Berlin im Sommer: Stadt, Strand, Fluss

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BRIGITTE WOMAN-Autorin Regina Kramer mag Berlins ruhige Plätze an der Spree.

BRIGITTE WOMAN-Autorin Regina Kramer mag Berlins ruhige Plätze an der Spree.

In, an und auf Berlins Gewässern fühlt man den Sommer auf der Haut. Zum Beispiel beim Segeln auf dem Wannsee. Oder Kanu fahrend auf dem Teltower Kanal. Oder beim Picknick mit der Familie am Müggelsee. Frischen Fisch dafür kann man sogar selbst aus dem Wasser angeln; in der Spree beispielsweise leben Brasse, Plötze, Zander und Ukelei. Und wer sich selbst wie ein Fisch im Wasser fühlen möchte, kann auf der Spree schwimmen: Gegenüber von Friedrichshain liegt ein beheiztes Badeschiff. Das Becken ist ein wenig schmal, aber der Blick auf die Oberbaumbrücke und den Fernsehturm genial weit.

Jeder hat seine Lieblingsplätze, manchmal, weil sie so schön sind, manchmal, weil etwas Besonderes da passiert ist. Mein Lieblingsplatz ist an der Moabiter Brücke. Da stand ich in einem extrem kalten Januar und habe der Spree beim Erfrieren zugeschaut. Die Eisschollen knirschten, kein Schiff konnte mehr fahren, die Bäume am Ufer waren erstarrt, der Fluss so weiß wie der Himmel. Vielleicht wird die Spree nie wieder so aussehen, weil es nie wieder so kalt werden wird. Aber selbst an einem Sommerabend wie heute erinnere ich mich immer an dieses Bild, wenn ich auf dieser Brücke stehe.

Ich habe die Baseballkappe vergessen. Die Sonne steht so tief, dass ich nur noch blinzeln kann. Das ist ganz wunderbar. Es scheint, als führe ich mit dem Schiff mitten durch einen Wald aus Trauerweiden, alles andere verschwimmt, buchstäblich. Ich mache eine "Brückenfahrt" am Abend. Mehr als 1700 Brücken gibt es in Berlin, unter 64 müssen wir durch. Kopf einziehen, unbedingt sitzen bleiben. Bei Treptow biegen wir in den Landwehrkanal ein. Der wurde im 19. Jahrhundert gebaut, um die Spree zu entlasten. Über diesen ältesten Kanal der Stadt wurden die Materialien zum Aufbau Berlins herangeschafft. Heute ist Berlin immer noch nicht fertig, aber die Fahrt über den Landwehrkanal gehört zum Romantischsten, was man vom Wasser aus mitten in der Stadt erleben kann. Dicht am Ufer stehen riesige Pappeln, Weiden und Erlen. Was malerisch aussieht, ist leider ein Desaster: Fast elf Kilometer Ufer sind so marode, dass von den 3500 Bäumen etliche gefällt werden müssen. Also noch mal gut hinschauen.

Die Sonne ist schon weg. Am Ufer spielen Leute Schach und grillen. Dort trommelt einer, hier küssen sich zwei Mädchen. Eine Gruppe junger Männer tanzt. In der Dunkelheit sieht man weiße Zähne blitzen. Und das hier sollen die "Problembezirke" Kreuzberg und Neukölln sein? Wir fahren unter einer der schönsten Brücken durch, der schmiedeeisernen Admiralsbrücke. Darüber hängt ein schiefer Silbermond. Und plötzlich bin ich ganz gerührt. Berlin, sagt man, ist arm, aber sexy. Dynamisch und hart im Nehmen. Aber hier, vom Wasser aus, erlebe ich die Stadt, wie sie kein Prospekt beschreiben würde: sanft und mild.

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  • Text: Regina Kramer
    Fotos: Jens Rötzsch
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