Angst vorm Autofahren

Selber Autofahren ist für viele nicht möglich - trotz Führerschein. Es ist die Angst, die sie hindert. Ein "Angst vorm Autofahren"-Training kann helfen. BRIGITTE.de-Redakteurin Bianka Echtermeyer hat mitgemacht.

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Manchmal sitze ich mitten im Schlamassel. So wie jetzt. In einem netten Gespräch habe ich beiläufig unserer Redaktionsleiterin erzählt, dass ich gar nicht mehr Auto fahre und irgendwie auch Angst vorm Autofahren habe. Und was kommt zurück: "Das ist doch ein gutes Thema. Schreib doch mal über die Angst und probier ein Fahrtraining." Okay. An dieser Stelle hätte ich ihr gern drei Dinge angeboten, um aus der Nummer wieder rauszukommen. 1. "Ach, das will doch keiner lesen. Aber ich könnte dafür über ein anderes Thema vor 100 Leuten einen Vortrag halten." 2. "Lieber nicht. Übrigens, wenn du mal jemanden brauchst, der sich in Quantenphysik einliest, frag mich ruhig." 3. "Nein, aber ich könnte doch einen Selbsttest machen, wie sich eine Wurzelbehandlung ohne Spritze anfühlt." All das wäre mir lieber gewesen. Stattdessen sage ich: "Klar. Kein Problem."

In Wirklichkeit ist es ein Problem. Ich habe vieles gewagt im Leben: neue Städte, neue Freunde, neue Jobs. Aber das Autofahren ist eine Baustelle geblieben. Meinen Führerschein habe ich mit 18 Jahren noch ohne Probleme geschafft. In dem kleinen Dorf im Münsterland, in dem ich aufgewachsen bin, war das quasi Not und Pflicht. Aber als die Großstädte kamen, hatte ich am Anfang kein Geld für ein Auto und später keinen Mut mehr. Es ging ja auch ohne. Selber Autofahren ist für mich unheimlich und abstrakt. Mein persönliches "Sodom und Gomorrha". In meiner Fantasie herrscht dort Chaos, Leute werden überfahren und ich verliere den Überblick. Dabei habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn andere fahren.

Die passende Anlaufstelle

Aber wenn es das Schicksal so will, stelle ich mich der Angst. Über Google finde ich auch eine passende Anlaufstelle: www.angstfrei-autofahren.de Dahinter steckt Alexandra Bärike. Sie ist Fahrlehrerin und Diplom-Psychologin und hat sich vor vier Jahren auf die Beratung und Therapie von Personen mit Autofahrängsten spezialisiert. Sie hilft Klienten mit Panikattacken genauso wie solchen, die einfach nur mangelnde Fahrroutine haben. Dreiviertel der Menschen, die zu ihr kommen, sind Frauen. Alle haben eins gemeinsam: den Führerschein haben sie längst. Diese Art von Angebot ist genau das Richtige für mich. Denn ich will nicht in eine "normale" Fahrschule gehen und zusammen mit 18-Jährigen im Auto sitzen. Außerdem fürchte ich, dass ich dort einen Fahrlehrer wie meinen früheren erwischen könnte. Der wurde nicht müde, permanent meine ganzen Fehler aufzuzählen.

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  • Text: Bianka Echtermeyer
    Fotos: privat
Letzte Kommentare
  • zauberweibchen
    am 28.12.11 um 20:51
    Endlich versteht mich mal jemand! Dieser Artikel ist mir wie aus dem Herzen geschrieben.
  • KerstinK
    am 23.10.11 um 17:00
    Hallo,

    da kann ich ja aufatmen, das ich nicht die einzige bin. Bin heute wieder Auto gefahren. Nachdem ich meinen Führerschein in der Tasche hatte, bekam ich für ne Woche ein Auto. Bin damit jeden Tag gefahren, es wurde besser und stieg ohne Bedenken ein. Finanziell konnte ich mir kein Auto leisten. Bin dann nur Fahrrad gefahren. Dann hatte ich einen Unfall, wo ich schmerzliche Bekanntschaft mit ein Auto hatte. Seitdem fahre ich nur ganz selten Fahrrad, und dann sehr unsicher und ängstlich. Nun zum Problem. jetzt habe ich die Gelegenheit täglich zu fahren. Man muß mi antreiben das ich ins Auto steige. fahre dann mit angst und schwitze. Dabei läuft es eigentlich gut. Aber bin dann froh, wenn ich wieder aussteigen kann. Nach 9 Jahren fange ich fast bei 0 an und das erschreckt mi selber. was soll ich tun?

  • edda
    am 17.01.11 um 14:26
    Hallo, bin auch richtig dankbar, sowas zu lesen.. man denkt tatsächlich, man wäre mit dem Problem alleine. Kaum jemand versteht das richtig oder bemüht sich mal, das Ganze aus meiner Perspektive zu sehen. Nichts wäre mir lieber, als mich so ruhig und ohne Überlegung mal hinters Steuer setzen zu können, aber das schaffe ich einfach so nicht. Alles Mögliche bekomme ich hin - nur das nicht. Na ja, offenbar ist es Zeit, sich dem zu stellen und auch mal ein solches Training zu versuchen!
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