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Sie sitzen da, mitten auf dem Radweg. Die Isomatte ausgebreitet, Stützkissen im Rücken, Schuhe ordentlich zur Seite gestellt: Lli, koreanische Krankenschwester aus Heilbronn, und ihre Freundin aus Kalifornien. Mit Stäbchen in der Hand tauchen sie Sushi in Sojasoße, kichern wie junge Mädchen. "Komm, du musst probieren", sagt Lli, als ich anhalte, und reicht mir mit Stäbchen ein Sushi. "Wir wollen nach Neuschwanstein. Aber da ist so viel los, wir müssen warten."
Anke Dörrzapf fuhr von Kempten nach Rosenheim
Neuschwanstein, ausgerechnet: Busparkplätze, Souvenirshops, Filzhüte. Eigentlich war ich gerade dabei, den Umweg von Füssen Richtung Kitsch-Schloss wegen des Trubels zu bereuen. Doch dann sitzen da Lli und ihre Freundin und füttern mich. Zwei Tage zuvor bin ich in Kempten losgefahren: Ich habe mein Rad durch Gassen geschoben, vorbei an verschnörkelten Rokokofassaden und Patrizierhäusern, bin über Hügel geradelt, an Weiden mit graubraunen Allgäuer Kühen vorbei. Bin durch den stillen Kempter Wald gefahren, habe frisch geschnittenes Holz und das nasse Moos gerochen, die Grillen auf der Lichtung gehört. Ich bin durch Dörfer gefahren, die Betzenried heißen oder Guggemoos.
260 Kilometer lang ist die Strecke von Kempten nach Rosenheim insgesamt: von der Residenzstadt im Ostallgäu über Nesselwang, Füssen, vorbei an Forggensee, Bannwaldsee und Wieskirche, am Staffelsee weiter nach Murnau, Kochel, Benediktbeuern, Bad Tölz, Tegernsee und Schliersee bis ins Inntal. Meist bin ich auf dem Bodensee-Königssee-Radweg unterwegs, am Alpenrand entlang, auf etwa 500 bis 1000 Meter Höhe, leichte Hügel rauf und runter. Manchmal, zum Beispiel bei Nesselwang, muss ich aber auch mein Rad ein steiles Stück hochschieben. Die Straßen sind fast immer weit weg, ich radle auf Forstwegen und geteerten Feldwegen.
Sommerglück in Bayern: auf den Kochelsee schauen ...
... oder Rast machen im Grünen - im Wald von Unternogg.
Tegernsee: Vieles sieht noch so aus wie zu Lud-wig Ganghofers Zeiten.















Trotzdem - tolle Beschreibung macht Lust, den Drahtesel zu satteln