XL-Model Crystal Renn im Interview
BRIGITTE: Heute tragen Sie Größe 42 und sind eines der begehrtesten Plus-Size-Models. Findet in der Modewelt ein Umdenken statt?
Crystal Renn: Ja, die Branche ändert sich. Eine schrittweise Veränderung ist gut, das unterstützt die Dauerhaftigkeit. Das neue Gesicht von Marc Jacobs beispielsweise ist Daisy Lowe, die sehr weiblich und gar nicht mager ist. Die kurvigen Frauen aus der TV-Serie "Mad Men", Jennifer Hudson und Beyoncé, gelten als sexy - es tut sich was. Auf der anderen Seite frage ich mich, weshalb die Veränderung von der Modewelt ausgehen muss. Warum zwingen denn nicht wir Frauen die Designer zum Umdenken?
BRIGITTE: Wie soll das funktionieren?
Crystal Renn: Indem wir unseren Körper akzeptieren und so sein lassen, wie er sein mag. Dann werden die echten Größen den Ton angeben. Sich dem Diktat der Waage zu unterwerfen ist falsch, das habe ich selbst schmerzhaft gespürt. Schlankheit liefert kein Instant-Glück.
BRIGITTE: Was Sie sagen, passt gut zur "Ohne Models"-Initiative von BRIGITTE ...
Crystal Renn: ... ich konnte es kaum glauben, als ich davon hörte. Ich bin begeistert! Ein solcher Schritt war überfällig, und es ist großartig, dass Ihr Magazin dafür aufsteht. Es ist ein "Ja" zur Gesundheit und zur Vielfalt der Menschen. Es kann eine Kettenreaktion auslösen.
BRIGITTE: Inwiefern?
Crystal Renn: Wir wissen, welchen Einfluss Magazine auf das Körperbild ihrer Leserinnen haben. Aber sie sind auch das Sprachrohr der Designer. Die werden auf Dauer gezwungen, andere Größen zu machen, denn sie wollen ihre Kleider ja bewerben und verkaufen.
BRIGITTE: Glauben Sie, dass sich so das Verhältnis zu unserem Körper verändern kann und wir weniger bereit sind, für eine Kleidergröße zu hungern?
Crystal Renn: Ja. Wenn sich das Schönheitsideal normalisiert, bekommen wir Frauen die Macht über unseren Körper zurück. Ganz normale Frauen in Magazinen zu sehen gibt einen enormen Schub fürs Selbstbewusstsein. Meiner Meinung nach bestimmt ohnehin nicht die Kleidergröße Anmut oder Schönheit einer Frau. Eine Frau, die im Einklang mit sich selbst ist, wird immer auf eine sehr spezielle Weise schön sein. Dafür braucht man keine Waage.
BRIGITTE: Man sieht es: Sie strahlen, sind ausgeglichen und erfolgreich. Sie waren in der "Vogue", Jean Paul Gaultier wählte Sie als Höhepunkt seiner Prêt-àporter- Schau, und Dolce und Gabbana schwärmen von Ihren Rundungen. Triumphgefühle?
Crystal Renn: Ein Funke Genugtuung schwingt schon mit, aber eigentlich bin ich nur glücklich, überlebt zu haben. Über Umwege bin ich ja nun doch noch genau dort gelandet, wo ich hinwollte. Und im Gegensatz zu früher genieße ich jedes Shooting, jede Modenschau und jedes Snackbuffet.
BRIGITTE: Geht man anders mit Ihnen um?
Crystal Renn: Und wie! Seit fünf Jahren habe ich keinen abwertenden Satz mehr zu meiner Figur gehört. Ich war mal ein eingeschüchtertes, dürres Mädchen, das nie mehr als drei Sätze im Flüsterton sagte. Heute bin ich selbstsicher und vielseitiger. Man respektiert mich.
BRIGITTE: Wie essen Sie heute?
Crystal Renn: Sehr bewusst. Ich achte auf geregelte Mahlzeiten. Wenn ich auf etwas Lust habe, dann genieße ich es, ohne dabei an die Kalorien zu denken. Ich esse immer noch sehr langsam, aber heute habe ich Freude daran. Generell ist mein Leben spannender und ausgefüllter. Ich bin offener geworden und fand schnell Freunde, das hatte mir in all den Jahren riesig gefehlt. Nun kann ich ja auch abends nett essen gehen und muss nicht ständig Ausreden erfinden.
BRIGITTE: Plus-Size klingt nach mehr, als an Ihnen wirklich dran ist. Stört Sie diese Bezeichnung?
Crystal Renn: Ich hasse sie! Mein Gewicht ist totaler Durchschnitt. Ich fühle mich weder zu dick noch zu dünn. Auf der Straße falle ich nicht auf, nur eben im Vergleich mit anderen Models. Es ist schade, dass man für ein normales Gewicht eine eigene Kategorie braucht.
BRIGITTE: Wie verhalten Sie sich jungen Nachwuchsmodels gegenüber, die da stecken, wo Sie mal waren?
Crystal Renn: Ich spiele auf keinen Fall die Lehrmeisterin, das bringt überhaupt nichts. Bei Sätzen wie "Iss was" schaltet man einfach auf Durchzug. Eine Essstörung zu haben ist ein kalter, dunkler Ort. Niemand versteht dich. Du verlierst deine Freunde, deine Beziehung zur Familie und auch zur Realität. Ich versuche lieber, ein gutes Beispiel zu sein, und lege am Set Wert darauf, zu essen. Ich will den anderen zeigen, dass man mit einer gesunden Beziehung zum Essen trotzdem erfolgreich arbeiten kann.
Über ihre Erfahrungen berichtet Crystal Renn in "Hungry. 'Ich wollte essen. Aber ich wollte auch in der Vogue sein.'" (17,95 Euro, Heyne)












Die Bildunterschriften sind leider sowas von daneben. Als ob es einer Frau in der Abendrobe um nichts anderes geht, als ihre "Pölsterchen", "Problemzonen" zu kaschieren oder ihre "Taille optisch zu verschmälern". Ich würde gerne zu jedem Bild etwas Schönes, Witziges, Atemberaubendes lesen, ohne die miese Prise "Pummelchen, kauf dir lieber erstmal einen Jogginganzug bei C&A".
Und bloß weil Brigitte demnächst keine Models mehr nimmt, heißt das noch lange nicht, daß die "normalen Frauen" nicht nach ihrem Gewicht, Schönheit etc. ausgesucht und entsprechend aufgemacht werden. Schließlich wollen die Klamotten verkauft werden...ewarte bitte keiner, daß da demnächst Frauen so aussehen wie du und ich...!
Trotz groß angekündigter Aktion mit "normalen" Frauen zu arbeiten, ist in diesem Artikel zig Mal der Hinweis auf das "XL-Model". Die Frau trägt 42 und liegt damit völlig im normalen Bereich!!!
Danke, dann weiß ich ja, dass zukünftig alle ausgewählten Frauen mit Größe 42 nur in Moppel-Klamotten abgebildet werden, um die "Polster" zu verdecken bzw. nur in Modestrecken für Frau mit "großen Größen" gezeigt werden.
Nein, danke.