Havelland: Abenteuer im Hausboot

Zauberhaftes Havelland: Wer wie Cornelia Gerlach mitsamt seinem Ferienhaus im Havelland unterwegs ist, erlebt die ganz große Freiheit.

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Zum Nachlesen:
Abenddämmerung und Morgensonne: Beides hat man im schwimmenden Haus für sich allein. An den Ufern der Havelseen gibt es viele lauschige Schlafplätze - von denen aus man am nächsten Tag nach Mutter Gans und ihren Kleinen Ausschau halten kann, wie Lilli und Finie

Abenddämmerung und Morgensonne: Beides hat man im schwimmenden Haus für sich allein. An den Ufern der Havelseen gibt es viele lauschige Schlafplätze - von denen aus man am nächsten Tag nach Mutter Gans und ihren Kleinen Ausschau halten kann, wie Lilli und Finie

Es ist ganz einfach: Ich gehe auf die Veranda, setze mich in den Gartenstuhl, nehme das Steuerrad in die Hand und gebe Gas - und schon schiebt ein Außenbordmotor das Fundament unseres Hauses und alles, was darauf steht, übers Wasser. Eben noch sahen wir die Backsteintürme vom Dom zu Brandenburg, dann die grünen Hinterhöfe der schmalen Bürgerhäuser. Ein Fischereibetrieb mit Netzen, die in der Sonne trocknen, gleitet am Fenster vorbei, Gartenlauben und ein Segelverein, wo Menschen sitzen und grillen. "Da brütet jemand", sagt Finie leise. Tatsächlich: Im Dickicht sitzt eine Graugans, den Kopf hochgereckt, und wacht über ihr Gelege.

Finie, 4, und Lilli, 7, sind mit mir, drei weiteren Frauen und einem Hund im Havelland unterwegs - und mit einem Haus. Wo wir vorbeikommen, gucken die Leute, denn dies ist kein herkömmliches Hausboot, sondern ein kleines Blockhaus, das schwimmen kann.

"Mein kleiner Amazonas" nennt unser Vermieter die Havel. Der Fluss mit seinen Windungen, Altarmen, Ablegern und Seen, mit den vielen kleinen Buchten, Stränden und stillen Ecken ist wie geschaffen für Expeditionen wie unsere. Nach Westen, zur Elbe hin, wird die Havel immer stiller, ein Naturschutzgebiet. Nach Osten hin wird sie kulturell interessant, verbindet die Schlösser von Paretz und Potsdam mit Berlin. Wir haben uns für die dritte Variante entschieden: In der Stadt Brandenburg haben wir den Flusslauf verlassen und steuern nun nordwärts über den Beetzsee.

Der verengt und verbreitert sich an vielen Stellen, oft weiß man bis kurz vor der nächsten Kurve nicht, ob die Gewässerkarte lügt oder die Seenkette tatsächlich weitergeht. Dann tut sich im Schilf eine Durchfahrt auf, von Fischreusen gesäumt, von Bäumen überschattet.

Wo es uns gefällt, halten wir an. Und lenken ganz langsam die Veranda auf den Strand zu. Die Kinder liegen auf dem Bauch und gucken ins Wasser, wenn sie Grund sehen, sollen sie rufen. "Gruuuund!" Die Anker - Eisenstangen, die durch eine Röhre rutschen - nageln das Hausboot an den Boden des Sees. Wie angenehm es ist, wenn das Ferienhaus ortsunabhängig ist, zeigt sich, als wir abends an einem kleinen Strand Halt machen wollen, und auf einmal Musik angeht. Ein paar Jugendliche lagern in der Nähe. Wir legen einfach den Rückwärtsgang ein, tuckern zurück auf den See und suchen ein anderes Plätzchen, wo uns nur die Nachtigall in den Schlaf singt.

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  • Fotos: Lisa Hörterer
    Illustration: Fiete Koch
    Text: Cornelia Gerlach
    Ein Artikel aus BRIGITTE Extra / Beilage BRIGITTE 17/10
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