Bio-Mode
Gütesiegel und Öko-Standards für Textilien

Die Zahl der Gütesiegel für faire und ökologische Kleidung ist groß. Das macht es für uns Kunden leider nicht leichter. Wir erklären, was sich hinter den verschiedenen Bezeichnungen verbirgt.

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Bio liegt im Trend, Nachhaltigkeit ist in aller Munde und auch in der Modeindustrie gibt man sich inzwischen gern grün und verantwortungsbewusst: viele Gütesiegel versprechen ökofaire Textilien. Wir zeigen, welches Siegel wofür steht.

Grundsätzlich gilt: Achten Sie darauf, wer hinter den Siegeln steckt. Handelt es sich um ein unabhängiges Gütesiegel beziehungsweise um ein Siegel, dass von einer NGO vergeben wird? Genau hinschauen lohnt sich bei anderen Siegeln, denn auch Industrieverbände und Hersteller selbst zeichnen ihre Kleidung mittlerweile durch eigene Labels aus.

Grundsätzlich lässt sich zwischen zwei Arten von Siegeln unterscheiden: Den unabhängigen Gütesiegeln beziehungsweise auf Initiative von NGOs oder unter deren Beteiligung entstandenen Siegeln (z.B. Global Organic Textil Standard).

Die folgende Übersicht der gegenwärtigen Textil-Siegel basiert auf einer Überprüfung und Bewertung der Umweltorganisation Greenpeace aus dem Jahr 2012. Den Einkaufsratgeber "Textil-Label unter der Detox-Lupe" können Sie hier herunterladen. Hinsichtlich des Chemikalieneinsatzes sind aus Greenpeace-Sicht gegenwärtig GOTS, IVN Best und bioRe-gelabelte Kleidung empfehlenswert. Der Blaue Engel stellt eine gute Ergänzung für Kleidung aus Synthetikfasern dar, bisher gibt es jedoch noch keinen Lizenznehmer im Bereich Textilien. Bluesign ist laut Greenpeace nur eingeschränkt empfehlenswert, da der Standard einige Risiko-Chemikalien explizit erlaubt, darunter die in der Kritik stehenden polyfluorierte Telomere (FTOH), die für Ausrüstungen von Outdoor-Kleidung verwandt werden.

G.O.T.S

G.O.T.S. steht für "Global Organic Textile Standard" und ist ein internationaler Verband der Naturtextilindustrie. Er wird seit 2006 in zwei Abstufungen vergeben: Mit 'organic' gekennzeichnete Textilien müssen 95 Prozent ökologische Fasern enthalten. Mit 'made with organic' produzierte Textilien müssen zu 70 Prozent Fasern aus Bio-Erzeugung enthalten. GOTS definiert Anforderungen entlang der gesamten textilen Kette – vom Anbau bis zum fertigen Produkt. Eine unabhängige Zertifizierung sämtlicher Verarbeitungsstufen mit jährlichen Betriebsinspektionen garantiert eine hohe Glaubwürdigkeit. Der Standard, der allerdings nur für Naturfasern gilt, bezieht zu allen Detox-Substanzgruppen Stellung. Positiv ist, dass die festgesetzten Grenzwerte im Vergleich zu anderen Standards mit am strengsten sind. Als Schwach punkt ist zu vermerken, dass nicht alle Verbote konsequent mit entsprechenden Nachweis-Grenzwerten versehen sind. GOTS-gelabelte Produkte gibt es in sogenannten Green Fashion Concept Stores, bei Hess Natur, im Online-Spezialhandel, bei Händlern wie REWE oder als Aktionsware bei Discountern. www.global-standard.org

bioRe

Das Textil-Label bioRe zeichnet ausschließlich Bio-Baumwoll-Kleidung der Schweizer Firma Remei AG aus. Der Standard regelt die Weiterverarbeitung der Bio-Baumwolle aus den eigenen Anbauprojekten in Indien und Tansania. Alle Chemikalien, die in der Detox-Kampagne von Greenpeace überprüft wurden, sind bei bioRe verboten. Die Verbote für Azofarbstoffe und Weichmacher sind mit Grenzwerten hinterlegt, diese fehlen aber derzeit noch bei Alkylphenolen. Grenzwerte für Flammschutzmittel und PFC sind nicht nötig, da Remei keine Kleidung herstellt, die entsprechend ausgerüstet werden muss. bioRe-Produkte gibt es im Greenpeace Magazin Shop, bei Mammut, Elkline, Globetrotter oder unter dem FairAlliance-Label der REWE-Group. www.biore.ch

IVN Best

IVN: Der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft vergibt die beiden anspruchvollsten Qualitätszeichen: 'Naturtextil-IVN zertifiziert' und 'Naturtextil-IVN zertifiziert BEST'. Verwendet werden dürfen nur Naturfasern aus kontrolliert biologischem Anbau und unbedenkliche Farbstoffe. Der Nachweis sozialer Standards, und das Verbot von Kinderarbeit müssen eingehalten werden. Der IVN Best-Standard hält das aktuell maximal umsetzbare Niveau an Textilökologie. Der Standard nimmt bewusst in Kauf, dass manche Produkte aufgrund der strengen Vorgaben gegenwärtig nicht herstellbar sind. IVN Best bezieht zu allen Detox-Substanzgruppen Stellung und erweitert, ausgehend vom GOTS, die Liste der unerlaubten Einzelsubstanzen (zum Beispiel bei Phthalaten oder Azofarbstoffen). Einziger kleiner Schwachpunkt ist, dass nicht alle Verbote mit Grenzwerten hinterlegt sind. IVN Best-gekennzeichnete Produkte gibt es bei Naturtextil-Spezialisten wie Hess Natur oder Cotonea. www.naturtextil.com

Bluesign

Das Schweizer Unternehmen bluesign technologies AG hat einen Standard entwickelt, der gezielt Prozesse in der Textilherstellung optimiert. Da der Standard auf Chemikalien und Prozesse fokussiert, liegt hier die ausführlichste Liste von Substanzen vor, die verboten oder eingeschränkt sind. Die Detox-Substanzgruppen sind alle benannt und geregelt. Alkylphenole sind verboten und mit Grenzwerten hinterlegt. Positiv ist, dass Bluesign am konsequentesten Grenzwerte für Einzelsubstanzen aus den Gruppen der Weichmacher und Azofarbstoffe festlegt. Dennoch sind andere Standards in manchen Limits strenger, beispielsweise GOTS und IVN Best bei den Chlorphenolen oder der blaue Engel bei der zinnorganischen Substanz TBT. Umwelt- und gesundheitsschädliche polyfluorierte Telomere (FTOH), die für wetterfeste Outdoor-Kleidung verwendet werden, sind im Bluesign-Standard erlaubt. Bluesign findet man derzeit vor allem bei Outdoor-Produkten. Baby- und Kinderkleidung mit Bluesign-Label gibt es bei Jako-o. www.bluesign.com

Der blaue Engel

Das 1978 eingeführte staatliche Umweltlabel "Der blaue Engel" kennzeichnet Textilien, deren Herstellungsprozess Kriterien wie geringe Umweltbelastung, Arbeitssicherheit und soziale Standards erfüllt. Der Standard deckt sowohl Naturfasern als auch Synthetikfasern ab. Das Siegel verbietet alle elf Detox-Chemikalien. Viele Einzelsubstanzen werden explizit benannt, so dass eine Überprüfung einfacher vollzogen werden kann. Insgesamt sind die Grenzwerte im Vergleich zu anderen Textilstandards uneinheitlich geregelt. Bei den Phthalaten liegen die Grenzwerte im Vergleich zu GOTS oder Bluesign höher. Andererseits sind die Grenzwerte des blauen Engels für Schwermetalle vergleichsweise streng gefasst. Das Problem: für Textilien gibt es derzeit keinen Lizenznehmer des Siegels und damit keine Produkte, die mit dem Blauen Engel gekennzeichnet sind. www.blauer-engel.de

Öko-Tex Standard 100

Den Öko-Tex Standard 100 vergibt die Internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie seit 1992. Der Standard prüft nur auf Schadstoff-Rückstände in Textilien und hat somit keinerlei Aussagekraft, was die Herstellungsbedingungen betrifft. werden ausschließlich eingereichte Proben überprüft, es finden keine Betriebsprüfungen statt. Im Hinblick auf die Detox-Substanzgruppen weist der Öko-Tex 100 die größten Lücken auf. So werden Chlorbenzole und chlorierte Lösungsmittel im Standard gar nicht geregelt. Für andere Chemikalien, wie zinnorganische Verbindungen oder Phthalate, gelten zwar Rückstandsgrenzwerte, aber keine Verbote. Die Grenzwerte liegen auch deutlich höher als bei anderen Standards. Für per- und poly- luorierte Chemikalien spricht der Öko-Tex 100 keine Verbote aus – setzt aber für die Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroctansäure (PFOA) Grenzwerte. Das am weitesten verbreitete Siegel ist überall im Einzelhandel zu finden. www.oeko-tex.de

Öko-Tex 100 plus

Mit dem Öko-Tex Standard 100plus wird Bekleidung ausgezeichnet, die ausschließlich in Betrieben gefertigt ist, die neben dem Verzicht von Schadstoffen, auch strenge Umweltauflagen und Sozialstandards einhalten. Der Öko-Tex 100 plus schließt Regelungslücken gegenüber dem einfacher zu erfüllenden Öko-Tex 100. Für Öko-Tex-100-plus-Produkte gelten Umwelt-Anforderungen entlang der gesamten textilen Kette: Energie, Wasser, Luft und Emissionen werden berücksichtigt. Chlorbenzole sind verboten, chlorierte Lösungsmittel bleiben davon unberührt, ebenso wie per- und polyfluorierte Chemikalien. Für andere Substanzgruppen gelten die Rückstandsgrenzwerte des Öko-Tex 100. Während der Öko-Tex 100 von mehreren tausend Herstellern genutzt werden darf, sind es deutlich weniger als hundert Hersteller, die Textilien mit dem Öko-Tex 100 plus kennzeichnen dürfen. www.oeko-tex.de

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  • Text: ls, jc, cm
    Teaserbild: PhotoSG/Fotolia.com

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