Weibliche sexuelle Dysfunktion: Die erfundene Krankheit

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Sexpillen für Frauen - ein Milliardenmarkt

Die Vorstellung ist nicht ganz abwegig. Der Markt für ein neues Medikament gegen Sexualstörungen bei Frauen hat Blockbuster-Potenzial. Mit ähnlichen Pillen für Männer verdienen die Pharma-Riesen Milliarden. Der amerikanische Konzern Pfizer setzte im Jahr 2004 allein mit der Potenzpille Viagra 1,7 Milliarden Dollar um.

Warum also nicht auch eine Sexpille für Frauen entwickeln? Eine Art "rosa Viagra"? Dazu aber benötigten die Konzerne eine klar umrissene Krankheit - eben FSD. Denn nur bei eindeutigen Symptomen kann man auch ein Mittel dagegen verkaufen. Dass die Firmen die passenden Krankheiten teilweise erfinden, zeigte der Autor Jörg Blech in seinem Buch Die Krankheitserfinder.

Und genau das sei bei der weiblichen sexuellen Dysfunktion der Fall, sagen die Skeptiker. FSD sei "das jüngste und klarste Beispiel für eine firmengesponserte Erschaffung einer Krankheit", heißt es im angesehenen British Medical Journal.

Eine Krankheit als gigantischer Werbetrick?

Die Industrie wehrt sich. "Diese Argumente gehen an der Realität vorbei, man kann eine Krankheit nicht erfinden. Weibliche sexuelle Dysfunktion ist ein sehr reelles Problem", sagt Martin Burkart aus der medizinischen Abteilung des Pharma-Riesen Pfizer.

Die Krankheit kommt zu uns

Ob erfunden oder nicht, FSD erobert bei uns bereits die Fachwelt. Kein Urologen- oder Gynäkologenkongress lässt FSD aus.

Beispiel 1: Das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit (ISG) mit Zentrale in der Uniklinik Freiburg. Sexuelle Probleme seien "eine Krankheit wie jede andere", heißt es dort. Kümmerte sich das ISG zunächst hauptsächlich um männliche Erektionsstörungen, rücken nun die Frauen in den Mittelpunkt. In diesen Tagen wird die Homepage erneuert - mehr Aufmerksamkeit für FSD. "Unser Ziel ist es, für dieses Thema zu sensibilisieren und darauf aufmerksam zu machen", sagt Geschäftsführerin Sabine Pirnay-Kromer. "Frauen brauchen Hilfe. Und keine Firma pusht wirklich die Entwicklung eines Medikaments, solange es dafür keine Öffentlichkeit gibt." Im Klartext: Das ISG will die Krankheit promoten. Im Förderkreis des gemeinnützigen Vereins sitzen fast alle Pharmafirmen, die im Bereich Sexualmedizin forschen: Pfizer, Bayer, Glaxo-Smith-Kline, Eli Lilly und andere.

Beispiel 2: Die Deutsche Gesellschaft für Sexualmedizin und Sexualtherapie, erst im vergangenen Jahr gegründet „als wissenschaftliche Fachgesellschaft und starker Interessenverband“. Auf der ersten Jahrestagung Ende Juni in München besuchten rund 200 Experten Vorträge über „Weibliche Sexualität und ihre Störungen“. Sponsoren der Veranstaltung: ebenfalls die Konzerne Pfizer, Lilly/Icos und Bayer.

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  • Lukas Heiny
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