Weibliche sexuelle Dysfunktion: Die erfundene Krankheit
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Kritik auch in Deutschland
Wie in Amerika formiert sich aber auch hier Kritik. "Bestimmt hat jede zweite Frau ab und zu mal das Gefühl, nicht der Norm zu entsprechen, aber das als Krankheit zu bezeichnen, ist empörend", sagt etwa Helga Löckner vom Centrum für Sexualwissenschaften in Berlin.
"Mittlerweile wird jede Lebensphase einer Frau medikalisiert", sagt Claudia Schumann, Sprecherin der Frauenärztinnen im Arbeitskreis Frauengesundheit. Egal, ob in der Pubertät, in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren – immer häufiger müssten Frauen Medikamente schlucken, um bestimmten Normen zu entsprechen. Nun auch, um ein erfülltes Sexleben zu haben.
Fraglich sei dabei, ob die Sexprobleme überhaupt mit Tabletten heilbar sind. "Sexuelle Probleme sind in den allermeisten Fällen nicht medikamentös zu behandeln", sagt Frauenärztin und Psychotherapeutin Barbara Dennis aus Bremen. "Gerade im Bereich Sexualität ist es verkehrt, wenn die psychologischen den medizinischen Aspekten untergeordnet werden", warnt auch Rita Götze vom Bundesverband der Frauengesundheitszentren.
Die Jagd nach den neuen Pillen
"Wahrscheinlich wird es nie das eine Mittel geben, so wie Viagra für Männer", sagt auch Martin Burkart von Pfizer. "Dafür ist die weibliche Sexualität zu komplex." Trotzdem forscht Pfizer intensiv, um FSD einst behandeln zu können. Die Konkurrenten Bayer und Eli Lilly haben das Thema "im Auge".
Am weitesten fortgeschritten scheint der Kosmetikriese Procter & Gamble. Er entwickelte das Testosteronpflaster Intrinsa, das sich Frauen auf den Bauch kleben können, um die Libido zu steigern. "Ärzte und betroffene Frauen suchen händeringend nach einer Substanz gegen FSD", sagt Sonja Schmitt aus der medizinischen Abteilung des Konzerns. In Europa hofft Procter & Gamble zurzeit auf die Zulassung des Medikaments. In Amerika reichten der zuständigen Behörde FDA die firmenfinanzierten Studien nicht aus.
Bislang gibt es noch kein "rosa Viagra". Aber nach Ansicht der Kritikerinnen dienen die Kampagnen um FSD dazu, das Feld zu bereiten. Denn falls die Forscher erfolgreich sind, würden die Frauen sofort zugreifen. Weil sie sich krank fühlen - obwohl sie gesund sind.













