Telefonsex: Hallo, ich bin's

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Worte sind da nicht genug. David zum Beispiel will sich und seine Wochenendliebe vor derlei Horrorszenarien schützen. Er wählt aus Hamburg täglich die - nein, nicht die 0190 -, sondern die 0041 vor, für die Schweiz. Telefonsex aber hatte er noch nie mit seiner Freundin. Unweigerlich müsste er sich dabei vorstellen, sie bügele vielleicht nebenbei, oder, schlimmer noch, schaue sich Kochsendungen an. "Ein Telefon ist für mich einfach nicht sexy", sagt David, und dass er lieber mit seiner Freundin fernsehe, koche oder esse, während er mit ihr telefoniere. Ragnar Beer überrascht das nicht: "Über Sex zu reden, eigene, konkrete erotische Wünsche anzusprechen, fällt den meisten Paaren schwer. Nicht nur am Telefon."
Auch bei Antje und Martin ist das, was sie da am Telefon treiben, kein Dauerthema: Sie sprechen nur manchmal darüber. Vor ihrem "ersten Mal" mussten sie schon eine ganz schöne Hemmschwelle überwinden. Gar nicht so einfach war es, die passenden Worte zu finden. Hat aber dann gut funktioniert.
Trotzdem - braucht guter Sex nicht vor allem Gefühl, Intimität, sprich: Nähe? "Auch das Telefon kann das schaffen", sagt Ragnar Beer. Verabredet man sich zum Telefonieren, wird das Zusammensein bewusster geplant, man lässt sich schwerer ablenken, nimmt sich Zeit für den anderen, geht auf ihn ein, hört auf seine Signale. Oft schafft Distanz sogar eine besondere Nähe: In Beers Paartherapie-Internetportal "theratalk.de" fällt es Paaren im täglichen Chat oft leichter, als Kopfkissen an Kopfkissen ihre sexuellen Probleme und Wünsche auszusprechen.

Laut atmen am Telefon. "Das könnte und sollte nicht nur im Netz, sondern auch am Telefon klappen", findet Paartherapeut Joachim Lask. "Es macht großen Sinn, dass sexuelle Befriedigung Paaren auch via Draht möglich ist." Das gelte für Nah- und Fernbeziehungspaare gleichermaßen, für letztere aber besonders. Denn Distanzbeziehungen sind riskant: Wer Partner oder Partnerin nicht regelmäßig fühlen kann, ist oft empfänglicher dafür, diese Intimität mit anderen Menschen herzustellen. Sprich, sich einen Seitensprung zu erlauben. Damit es dazu gar nicht erst kommt, sollten Paare nicht nur über Alltägliches reden, sondern auch eine gemeinsame erotische Sprache miteinander finden.
Das klingt jetzt nicht nach heißen Höhepunkten? Weit gefehlt. Antje und Martin hatten schon einige am Telefon. Wollen sie aber gar nicht immer. Hauptsache ist doch, den anderen zu spüren, ihm nah zu sein. So intensiv wie möglich. Daher ist es für sie auch zweitrangig, ob das, was sie miteinander haben, Telefonsex heißt oder nicht. Sie haben andere, eigene Worte dafür gefunden: "Dann atmen wir laut am Telefon." Damit ist doch alles gesagt. Weiteratmen.

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  • Text: Sina Teigelkötter
    BRIGITTE Balance Heft 1/2006 Foto: prokop/photocase.com
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