter (Donald Sutherland und Julie Christie) liebt sich in seinem venezianischen Hotelzimmer so schön und so echt, dass viele Menschen nach der Uraufführung des Films vermutet haben: Dieser Sex war nicht gespielt. Kunstvoll komponiert hat Regisseur Nicolas Roeg die Szene. Das Stellungsspiel wird immer wieder unterbrochen von Momenten, die das Anziehen nach dem Akt zeigen. Für fünfeinhalb innigste Minuten scheint das Leid der Baxters weit weg, ein normales Leben nach dem Unfalltod ihrer Tochter wieder möglich. Aber das böse Ende ist nur eine Zwergenlänge entfernt.
Katharina Wantoch

"Mulholland Drive": Kopfkino

Es gibt wenig, woran man sich in David-Lynch-Filmen festhalten kann, schon gar nicht am eigenen Verstand - schön also, dass man sich in "Mulholland Drive" (2001) wenigstens kurz an die perfekte Liebesszene klammern kann. Rita (Laura Harring) hat ihr Gedächtnis verloren und findet Zuflucht bei Betty (Naomi Watts). Zum Glück ist Betty sehr gastfreundlich und bietet Rita einen Platz im Bett an, weil das Sofa furchtbar unbequem ist. Hilfreich ist auch, dass Rita gerne nackt schläft und sich mit einem Gutenachtkuss auf Bettys Stirn bedankt. Danach schweben ihre Gesichter sekundenlang voreinander, Sekunden, in denen die ganze herzstillstandverursachende und nie mehr zu wiederholende Erotik des ersten ernst gemeinten Kusses mitschwingt: die Unsicherheit, das Verlangen, die ersten tastenden Versuche, die zunehmende Lust. Was danach kommt, blendet Lynch kurzerhand ab - und lässt es in unseren Köpfen stattfinden.
Erika Berg

"Match Point": Schlechtes Wetter, guter Sex

Es regnet in Strömen, und was dann geht, ist selbst dem Gelegenheits-Kinogänger so was von klar: Sie machen es. Das ist kitschig und vorhersehbar und doch eine der schönsten Szenen, die ich kenne, denn die zwei Körper gehören Scarlett Johansson und Jonathan Rhys Meyers in dem Woody-Allen-Film "Match Point" (2005). Meyers spielt Chris, einen Emporkömmling, durchaus glücklich verlobt mit der Unternehmertochter Chloe (Emily Mortimer). Dann taucht Nola (Johansson) auf und Chris' Welt kippt. Nola ist Gier und Lust und alles, eine Anziehung ist das, das schwirrt und wirrt und flimmert. "Jetzt macht es doch endlich!", möchte man aus dem Kinosessel rufen. Dann machen sie es. Im Garten, während im Haus Chris' Schwiegerfamilie beisammen sitzt.
Madlen Ottenschläger

"Abbitte": Ungelesene Bücher

Es gibt kein Halten mehr: Spontan fallen der Hausangestellte Robbie (James McAvoy) und die Tochter des Hauses, Cecilia (Keira Knightley), in "Abbitte" (2007) an einer Bücherwand übereinander her. Nach endlosem Anschmachten, nach einer knisternden Begegnung am Springbrunnen, nachdem Robbie Cecilia versehentlich einen expliziten Brief geschickt hat - endlich geben sie sich ihrer Leidenschaft hin. Die Kamera zeigt nur Hände, Lippen, hastig beiseite geschobene Kleidungsstücke. Was genau passiert, wird der Fantasie überlassen. Erst sind die beiden hemmungslos, dann halten sie inne, um sich zu versichern, wie ernst sie es meinen. Als sie vorsichtig und zärtlich weitermachen, ist es auch schon zu spät: Cecilias kleine Schwester hat die beiden ertappt und setzt eine unheilvolle Kettenreaktion in Gang.
Henning Hönicke

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"Zerrissene Umarmungen": Heimlich und zerzaust

Sich so lieben und dann sterben, vorausgesetzt man sieht dabei so schön zerzaust aus wie Penelope Cruz. Nicht nur ihre Hände finden sich, als sie dort in "Zerrissene Umarmungen" (2009) auf dem Fußboden einer Garderobe liegen, sich endlich küssen und einander festhalten können. Für ein paar gestohlene und verbotene Minuten. Das Versprechen der heimlichen tastenden Blicke und verschlüsselten Sätze während der Proben wird in einem vergänglichen "Jetzt" eingelöst, in dem nichts existiert als das Gefühl von "endlich gehörst du mir" zwischen Regisseur Mateo (Lluís Homar) und seiner Schauspielerin Lena (Penélope Cruz).
Undine Zimmer

"In the Line of Fire - Die zweite Chance": Dirty Harry in Hochform

Die Qualität eines Films erkennt man eigentlich immer an der Sex-Szene.

Der Lover in diesem Film ist ein wenig in die Jahre gekommen, aber, hey, es handelt sich hier um Clint Eastwood! Und der ist - um mal den Kollegen Harald Martenstein zu zitieren - der Beste überhaupt: "In Kritiken wird selten auf die Sex-Szenen eingegangen. Dabei kann man die Qualität eines Films eigentlich immer an genau dieser Szene erkennen. Mir kommt es so vor, als sei Clint Eastwood, zum Beispiel in "Die Brücken am Fluss" oder "In the Line of Fire" (1993), auch in dieser Hinsicht einer der besten Regisseure zurzeit." Dem kann ich nur zustimmen. Auch wenn Eastwood bei "In the Line of Fire" gar nicht der Regisseur war, sondern Wolfgang Petersen. Dafür spielt Eastwood den Helden Frank Horrigan, einen Personenschützer, der sich nicht nur mit den Fallstricken des Bösen (verkörpert durch John Malkovich), sondern auch mit den Fallstricken der eigenen Unterwäsche rumschlagen muss. Und Petersen hält voll auf die Füße, während sich Clint Eastwood und Rene Russo als wild gewordenes Kollegen-Paar dem Hotelbett entgegen wurschteln. Wir sehen wie Handschellen, Knarren, Beeper und jede Menge Technik-Schnickschnack auf dem Boden landen und freuen uns an einer der witzigsten Liebesszenen überhaupt. Auch wenn es nicht zum Äußersten kommt. Ein Anruf, die Pflicht ruft - und unser ungelenker Held seufzt: "Now I have to pull all that stuff back on again". Aber Selbstironie ist auch sehr sexy - und da ist der alte Dirty Harry in absoluter Hochform.
Angela Wittmann

  • Artikel vom 27.10.2010
    Fotos: United Archives/Imago
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