Luxus-Lexikon

Wer hat das kleine Schwarze erfunden, und woher kommt die Kelly-Bag? In unserem Luxus-Lexikon zeigen wir die größten Mode-Klassiker und füllen Wissenslücken.

Foto: PR Empire-Kleid von Guess by Marciano

Elegant, anmutig, mädchenhaft zart: Ein Empire-Kleid schmeichelt der Figur mit seiner hoch unter dem Busen sitzenden Taille und dem weich fließenden Stoff und macht eine schöne Silhouette. Beim Anblick eines zarten Empire-Kleides denkt man an die Frauenfiguren, die Jane Austen schuf. Dabei verdanken wir den Empire-Stil dem größten Feind der Engländer: Napoléon. Er löste nach seiner Rückkehr vom Feldzug nach Ägypten 1799 eine wahre Ägyptomanie aus. Modebewusste Pariserinnen kleideten sich fortan nach antikem Vorbild in plissierter Baumwolle oder Seide mit hoher Taille. Napoléons Ehefrau Joséphine de Beauharnais propagierte den neuen Look und wurde zur vielfach kopierten Mode-Ikone. Seinen Namen erhielt der Kleidungs-Stil, der französisch ausgesprochen wird, als Napoléon sich zum Kaiser krönte und begann, ein Imperium in Europa zu erobern. Die neue Mode war durchaus offenherzig. Denn dieser Kleider-Typ war tief dekolletiert, der zarte Chiffon oder Musselin zeigte mehr als er verbarg, und darunter trug die modebewusste Frau nur ein hautfarbenes Trikot, was ihr viel Bewegungsfreiheit verschaffte. Frauen konnten im wahrsten Sinne des Wortes aufatmen. Denn das eng geschnürte Mieder und die schweren Brokatstoffe des dekadent überladenen Rokoko hatten die Franzosen genau wie ihren Adel zehn Jahre zuvor in der Revolution beseitigt. Die Bewegungsfreiheit der Frauen währte allerdings nur kurz. Nach Napoléons Niederlage zwängte das Biedermeier sie ab 1815 wieder in enge Korsetts.

Steckbrief:

Form: Erkennungsmerkmal eines Empire-Kleides ist die hohe Taille direkt unter dem Busen, den ein Band hält. Die Kleider gibt es in allen Längen, als Abendkleider ärmellos. Im Empire waren kleine Puffärmel beliebt. Heute ist der Stil wieder angesagt, nicht nur Kleider, auch viele Blusen und Jacken haben eine geraffte, hohe Taille.

Farbe: Im Empire war das Unterkleid, die Chemise, aus einem dünnen weißen Stoff. Darüber trug die Pariserin zu festlichen Anlässen ein farbiges, besticktes Überkleid aus schwereren Stoffen. Heute werden Empire-Kleider in allen Farben aus feinen Stoffen genäht, damit sie locker fallen.

Funktion: Ein leichtes Sommerkleid aus Baumwolle oder ein Cocktailkleid aus teuerster Seide, der Empire-Schnitt macht immer eine gute Figur. Wer in dem tief ausgeschnittenen Kleid friert, trägt, dem historischen Vorbild entsprechend, dazu einen großen Schal, beispielsweise einen Paschmina.

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  • Artikel vom 26.01.2009
  • Text: Barbara Warning