Körper kennen lernen
Was ist Tantra? 9 Antworten

Wilder Gruppensex und aufregende Massagen? Die wenigsten können genau sagen, was Tantra eigentlich ist. Wir haben eine Expertin gefragt und 9 Antworten bekommen.

Foto: ~mya~/photocase.com

Was ist Tantra? Das haben wir die stellvertretende Vorsitzende des Tantra-Massage-Verbands in Deutschland gefragt. Smita Birgit Stehle hat mit ihren Antworten zwar so manchen Mythos zerstört, aber neuen Raum für sinnliche Fantasien geschaffen.

BRIGITTE.de: Was bedeutet Tantra für Sie?

Smita Birgit Stehle: Für mich ist Tantra eine Lebensweisheit, eine innere Haltung. Wie ich mich selbst sehe und wie ich auf andere Menschen zugehe.

BRIGITTE.de: Eine Lebensweisheit? Geht es nicht um Sex?

Smita Birgit Stehle: Es geht darum, sich selbst kennen zu lernen. Den Impulsen des Körpers zu folgen. Was möchte ich essen? Wie möchte ich mich pflegen? Und natürlich auch darum, was mir selbst Lust macht. Sich selbst anzufassen. Die anderen sind erst einmal unwichtig. Um die eigene Sexualität zu erweitern, kann man später auch mit anderen in Kontakt treten. "Mit anderen" heißt aber nicht zwangsläufig nur mit Männern.

BRIGITTE.de: Also läuft es nicht jedes Mal auf Sex hinaus?

Smita Birgit Stehle: Was ist Sex? Beim Tantra bedeutet das nicht zwangsweise Vereinigung. Es geht um Lust. Die erfährt man ja nicht nur, wenn man vereinigt ist. Es kann unheimlich lustvoll sein, jemanden den Fuß zu berühren, wenn man das mit ganz viel Aufmerksamkeit macht. Oder den Rücken zu streicheln. Oder Küssen. Lustvoll küssen ist auch möglich, ohne sich zu berühren und trotzdem bebt der ganze Körper

BRIGITTE.de: Wie kann ich Tantra kennen lernen?

Smita Birgit Stehle: Es gibt Tantra-Seminare - die kann man einzeln oder als Paar besuchen. Dort werden lustvolle Erfahrungen - wie gerade beschrieben - ausprobiert. Oder man geht zu einer Tantra-Massage. Hier wird der ganze Körper berührt, gestreichelt und sensibilisiert. Der Empfangene nimmt einfach auf und gibt nichts zurück, um mit der Aufmerksamkeit ganz bei sich zu sein. Aber es geht nicht nur um Berührungen, es kommen sinnliche Elemente dazu. Die Masseurin arbeitet beispielsweise mit heißen Lappen, so dass die Wärme den Körper durchdringt. Oder es werden Federn eingesetzt. Die Intimmassage für die Frau, die sogenannte Yoni-Massage, schließt auch die Vagina mit ein. Schamlippen, Klitoris werden massiert. Je nachdem, wie weit man gehen möchte. Dabei kann es zum Orgasmus kommen, das muss aber nicht. Viel wichtiger ist die Erfahrung mit dem eigenen Körper und der eigenen Lust.

BRIGITTE.de: Und wer geht so zum Tantra?

Smita Birgit Stehle: Menschen, die ihren sinnlichen, sexuellen Rahmen erweitern möchten. Die etwas für sich tun wollen, weitergehen möchten. Ihren Horizont erweitern. Der Anteil von Männern und Frauen ist übrigens sehr ausgeglichen.

BRIGITTE.de: Hilft Tantra auch bei sexuellen Problemen?

Smita Birgit Stehle: Viele haben ja Probleme, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben. Sie können sich selbst nicht annehmen, weil sie sich nicht gut genug oder schön finden. So etwas kann durch das Tantra aufgelöst werden, weil man sich selbst besser verstehen lernt.

BRIGITTE.de: Wie verändert eine Tantra-Erfahrung eine Beziehung?

Smita Birgit Stehle: Die Lust beschränkt sich nicht nur auf den Partner. Wenn ich jemanden anderen berühre oder sinnlich erfahre, heißt das nicht zwangsläufig, dass ich fremdgehe oder mich von meinem Partner trenne. Die Lusterfahrung wird von der Beziehung etwas abgekoppelt. Treue heißt nicht: Wohin gehe ich mit meiner Lust? Sondern, wohin gehe ich mit meinem Herzen? Man empfindet Lust ja nicht nur durch Vereinigung.

BRIGITTE.de: Wie finde ich gute Tantra-Massagen oder Tantra-Seminare?

Smita Birgit Stehle: Für Tantra-Massagen kann man sich beim Tantra-Massage-Verband informieren. Für Tantra-Seminare gibt es einen solchen Zusammenschluss nicht. Da würde ich mich auf Empfehlungen von Bekannten verlassen oder aus dem Bauch heraus entscheiden.

BRIGITTE.de: Wie teuer ist eine Tantra-Massage?

Smita Birgit Stehle: Eineinhalb Stunden kosten ab 140 Euro, zwei Stunden ab 180 Euro.

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