BRIGITTE-Radtour
Radtour Italien-Kroatien: Volle Fahrt ins Glück

  • 11 Kommentare
  •  
  •  
In diesem Artikel:

Später strampele ich dann wirklich steil nach oben. Auf der Etappe von Grado nach Triest steigt die Straße plötzlich fies an, wir sind in den Ausläufern der Julischen Alpen. Es geht immer höher, ich werde langsamer und beneide die Rennradfahrer, die ohne Gepäck an uns vorbeiziehen. "Avanti", ruft ein Rennradfahrer, "hinter Sistiana könnt ihr wieder loszischen!" Ich mag solche Durchhalteparolen. Vor allem, wenn sie stimmen. Diese geht in Ordnung. Die Küstenstraße nach Triest ist eine der schönsten Italiens, und ich bin schnell versöhnt. Rechts, tief unten, das Meer, links steile Felsen, der Fahrtwind kühlt angenehm. Es ist grandios, zwischen Bergen und Wasser abwärts zu sausen, irgendwann werde ich anfangen zu fliegen. Und dann vielleicht auf der Piazza dell'Unità in Triest landen.

Eine Radtour, viele Landschaften: wunderschön die grünen Hügel Kroatiens, einladend die kilometerlangen italienischen Adriastrände wie hier im Badeort Grado

Eine Radtour, viele Landschaften: wunderschön die grünen Hügel Kroatiens, einladend die kilometerlangen italienischen Adriastrände wie hier im Badeort Grado

Keine Radwege und viel Verkehr - in Triest bleibt mein Rad im Hotel. Einmal kein Sattel unterm Po, ein ungewohntes Gefühl. Nicht gerade unangenehm. Dafür sitze ich stundenlang auf Hockern, Stühlen, Sofas. Warum? Weil es in Triest so viele wunderschöne Cafés gibt. Die Stadt hat eine große Kaffeehauskultur, ein bisschen wienerisch. Eines der schönsten ist das "Antico Caffè Torinese" am Corso Italia, klein und fast 100 Jahre alt: Vitrinen mit edlen Weinen, ein großer Kronleuchter unter der Decke. Nico Manola, der Besitzer, sagt, fast alle Triestiner seien süchtig nach "caffè". Als er klein war, hatte er oft den Duft des Kaffees in der Nase - die Röstereien befanden sich mitten im Zentrum, erzählt er, jetzt sind die meisten außerhalb der Stadt. Oft durfte er als Kind die Cappuccino-Tassen seiner Eltern "ausputzen" und den Schaum aufschlecken, so etwas prägt fürs Leben. Wir lassen uns in Triest einfach treiben, um am Ende immer wieder in einem Café zu landen. Cappuccino, Espresso, Caffè macchiato und viele Schokoladen-Pralinés dazu. Ein Schlaraffenland voller Koffein und Zucker. Und mein Rad muss etwas mehr Gewicht aushalten.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. ...
  7. 7
  • Text: Franziska Wolffheim; Fotos: Christina Körte
    BRIGITTE Heft 12/2012
  • 11 Kommentare
  •  
  •  
Sie interessieren sich für unsere Themen? Kostenlosen Newsletter bestellen