Ängste überwinden

Angst vorm Autofahren: Was dagegen hilft

Das ZDF hat in seiner Reportagereihe "37°" über die Angst vorm Autofahren berichtet. Selber Auto zu fahren ist für viele nicht möglich - trotz Führerschein. Es ist die Angst, die sie hindert. Ein "Angst vorm Autofahren"-Training kann helfen. Unsere Redakteurin hat es ausprobiert.

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Foto: Martinan/Fotolia.com

Manchmal sitze ich mitten im Schlamassel. So wie jetzt. In einem netten Gespräch habe ich beiläufig unserer Redaktionsleiterin erzählt, dass ich gar nicht mehr Auto fahre und irgendwie auch Angst vorm Autofahren habe. Und was kommt zurück: "Das ist doch ein gutes Thema. Schreib doch mal über die Angst und probier ein Fahrtraining." Okay. An dieser Stelle hätte ich ihr gern drei Dinge angeboten, um aus der Nummer wieder rauszukommen. 1. "Ach, das will doch keiner lesen. Aber ich könnte dafür über ein anderes Thema vor 100 Leuten einen Vortrag halten." 2. "Lieber nicht. Übrigens, wenn du mal jemanden brauchst, der sich in Quantenphysik einliest, frag mich ruhig." 3. "Nein, aber ich könnte doch einen Selbsttest machen, wie sich eine Wurzelbehandlung ohne Spritze anfühlt." All das wäre mir lieber gewesen. Stattdessen sage ich: "Klar. Kein Problem."

In Wirklichkeit ist es ein Problem. Ich habe vieles gewagt im Leben: neue Städte, neue Freunde, neue Jobs. Aber das Autofahren ist eine Baustelle geblieben. Meinen Führerschein habe ich mit 18 Jahren noch ohne Probleme geschafft. In dem kleinen Dorf im Münsterland, in dem ich aufgewachsen bin, war das quasi Not und Pflicht. Aber als die Großstädte kamen, hatte ich am Anfang kein Geld für ein Auto und später keinen Mut mehr. Es ging ja auch ohne. Selber Autofahren ist für mich unheimlich und abstrakt. Mein persönliches "Sodom und Gomorrha". In meiner Fantasie herrscht dort Chaos, Leute werden überfahren und ich verliere den Überblick. Dabei habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn andere fahren.

Die passende Anlaufstelle

Aber wenn es das Schicksal so will, stelle ich mich der Angst. Über Google finde ich auch eine passende Anlaufstelle: www.angstfrei-autofahren.de Dahinter steckt Alexandra Bärike. Sie ist Fahrlehrerin und Diplom-Psychologin und hat sich vor vier Jahren auf die Beratung und Therapie von Personen mit Autofahrängsten spezialisiert. Sie hilft Klienten mit Panikattacken genauso wie solchen, die einfach nur mangelnde Fahrroutine haben. Dreiviertel der Menschen, die zu ihr kommen, sind Frauen. Alle haben eins gemeinsam: den Führerschein haben sie längst. Diese Art von Angebot ist genau das Richtige für mich. Denn ich will nicht in eine "normale" Fahrschule gehen und zusammen mit 18-Jährigen im Auto sitzen. Außerdem fürchte ich, dass ich dort einen Fahrlehrer wie meinen früheren erwischen könnte. Der wurde nicht müde, permanent meine ganzen Fehler aufzuzählen.

Meine "Auto-Geschichte" unter der Lupe

In der Praxis findet ein Vorgespräch statt

In der Praxis findet ein Vorgespräch statt

An einem sonnigen Samstag betrete ich die Praxis von Alexandra Bärike in Hamburg. Die Angst begleitet mich. Ich weiß, dass mit einer Fahrlehrerin nichts passieren kann, aber es kostet mich viel Kraft, mich diesen Ängsten zu stellen. Doch Alexandra Bärike strahlt mich an. Ihre zwei kleinen Praxisräume sind asiatisch beruhigend mit Buddhas und Lampen mit weichem Licht eingerichtet.

An ihrem Schreibtisch analysieren wir zunächst meine "Auto-Geschichte". Ich erzähle von meiner Fahrroutine auf dem Land, meiner fehlenden Praxis in der Stadt, meiner Angst vorm Spurenwechsel und meinen Befürchtungen, den Überblick zu verlieren und zu langsam zu reagieren. Außerdem habe ich das Gefühl, dass alle Welt denken könnte: "Was für eine blöde Frau fährt denn da."

Ich werde ernst genommen

Wenn ich anderen von meinen Fahrängsten erzählt habe, kam spätestens an dieser Stelle der Standardspruch: "Da übst du halt ein bisschen und dann geht das auch wieder weg." Aber ich kann mich mit meinen Ängsten im Bauch nicht einfach in das nächstbeste Auto sitzen und "einfach mal üben". Bei Alexandra Bärike kommt jedoch der erste Überraschungsmoment: "Sie haben nie eine Fahrroutine in der Stadt aufgebaut. Dass Sie das nicht können, ist ganz natürlich. Gerade Spurenwechsel ist wirklich schwer." Ich fühle mich sofort ernst genommen.

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  • Text: Bianka Echtermeyer
    Fotos: privat, Teaserfoto: Martinan/Fotolia.com