Ein breiter Streifen aus Klarglas über die gesamte Breite der Vorderpartie, dahinter viele Lichter und blinkender Chrom. Das Gleiche in Rot am Heck. Und ein Cockpit mit so vielen Lämpchen, Knöpfen und Zeigern, dass einem ganz schwindelig wird. Hebt der auch wirklich nicht vom Boden ab, wenn ich gleich meine Probefahrt mache? Eins ist auf den ersten Blick klar: Dieses Auto polarisiert. Die Journalistenkollegen bei der Pressevorstellung waren begeistert oder entsetzt - kaum einer unentschieden. Nur bei den Honda-Leuten hörte ich nicht den geringsten Zweifel, nicht mal hinter vorgehaltener Hand. Dementsprechend kühn ist ihre Verkaufserwartung, sie wollen 2006 doppelt so viele Civics verkaufen wie im Vorjahr. Schaunmermal. Ich habe mir zur Probefahrt den 140-PS-Benziner mit Automatik ausgesucht. Ein Kraftprotz, sollte man meinen. Doch als ich an der Autobahnauffahrt Nizza Richtung Cannes Gas gebe, um mich einzufädeln,sehe ich erst mal nach, ob die Handbremse noch angezogen ist. Die Automatik schaltet träge, jeder Gangwechsel kommt mir endlos vor (mit Schaltgetriebe beschleunigt der Civic übrigens deutlich schneller). Doch irgendwann zeigt das große Digitaldisplay knapp vor der Frontscheibe die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h an. Dort, wo bei den meisten Autos der Tacho ist, hat der Civic einen großen Drehzahlmesser - als ob dies das wichtigste Instrument am nicht wirklich übersichtlichen Armaturenbrett wäre. Auch nach hinten ist der Blick nicht ganz frei. Quer über die Heckscheibe zieht sich ein ufomäßiger Spoiler und teilt das Bild im Rückspiegel in zwei Hälften. Lästig, das.
Doch genug gemosert. Jetzt, wo ich den Civic ein wenig über die Landstraße scheuche, zeigt er sich von seiner allerbesten Seite. Er liegt super auf der Straße, die Federung ist hart, aber nicht beinhart. Ich halte an und checke, wie es sich hinten sitzt. Der Einstieg ist bequem, weil die Türen bis zum rechten Winkel aufgehen. Die Beinfreiheit ist hervorragend für ein Auto der Golf-Klasse. Auch der Kofferraum ist recht groß und wird zum voluminösen Laderaum, wenn man die Rücksitze ganz einfach ohne jegliches Gezerre flachgelegt hat. Fazit: Dieses Ufo hat innere Werte wie ein superpraktisches Kompaktauto. Und auch der Spritverbrauch von 6,6 l/100 km (Schaltgetriebe 6,2 l) ist außergalaktisch niedrig. Im Angebot sind zwei Benzinmotoren (83, 140 PS) und ein Diesel (140 PS, Rußfilter optional, im Lauf des Jahres wahrscheinlich serienmäßig). Einstiegspreis: 15 950 Euro.
Der Honda Civic - genau Ihr Typ?
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