Mode & Politik
Deutsche Politikerinnen in der Stilkritik
Einige deutsche Politikerinnen pflegen ihren Stil konsequent, politisch wie modisch - auch die neue grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt. Was das Styling von Politikerinnen wie ihr, Claudia Roth oder Angela Merkel aussagt: eine Stilkritik.
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© imago/pictureteam; imago/Jens Jeske; imago/Müller-Stauffenberg
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Katrin Göring-Eckardt, 46, Bündnis 90/Die Grünen
Wer sie ist: Die Überraschungssiegerin bei der Urwahl der Grünen. Mit Jürgen Trittin zieht sie als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf. Dass Göring-Eckardt die grünen Galionsfiguren Claudia Roth und Renate Künast ausstechen würde, hatte kaum jemand auf dem Zettel.
Wer sie sein will: Die Neue für die bürgerliche Mitte. Die Protestantin aus dem Osten hat sich einen Namen als Sozialpolitikerin gemacht und lässt sich von christlichen Werten leiten - so spricht man auch CDU-Wähler an. Modisch leistet sie sich keine Extravaganzen und setzt auf Cordblazer und Hosen. Farblich ist sie nicht festgelegt - ob das für ihre Koalitionspläne auch gilt?
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Claudia Roth, 57, Bündnis 90/Die Grünen
Wer sie ist: Das Gesicht der Grünen. Seit 2004 ist die Schwäbin Bundesvorsitzende der Partei, niemand vor ihr war so lange in diesem Amt. Auch nach der Abstimmungsschlappe will sie weitermachen. Im Internet schlägt ihr eine Welle der Sympathie entgegen, für die sogleich ein neuer Begriff erfunden wurde: "candystorm", das Gegenteil eines "shitstorms". Da ist die Niederlage gar nicht mehr so bitter.
Wer sie sein will: Das Gesicht der Grünen - und eine Art Pippi Langstrumpf der Politik. Sie macht sich die Mode-Welt, wie sie ihr gefällt, und bringt so eine völlig neue Couleur ins politische Einheitsgrau. Mit orangeroter oder weißblonder Ponyfrisur, roten Lippen und fast schon psychedelischen Farbspielen auf ihrer Kleidung hat sie die Marke "Claudia Roth" erschaffen.
Ilse Aigner, 47, CSU
Wer sie ist: Die Bodenständige unter den Bundesministerinnen: Seit Oktober 2008 leitet Ilse Aigner das Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Wer sie sein will: Die Verkörperung ihrer Heimat Bayern - zwischen Dirndl-Tradition und Lederjacken-Moderne. Aber wie konnte bloß dieses noch dazu sozialdemokratenrote Kostüm in Ilse Aigners Schrank gelangen? Das lässt sie noch konservativer erscheinen, als es einer bayerischen Politikerin gut tut.
Sahra Wagenknecht, 43, Die Linke
Wer sie ist: Hoffnungsträgerin der Linken, stellvertretende Parteivorsitzende und seit einger Zeit auch privat die Partnerin von Oskar Lafontaine.
Wer sie sein will: Die schönste Seite des Sozialismus'. Dabei wirkt sie mit ihren roten Kostümen, den schlichten Pumps und der zurückgenommenen Hochsteckfrisur wie aus der Zeit gefallen. Für so profane Dinge wie Modetrends bleibt schließlich keine Zeit, wenn man das kapitalistische System umkrempeln will.
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, 61, FDP
Wer sie ist: Eine Wiederholungstäterin. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war von 1992 bis 1996 Bundesjustizministerin, seit 2009 sitzt sie wieder auf diesem Posten.
Wer sie sein möchte: Nicht nur Polit-, sondern auch Modeprofi. Und ja, was Sabine Leutheusser-Schnarrenberger trägt, kann überzeugen. Ihr stehen dunkle und helle Farben gleichermaßen. Wenn's ihr zu langweilig wird, zieht sie einfach was Buntes drüber oder peppt ihre Outfits mit Ketten auf.
Ursula von der Leyen, 54, CDU
Wer sie ist: Die Allzweckwaffe der CDU. Erst Bundesfamilienministerin, dann Bundesarbeitsministerin und zwischendurch sogar potentielle Bundespräsidentin. Die siebenfache Mutter entstaubte das konservative Familienbild ihrer Partei, jetzt kämpft sie für die Frauenquote - und gegen gehörige Widerstände in Politik und Wirtschaft.
Wer sie sein will: Das ewige Mädchen. Ihre Garderobe schwankt irgendwo zwischen frisch-fröhlich und im Kleiderschrank von Mutti gefunden. Die Politikerin mit Spitznamen Röschen setzt auf jugendlichen Charme plus damenhafte Fönfrisur. An dieser Mischung könnte die sonst so patente Frau von der Leyen noch arbeiten. Unser Vorschlag: weniger Rüschen und Haarspray, mehr schlichte Eleganz.
Silvana Koch-Mehrin, 41, FDP
Wer sie ist: Seit ihrer Plagiatsaffäre ein doktortitelloses und ämterloses Mitglied im Europaparlament. Als Dr. Silvana Koch-Mehrin war sie in Brüssel Leiterin der FDP-Delegation und Parlamentsvizepräsidentin, in der Heimat Mitglied des FDP-Parteipräsidiums.
Wer sie sein möchte: Irgendwie mehr als das, was sie jetzt ist. Ihre geschmackvollen Outfits mit schönem Oberflächenglanz scheinen zu rufen. "Huhu, hier bin ich. Ich habe zwar alle Ämter abgegeben, aber trotzdem immer noch was zu sagen."
Manuela Schwesig, 38, SPD
Wer sie ist: In den Medien allzu gern die schöne, kühle Blonde aus dem Norden. In Ämtern gesprochen Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern und seit Ende 2009 stellvertretende SPD-Parteivorsitzende.
Wer sie sein will: Pragmatisch, praktisch, gut: So möchte sich Manuela Schwesig auf der politischen Bühne geben - was ihr auch gelingt. Das passende Outfit dazu: Hosenanzüge. Für die hegt die volksnahe Politikerin eine große Vorliebe und macht damit auch nichts falsch. Manchmal dürfte sie sich modisch aber ruhig ein bisschen mehr trauen.
Renate Künast, 56, Bündnis 90/Die Grünen
Wer sie ist: Die Vorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und Expertin in allen Verbraucherschutzfragen, schließlich leitete sie bis 2005 das dazugehörige Bundesministerium.
Wer sie sein will: Der Gegenentwurf zu ihrer Parteifreundin Claudia Roth. Bloß nicht zu dick auftragen, so lautet Renate Künasts Devise. Sie ist Pragmatikerin, entsprechend wirkt ihr Stil mit praktischer Kurzhaar-Frisur, einfarbigen Blazern und flachen Schuhen eher spröde. Selbst in schillernder grüner Seide verliert sie nicht die Bodenhaftung. Da ist ein Mode-Verbraucher am Werk, kein Mode-Fan.
Annette Schavan, 57, CDU
Wer sie ist: Bundesministerin für Bildung und Forschung und Philosophin, momentan arg gebeutelt von Plagiatsvorwürfen.
Wer sie sein will: Ein fröhlicher Farbklecks. Gute Laune kann sie bei all dem Bilungsgerangel zwischen Bund und Ländern auch gut gebrauchen. Für ihre bunten Blazer bekommt Frau Schavan von uns ein "summa cum laude". Aber in Sachen Frisur und Brille könnte sie ruhig einmal eine persönliche Exzellenzinitiative starten.
Hannelore Kraft, 51, SPD
Wer sie ist: Die First Lady Nordrhein-Westfalens. Sie gilt als volksnah und sympathisch, ihre Wirtschafts- und Haushaltspolitik als eigensinnig. Statt eisern zu sparen, will Frau Kraft lieber in Bildung investieren.
Wer sie sein will: Eine Ministerpräsidentin zum Anfassen. Die ehemalige Unternehmensberaterin machte schnell Karriere in der SPD, seit 2010 regiert sie das bevölkerungsreichste Bundesland. Ob ladylike mit roten Accessoires oder lässig mit Jeans und Strickjacke, Hannelore Kraft hat ein gutes Händchen fürs angemessene Styling. Was Michelle Obama in den USA kann, kann sie in NRW schon lange!
Kristina Schröder, 35, CDU
Wer sie ist: Die erste Bundesministerin, die während ihrer Amtszeit ein Kind bekommen hat. Seit Ende 2009 ist sie in Berlin für Familie, Frauen, Senioren und Jugend zuständig.
Wer sie sein will: Die junge Vorzeige-Konservative. Mit blonden Strähnchen, klassischem Kostüm oder Yacht-Blazer geht die Ministerin auf Nummer sicher. Wirkliche Akzente setzt sie mit diesem mehrheitsfähigen Look aber nicht. Das neue Frauenbild der CDU hätten wir uns irgendwie ein bisschen mutiger gewünscht.

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am um
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Roxanne
am 22.01.13 um 14:36
Ich finde die Redaktion von " Brigitte" sollte sich mal klar werden, welche Leserinnen sie ansprechen wollen. Leute,die gerne auch die Gala oder das Goldene Blatt lesen oder Frauen, die Wert auf anspruchsvolle gut recherchierte Berichte legen, die auch einen Bezug zu ihrem Aussehen haben und dadurch auch interessiert an modischen Trends und Know how sind, die nicht die Superidealfigur haben, sondern gerne auch mal Mode für "Normalas" vorgeschlagen bekommen, Tipps für Deko und meinetwegen Basteln, Stricken usw. Ich lese Brigitte schon seit fast 30 Jahren, habe mit ihr Kochen, Abnehmen und Zunehmen, - leckere Rezepte- gelernt... Besser ist sie nicht geworden. Aber wer weiß, vielleicht bekommt sie wieder die Kurve...
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Trine2212
am 15.11.12 um 17:07
Die Aufregung ist nicht künstlich, sondern ganz natürlich, weil sie Reaktion auf den neuen Kurs ist, den die Brigitte seit einiger Zeit eingeschlagen hat und mit dem sie viele langjährige Abbonnentinnen (ich bin eine) vergrault hat. Niemand erwartet brillante politische Hintergrundberichte, aber diese unselige Vermischung von Politik und Lifestyle (ich denke auch an den Fall Bettina Wulff) regt viele auf! Wieso man diese Leserinnen beleidigen muss, ist mir unverständlich!
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belliza
am 13.11.12 um 20:19
Warum sich so künstlich aufregen? Ich zumindest erwarte hier gar keinen hochpolitischen Hintergrundkommentar. Den Ansatz, Outfit und Gesinnung zu verbinden, finde ich gelungen und im besten (nämlich trotzdem informativen) Sinne unterhaltsam.
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Trine2212
am 13.11.12 um 11:46
Mal ganz ehrlich, wer will so etwas lesen und solche Fotos sehen? Wer schreibt diese Texte? Und für wen? Ich weiß, wie Frau Roth aussieht, ich lese eine Tageszeitung und schaue mir jeden Abend die Nachrichten an. Und die anderen Damen begegnen einem da auch mal. Wenn Ihr einen fundierten und gut rechercierten Beitrag zu den Unterschieden z.B. zu anderen europäischen Politikerinnen bringen könntet, das würde ich gerne lesen. Denn die sind erstaunlich und durchaus wert, mal beleuchtet zu werden. Das obige BlaBla über Kettchen hier und Blazerfarbe da ist dumm und oberflächlich!
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Ingrid50
am 13.11.12 um 11:16
Ich timme TheQuuibbler voll zu!! So ein Blödsinn, als ob die Frauen auch noch Zeit hätten, sich so viele Gedanken um ihr Outfit zu machen. Männer ziehen einen Anzug an und so sollten es die Frauen in Verantwortung auch machen.
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TheQuibbler
am 13.11.12 um 08:16
Ganz schön traurig, dass Frauen immer noch nach ihrer Kleidung und ihrer Aufmachung beurteilt werden, und dass auch noch von einer Frauenzeitschrift und nicht von Männern.
mehr (6)Sie haben ja wirklich anderes zu tun, als in Mode-Shops rumzulaufen.
Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass die Emanzipationsbewegung für die Katz war, denn immer mehr Frauen scheinen sich auch selbst immer mehr bereitwilligst auf Äußerlichkeiten zu reduzieren. Offenbar funktioniert die Gehirnwäsche fantastisch ...
Ich warte jetzt gespannt auf eine Fotostrecke über unsere männlichen Politiker.