Partnersuche
Dauersingle? Kein Problem! So können Sie es ändern

"Du findest schon noch den Richtigen!" Sprüche wie dieser nerven Frauen, die schon lange allein sind. Denn manchmal scheint einfach niemand zu kommen. Was Dauersingles tun können, um dennoch einen Partner zu finden, verrät Psychotherapeutin Stefanie Stahl im Interview.

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Ist jemand, der mehr als fünf Jahre allein ist, ein Dauersingle und damit nicht vermitteltbar? "Du bist einfach zu wählerisch!" lautet ein Vorwurf, der Frauen an sich zweifeln lässt. Und Sprüche wie diese helfen kaum, sich nach Jahren wieder zu öffnen. Wir sprachen mit Psychotherapeutin und Buchautorin Stefanie Stahl über Tipps, wie Dauersingles wieder eine Beziehung finden können. In ihrem Buch "Jein" hat sich Stahl damit auseinandergesetzt, wie Bindungsängste erkannt und bewältigt werden können.

  • Warum fällt es einigen Singles so viel schwerer als anderen eine neue Beziehung einzugehen?
    Das kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Einige möchten bewusst eine Zeit allein sein, andere haben sich schlicht mit dem Singleleben arrangiert. Es könnte aber auch eine Bindungsangst dahinter stecken. Die muss den Betroffenen gar nicht bewusst sein. Ein solche Angst verbirgt sich manchmal auch hinter einer Arbeitssucht - nach dem Motto "Ich habe keine Zeit für eine feste Beziehung". Oder verliebt sich eine Frau eventuell immer in einen Mann, der schwer zu haben ist? Das könnte ebenso ein Zeichen sein.
  • Viele Frauen geben an, dass sie durch ihren Job wenig Zeit haben, Männer kennenzulernen. Sind also nicht auch die Rahmenbedingungen schuld?
    Viele Paare finden sich über den Job oder - was heute sehr oft vorkommt - über das Internet. Insofern glaube ich an diese Begründung nicht wirklich. Frauen, die das von sich sagen, denken vielleicht, dass es ein Makel sei, keinen Mann zu haben, und benutzen den Job als Entschuldigung. Wie gesagt, die Arbeit kann Bindungsängste verdecken. Die Frau vermeidet unbewusst eine feste Partnerschaft, weil sie Angst hat, einem Mann nicht zu genügen und verlassen zu werden. Bei Bindungsangst ist die Angst vor dem Scheitern einer Beziehung größer als der Wunsch nach ihr. Aber dies ist den meisten nicht bewusst. Insofern können sie dieses Problem auch nicht bearbeiten. Und dann bleiben sie entweder lange Single oder ihre Beziehungen scheitern immer wieder.
  • Wie finde ich heraus, was mich hindert, eine neue Beziehung einzugehen?
    Indem ich mich mit meinen tieferen Ängsten und Sorgen auseinandersetze. Zum Beispiel mit der Angst, nicht zu genügen. Der Angst, zu scheitern. Der Angst, mich festzulegen. Einige Frauen sind aber auch süchtig nach fortwährender Selbstbestätigung und wollen Männer erobern, die schwer zu haben sind. Haben sie endlich einen an der Angel, ist er schon wieder uninteressant. Und die Männer, die sich von Anfang an für sie interessieren, wollen sie nicht, weil sie von denen die Selbstbestätigung bereits bekommen. Also, die Auseinandersetzung mit der Frage "In welcher Form benötige ich Selbstbestätigung, um meinen Selbstwert zu stabilisieren?" ist für Dauersingles sehr wichtig.
  • Wenn ich durch die Kindheit schlechte Startbedingungen mitbekommen habe - beispielsweise schlecht Vertrauen aufbauen kann: Wie kann ich mein Verhalten ändern?
    Das grundlegende Problem bei allen Bindungs- und Beziehungsängsten ist das Selbstwertgefühl. Ich kann niemandem vertrauen, wenn ich mir selbst nicht vertraue. Menschen mit einem niedrigen Selbstwert wollen keine Zurückweisung riskieren, weil sie extrem kränkbar sind. Außerdem können sie sich nicht vorstellen, dass jemand sie liebt, wie sie wirklich sind. Deswegen meinen sie, sich für den Partner verbiegen zu müssen. Das führt aber zu dem Gefühl, sich selbst zu verlieren und vor der Liebe flüchten zu müssen. Oder sie hängen sich wie ein Klammeräffchen an ihren Partner. Sie müssen also lernen, sich zu akzeptieren - und zwar mit ihren Schwächen. Und die unerreichbare Perfektion aufgeben.
  • Muss man sich nach einer gewissen Zeit von der Vorstellung der großen Liebe verabschieden?
    Nein, die Vorstellung der großen Liebe hängt von einem selbst ab. Sie hat nichts zu tun mit einer hysterischen Verliebtheit am Anfang einer neuen Beziehung. Im Gegenteil, meiner Meinung braucht sie noch nicht einmal das große Kribbeln. Die große Liebe ist ein tiefes Gefühl der Verbundenheit, gemeinsamer Werte, Einstellungen und Interessen. Dafür braucht sie aber eine realistische Vorstellung. Wenn die Liebe bedeuten soll, dass mein Mann perfekt sein soll und mir alle Wüsche erfüllt, wird sie niemals kommen.
  • Viele Single-Frauen haben es sich in ihrem Leben bequem gemacht. Wie viel davon muss man wieder aufgeben?
    Man kann auch in einer Partnerschaft bequem leben. Eigentlich muss man wenig aufgeben und kann viel gewinnen. Die Menschen, die meinen, viel aufgeben und viele Kompromisse eingehen zu müssen, leiden oft unter einer Bindungsangst. Es sind eben jene, die glauben, sie müssten sich für einen Partner verbiegen und ihm alles Recht machen. Sie sind konfliktscheu und können sich innerhalb einer Partnerschaft schlecht abgrenzen. Deswegen grenzen sie sich äußerlich umso stärker ab. Das zu erkennen, ist aber schon der erste Schritt, um es zu ändern.
  • Wenn eine neue Verabredung ansteht: Soll man offen sagen, wie lange man schon Single ist?
    Warum denn nicht? Soll man sich dafür schämen? Selbstbewusstsein macht sexy!
Psychotherapeutin Stefanie Stahl

Psychotherapeutin Stefanie Stahl

Foto: Roswitha Kaster

Stefanie Stahl
Buch "Jein"
272 Seiten
Ellert & Richter Verlag
14.95 Euro

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