Provence zum Genießen - die große BRIGITTE-Radtour

Durch die Weinberge rollen, an einem Fluss picknicken, in einem Café die Zeit vertrödeln: Auf unserer Radtour haben wir die Provence ganz gemütlich erkundet - Tritt für Tritt.

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So viele traumhafte Picknickplätze: Wir könnten dauernd Pause machen

Überall Berge und eine große Stille, nur die Vögel tirilieren. Falls sie uns beobachten, müssen sie uns für Bekloppte halten. Verschwitzt, neben uns ein Gestell mit zwei Rädern, auf dem Kopf tragen wir umgedrehte Plastikschalen. Mehrere Kilometer haben wir uns den Berg hochgeächzt, in brennender Sonne, den Col de Veaux haben wir hinter uns gelassen. Jetzt stehen wir unter einer Kiefer, gegenüber der langgezogene Mont Ventoux, der dösende Riese. Wir kommen ihm immer wieder nahe - nur hinauffahren, das werden wir nicht. Zu steil. Allmählich beruhigt sich unser Herzschlag.

Ich hätte nie gedacht,...

Mit dem Fahrrad auf dem Col de Veaux

...dass die Provence auf dem Fahrrad so anstrengend sein kann. Und so einsam. Und so aufregend. Unsere Tour von Vaison-la-Romaine bis Uchaux führt durch die typischen Provence-Städtchen, die man kennt und liebt und in denen in jedem zweiten Laden die unvermeidlichen Lavendelsäckchen und Olivenseifen angeboten werden. Aber sie führt uns auch wieder weg von der üblichen Folklore. An Weinfeldern und blühendem Ginster vorbei, an duftenden Linden und voll behängten Kirschbäumen. Auf einsame Pässe. Durch enge Flusstäler. Über morsche Brücken. So viele verschiedene Welten in einer Gegend.

Radfahrer-Picknick mit Schinken, Melone und Käse

Jeden Morgen das gleiche Ritual: Wir kaufen fürs Picknick ein, auf Märkten, in kleinen Lebensmittelläden, Bäckereien; wir wissen ja nie, wo wir mittags sein werden, Einöde oder Zivilisation - und laufen Gefahr, unsere Rucksäcke zu mobilen Speisekammern zu machen. Was wir spätestens am Berg bedauern würden. Auch in Buis-les-Baronnies werden wir schwach: Auf dem Marktplatz zwischen alten Arkaden kaufen wir Tomaten-Tapenade, Salami, eingelegte Oliven, Kräuterbrot, Ziegenkäse, Melone. Und mit den Augen allerdings noch viel mehr.

Was für ein Name...

Bio-Bäuerin Isabelle Bentempelli

Bio-Bäuerin Isabelle Bentempelli

...: Isabelle Bontempelli. Sie ist bekannt in Buis, wir haben beim Abendessen schon von ihr gehört. Ein Paradiesvogel inmitten der alteingesessenen Marktverkäufer. Bio-Bäuerin, ehemals Sängerin und Tänzerin in Paris, ihr Stand ist gegenüber vom Brunnen. Sie hat ein schönes Gesicht, einen mädchenhaften Körper und macht viele Gesten, der Markt ist ihre Bühne. "Alles bio", sagt sie fröhlich und zeigt auf ihre Auslage: Olivenöl, Aprikosenmarmelade, Lindenblüten - getrocknet, aus dem eigenen Garten, für Kräutertee. "Kommen Sie doch nachher mit, ich zeige Ihnen, wie das geht." Dann erzählt sie, wie sie zu ihrem Namen kam: Ihr Mann, Komponist, ist italienischer Abstammung. Sie hat ihn in Paris am Theater kennen gelernt. Später zog das Paar in die Provence - ihre Kinder sollten in der Natur aufwachsen.

Mittagszeit, der Markt ist vorbei. Isabelle fährt mit ihrer 25 Jahre alten Ente vor, es gibt nur einen Sitz, den Fahrersitz, ein kleiner schwarzer Hund liegt auf dem Boden. Wir nehmen unsere Räder und folgen ihr auf Schotterwegen. Schließlich stoppt die Ente vor einem einfachen Landhaus, unterhalb des mächtigen Felsens Saint Julien. Isabelle führt uns zu ihrer Terrasse, die ganz mit Lindenzweigen bedeckt ist. Sie lacht und wirft ein paar davon in die Luft, Blätter lösen sich, schweben wie kleine Fallschirme zu Boden und füllen die Luft mit einem betörenden Duft. Die dunklen Blätter sind ungenießbar, erklärt sie, nur die hellgrünen Blätter und die Blüten kann man für den Tee verwenden. "Ich lege sie auf meinem Dachboden drei bis vier Tage zum Trocknen." Sie führt uns auf den dunklen Dachboden - überall Lindenblätter. "Man muss sie hin und wieder wenden, wie einen Braten. Nur Licht mögen sie nicht." Zum Abschied gibt sie uns zwei Beutel davon mit. Jeden Abend sollen wir die Blätter im Hotelzimmer zum Trocknen auslegen und morgens wieder einsammeln. Am Ende der Reise sei der Tee fertig. Was wiegen schon ein paar Lindenblätter?

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  • BRIGITTE 12/10 Fotos: Brita Sönnichsen
    Karte: Gisela Goppel
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