Gut angezogen

Dass günstiger Chic unter meist unmenschlichen Bedingungen produziert wird, wissen die meisten. Inzwischen kann man anders hergestellte Kleidung bekommen: Erste Anbieter sind erfolgreich damit.

Hier lesen Sie, was sie anbieten und wie Fachleute diese Firmen einschätzen. Der Verbraucher hat dabei mehr Macht, als er denkt: Je mehr Käufer kritisch nachfragen, desto größer wird der Druck auf die Hersteller, bei der Produktion ihrer Ware die Menschenrechte zu wahren.

Korrekter Schick ist in - aber wie korrekt ist korrekt?

Beispiel 1: Furore macht seit einiger Zeit das amerikanische Label "American Apparel". Die trendy Shirts des Unternehmens werden nicht in Dritte-Welt-"Sweatshops" - so werden Fabriken genannt, in denen unter unmenschlichen Bedingungen produziert wird - hergestellt, sondern in Los Angeles. Die Mitarbeiter profitieren, so die Firma über sich, von überdurchschnittlich hohen Löhnen und guten Sozialleistungen. Organisationen wie Sweatshopwatch oder Clean Clothes bemängeln allerdings, dass sich die Arbeiter dort nicht gewerkschaftlich organisieren können. Brandchannel.com, eine markenkritische Online-Plattform aus New York, bezeichnet American Apparel in einem Artikel gar als "Pin-up für Kapitalisten und Gutmenschen", weil die Entlohnung nur wenig höher als der Mindestlohn sei und es zwar Gesundheitsvorsorge für die Angestellten gebe, diese aber sehr begrenzt sei.

Trotz einiger kritischer Stimmen konnte sich American Apparel mit seinem schlicht-sexy Look aus hochwertigen Baumwollmaterialien - selbst Fleece wird aus Baumwolle hergestellt - durchsetzen: Die Marke ist mittlerweile auch hierzulande beliebt und wird in sechs Filialen verkauft, unter anderem in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Köln und München. Weitere Shops in Deutschland und Europa sind geplant.

Preise: T-Shirts ab ca. 15 Euro, Sportjacken ab ca. 28 Euro, Sporthosen ab ca. 16 Euro, Kleider ab ca. 26 Euro.

Beispiel 2: Vor allem auf Jeans hat sich das holländische Label Kuyichi spezialisiert. Außerdem gibt's das klassische Streetwear-Sortiment für "jungen urbanen Konsumenten", von der Mütze bis zum Parka. Kuyichi produziert in Indien, Tunesien und der Türkei. Sie hat sich mit anderen niederländischen Kleidermachern zur Initiative "Made by" zusammengetan, die sich für "nachhaltige" und "verantwortungsbewusste" Herstellung von Kleidung einsetzt. Die Labels orientieren sich am Sozialstandard SA 8000, der vom Council on Economic Priorities Accreditation Agency (CEPAA) entwickelt wurde. Problem dieses Standards: Er beinhaltet keine unabhängige Überprüfung der Fertigung, sagt Christiane Schnura, Koordinatorin der Kampagne "Saubere Kleidung". Deswegen könne man daraus nicht ableiten, wie ethisch korrekt die Kleidung wirklich ist.

  Modelle aus der aktuellen Kuyichi-Kollektion

Modelle aus der aktuellen Kuyichi-Kollektion

Die Kollektion von Kuyichi ist deutschlandweit in über 30 Läden zu haben. Preise: T-Shirts 39 bis 49 Euro, Sweatshirtjacken ca. 95 Euro, Jacken 119 bis 229 Euro, Jeans ab ca. 100 bis 130 Euro.

Beispiel 3: Wer deutsche Arbeitsplätze unterstützen möchte, ist beim größten deutschen T-Shirt- und Tennisbekleidungshersteller Trigema an der richtigen Adresse: Der schwäbische Familienbetrieb gilt als Vorzeigeunternehmen. 1.200 Mitarbeiter hat die Firma, alle sind in Deutschland beschäftigt. Sie profitieren unter anderem von einer 37-Stunden-Woche und übertariflicher Bezahlung, es gibt sogar eine Arbeitsplatzgarantie für die Kinder der Angestellten - Konditionen, von denen chinesische oder thailändische Näherinnen nur träumen können.

Boykottieren - bringt das was?

Nie mehr günstige Trendklamotten shoppen - das ist auch keine Lösung. Wer Kleidung bestimmter Hersteller boykottiert, gefährdet auch die Arbeitsplätze in den produzierenden Ländern. Für die Näherinnen gibt es keine Alternative zu ihrem Job. Deswegen rät Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero (CIR), einer der Trägerorganisationen der Kampagne "Saubere Kleidung": "Nachfragen!" Das geht zum Beispiel mithilfe von Musterbriefen oder Kärtchen, die die Kampagne auf ihrer Seite zum Download anbietet, und die direkt im Geschäft abgegeben werden können.

Alle großen Bekleidungshersteller - wie zum Beispiel C&A, H&M und Puma - haben laut Maik Pflaum mittlerweile ihre Verantwortung öffentlich anerkannt und einen Kodex entwickelt, der bestimmte Richtlinien bei der Herstellung vorgibt. Kritikern geht das jedoch nicht weit genug. "Da gibt es häufig Schwachpunkte", sagt Pflaum. "Es werden Mindestlöhne festgesetzt, die nicht zur Sicherung der Grundbedürfnisse der Arbeiter reichen." Bei den Arbeitszeiten werden werden oft nationale Gesetze als Grundlage herangezogen. Und: "Viele Staaten erhöhen die maximale Wochenarbeitszeit, um ausländische Investoren anzulocken. Das geschah zum Beispiel jüngst in Thailand, wo jetzt bis zu 84 Stunden legal sind". Außerdem lassen sich die Hersteller ungern in die Fabriken schauen. Christiane Schnura von "Saubere Kleidung" hofft, dass ein Puma-Pilotprojekt Schule machen wird: Der Konzern lässt künftig zwei seiner Fertigungsstätten in El Salvador unabhängig kontrollieren.

Woran erkenne ich gute Kleidung?

Kleidung, die unter vollständig unbedenklichen Bedingungen hergestellt wurde und dabei trendy aussieht, ist kaum zu bekommen. Unbedenklich sind nur wenige handverlesene Labels wie Hess natur oder Gepa, die allerdings eher Freizeitkleidung vertreiben. Eine gute Orientierung für den Einkauf auch von Textilien und Bekleidung unter Nachhaltigkeitsaspekten bietet die Broschüre "Nachhaltiger Warenkorb" vom Rat für Nachhaltigkeit, den Sie hier kostenlos downloaden können.

Weitere Linktipps

  • Bei www.sweatshopwatch.org finden Sie etwa ein Dutzend US-amerikanischer Anbieter von Kleidung, die unter nach Sewatshopwatch-Kriterien fairen Bedingungen hergestellt wurden.
  • Die internationale Kampagne www.cleanclothes.org bemüht sich weltweit um die Durchsetzung menschenwürdiger Standards bei der Herstellung von Kleidung und Textilien.
  • Der deutsche Ableger: www.saubere-kleidung.de
  • Beim Label Öko-Text Standard 100pluswerden auch einige soziale Mindeststandards in der Produktion berücksichtigt.
  • Das Label Naturtextil bewertet alle Herstellungsprozesse unter Nachhaltigkeitskriterien (Öko/ sozial/ artgerechte Tierhaltung) und wird vom BUND als das Öko-Label mit den höchsten Anforderungen eingestuft.

wp

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