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Hier strandet man gern: Wohlenberg an der Ostsee
Verdammt! Ich kriege sie nicht. So kräftig ich auch in die Pedale trete: Die Straße steigt fies an, der Norden Deutschlands ist längst nicht so platt, wie immer behauptet wird. Am liebsten würde ich eine der Gepäcktaschen abwerfen, in denen alles steckt, was ich in den nächsten sechs Tagen brauche. Jetzt geht die Landstraße bergab, ich bekomme Tempo - und endlich habe ich sie eingeholt, drei Radler, ein junges Paar mit ihrem Sohn. "Können wir helfen?" Ja: Wo bin ich? Hegenholz, Grünholz, Holzschicht. Ich habe mich verfahren. "Wohin wollen Sie denn?" Eckernförde. "Weiter nicht?" Na ja: Eckernförde, Kieler Bucht, Schönberger Strand, Selent, Eutin, Lübecker Bucht, Travemünde, Boltenhagen, Wismar - 310 Kilometer insgesamt. Gestartet bin ich in Flensburg, kurz vor der dänischen Grenze. "Ach so."
In reinstem Schwarzwald-Dialekt erklärt mir die Frau den Weg. Dreimal im Jahr kommt die Familie in den hohen Norden und wohnt im eigenen Campingwagen. "Wissen Sie, was ich hier so mag? Bei uns nehmen die Leute die Schönheit der Gegend ganz selbstverständlich, als hätten sie Anspruch darauf. An der Ostsee sagen die Einheimischen: Hier ist zwar häufig Schietwetter, aber dafür haben wir mit allem anderen Glück: dem Meer, dem frischen Fisch und der klaren Luft, man braucht nur den Mund aufzumachen, dann hat man sie."
Häuserfassaden in Flensburg
Stimmt, ich habe in diesen sechs Tagen von Flensburg bis Wismar das Gefühl, so viel Sauerstoff zu inhalieren wie sonst das ganze Jahr über nicht. Und dann ist da noch der Wind. Manchmal bläst er mir so heftig entgegen, dass ich trotz Beingekurbel glaube, auf der Stelle zu stehen. Dann aber schiebt er mich sanft vorwärts, und ich fühle mich wie auf einem Segelschiff, muss nichts tun, darf einfach gleiten und schauen. Z. B. zu den Kite-Surfern, die in einem Höllentempo über das Meer rauschen und zwischendurch wilde Luftsprünge machen.














