Backpacking
China-Urlaub individuell - ab durchs "Reich der Mitte"

China-Urlaub individuell, geht das? BRIGITTE-Mitarbeiterin Elke Michel ist ohne Gruppe, ohne Sprachkenntnisse und ohne genauen Plan durch China gereist. Und erlebte ein einmaliges Abenteuer.

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In diesem Artikel:
Wo geht's zur Mao-Uni? Autorin Elke Michel versucht in Changsha die Orientierung zu finden

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Einmal sehen ist besser als hundertmal hören, lautet ein chinesisches Sprichwort. Da haben die Chinesen mal recht, denke ich, als die Fotografin Anna und ich oben auf dem Gelben Gebirge aus der Seilbahn klettern. Wer diesen Berg erklimme, so hatten wir gehört, der wolle nie mehr auf einen anderen - unzählige Künstler seien von ihm inspiriert worden. Nun sehen wir, warum: Ringsum fallen Granitwände steil nach unten ab, Steinsäulen ragen wie Türme aus Schluchten, Felsen formen Fabelwesen. Nebelfetzen tanzen wie Geister. Irgendwo sitzt ein Vogel, er zwitschert nicht, er flötet. Sind wir jetzt schon im Himmel? Wenn ja, ist er gut erschlossen. Auf Plattenwegen und Steintreppen wandern wir los, um das Jenseits zu erkunden. Immer wieder tun sich neue Ausblicke auf, und wir können nicht anders, als "Guck mal! Da!" zu rufen. Weil ein riesiger Stein auf einem Vorsprung balanciert, als sei er herbeigeflogen und lege nur eine Verschnaufpause ein.

Licht und Farbe Typisch chinesisch: die bunten Lampions, die diese Einkaufsstraße in der Millionenstadt Wuxi schmücken

Licht und Farbe
Typisch chinesisch: die bunten Lampions, die diese Einkaufsstraße in der Millionenstadt Wuxi schmücken

Weil eine Kiefer mit schrägem Stamm alle Äste zu einer Seite hängen lässt und einer riesigen Harfe ähnelt. Der Himmel ist hervorragend ausgeschildert - vom "Affen, der das Meer betrachtet" kann man zum "Gipfel des beginnenden Glaubens" spazieren. Am "Pavillon, der die Wolken vertreibt" setzten wir uns auf den Boden und blicken in ein Tal. Unten schwappt der Nebel wie ein Meer mit eigenen Gezeiten, Wolkenebbe, Flut und wieder Ebbe; und je nach Stand ragen Felsspitzen aus dem Weiß wie Inseln. Ich sehe den Nebelschwaden zu, puste manchmal unwillkürlich, als könnte ich sie lenken, träume vom Wolken-Dirigieren. Im Grunde ist unsere ganze Reise wie eine Wanderung im Nebel: Vieles bleibt verschwommen, weil wir die Sprache nicht verstehen. Bisweilen verirren wir uns. Und aus Bruchstücken, die wir erhaschen, setzt sich nach und nach ein Bild zusammen: sicherlich verzerrt, manchmal überromantisch. Und geheimnisvoll berückend.

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  • Text: Elke Michel
    Fotos: Anna Mutter
    Illustration: Fiete Koch
    BRIGITTE Heft 23/2012
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