Onlinedating: Sex oder nie!

Im Internet kennen gelernt. Heiße E-Mails ausgetauscht. Und heute soll's zur Sache gehen... Sex nach Onlinedating. Ein Erfahrungsbericht.

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Ob Tom tatsächlich einen Table-Dance von mir erwartet? Ein russisches Dinner, mich als Dessert? Ganz zu schweigen davon, was ich ihm sonst noch alles per E-Mail versprach - er muss denken, ich bekäme schon beim Schreiben an ihn einen multiplen Orgasmus. Wahr ist: Ich kann weder tanzen noch russisch kochen, die perfekte Verführung hatte für mich bisher die Form einer gut sortierten Pralinenschachtel.

"Punkt acht" will er bei mir klingeln, meine Hände sind nass vor Aufregung, es ist zehn Uhr morgens, und ich bin nichts als eine Maulheldin. Und selbst das nur in der sicheren Schutzwolke des Internets - wo alles begann. Meine Freundin Anne kennt unseren E-Mail-Wechsel auswendig, wenn ich jetzt kneife, sagt Anne, will sie das Wort Tom nie wieder hören...

Das geht jetzt seit Wochen so mit Tom. Solange wir uns schreiben, sind wir souverän und witzig, unser E-Mail-Wechsel könnte als Paradebeispiel in "Nur die Liebe zählt" zitiert werden, am Telefon gewinnen wir eher den ersten Preis im "Äh"- und "Hmm"-Sagen, wir verwechseln Uhrzeiten mit Straßennamen mit Hausnummern, eben Eckdaten, die man für eine abendliche Verabredung benötigt. Heute schaffen wir es, heute ist Schluss mit feige, heute ist die Nacht der Nächte.

Räum auf, mach dich schön und lass ihn reden, sagt Anne. Der Rest geht von selbst. Ihr wisst doch schon einiges über euch. Anne hat gut reden. Einiges. Na und? Das ist schlimmer als gar nichts. Und erheblich schlimmer als viel. Wie soll bitteschön eine Liebesnacht gelingen, wenn die Messlatte der Erwartung derartig hoch hängt? Was weiß ich eigentlich über Tom? Dass seine Stimme Gänsehaut macht, dass er rückwärts Mot heißt und lacht wie Mozart in Milos Formans "Amadeus".

Was will er überhaupt von mir? Einer der begehrtesten Junggesellen der Stadt von einer Frau ohne Sofa, die spät nachts gewagte E-Mails schreibt und sich am nächsten Morgen per SMS dafür entschuldigt? Vielleicht sollte ich seine Nummer löschen? Oder mir noch schnell ein neues Sofa kaufen? Das Telefongespräch mit Anne dauert drei Stunden, die Kardinalfrage "Was soll ich anziehen?" beantwortet sie nur vage. Mondän, aber nicht schräg, verführerisch, aber bitte nicht billig, schlicht, aber nicht farblos. Alles klar? Bei der Anprobe bin ich kurz davor, meinen Kippspiegel zu zerstören, klar ist danach nur eines: Heute Nacht werde ich entweder den Bauch einziehen müssen beim Sex, wir werden es im Dunkeln tun oder vielleicht doch lieber gar nicht?

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  • Text: Andrea Müller
    BRIGITTE: 19/05
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