Korfu mit Kind

  • 0 Kommentare
  •  
  •  
In diesem Artikel:

Am nächsten Morgen bin ich krank, mit Hals- und Gliederschmerzen. Ich habe Glück, Fred ist artig, außerdem gibt es heute drei Stunden Kinderbetreuung, wo er aus selbst gesammeltem Strandgut einen kleinen Esel zusammenkleistert und mit blauem Glitter anpinselt. Danach tobt er wieder mit Alina durchs Gelände und lässt sich nur ab und zu blicken, um zu sehen, ob ich noch da bin. Danke, Fred, dass du mich liegen und lesen lässt!

In der Nacht verheddert sich Fred im Moskitonetz, reißt es von der Decke und ein Loch hinein. Ich durchwühle schlaftrunken meinen Kulturbeutel und klebe das Loch mit einem Pflaster zu. Nur schnell wieder die Augen zumachen und die Halsschmerzen vergessen! Es klappt nicht.

Denn obwohl wir im Grünen wohnen, ist es hier viel lauter als mitten in Hamburg - sobald sich die Umrisse der Hügel am blassen Himmel abzeichnen, hebt draußen die Symphonie der Tiere an: Spatzen und Schwalben tschilpen, als ginge es um ihr Leben, Hühner gackern Intermezzi, Hunde, Frösche und Schafe verpassen ihren Einsatz nie. Nur die Graugans krächzt unmotiviert dazwischen. Die Grillen haben jetzt keine Chance, erst viel später am Tag, wenn Menschen und Tiere die brütende Mittagshitze wegruhen, hört man ihr rhythmisches Konzert.

Esel Paul und der Bollerwagen

Esel Paul und der Bollerwagen

Und dann ist da noch das heisere "I-Aaa!" von Esel Paul, dem Liebling aller Kinder hier. Fred nennt ihn hartnäckig "Powell", als hätte er es mit dem ehemaligen amerikanischen Außenminister zu tun. Mit einer Eselsgeduld erträgt das Tier die Kinder, die ihn mit Fingern pieken, ihm vertrocknete Blumen unter die Nüstern halten oder vor den Bollerwagen spannen. Noah und Fred schlingen das Seil dabei so oft um "Powells" Beine, dass der sich kaum mehr rühren kann, selbst wenn er wollte. Die Jungs geben frustriert auf, als Paul sich trotz martialischen Gebrülls weigert, den Wagen mit den beiden Quälgeistern zu ziehen.

Dimitri und Fred füttern die Schafe

Dimitri und Fred füttern die Schafe

Weil ich am Morgen noch schlapp bin, gehen wir nicht zum Strand. Fred und ich streifen durch den Garten, und als wir durch Dimitris Hühnerzaun gucken, lädt er uns in sein Tierreich ein. Wir können uns nicht mit Worten verständigen, kompensieren mit hilflosen, höflichen Gesten. Dimitri wohnt mit seiner Frau unten im Haus, abends grillt er Hühner für die Gäste oder backt im Holzofen Moussaka. Er öffnet das Gartentor und zeigt uns seine frisch geschlüpften Küken, pflückt Blätter vom Maulbeerbaum und drückt sie Fred aufmunternd in die Hand, damit er sie den Schafen gibt. Der Alte schnappt sich eine Leiter und klettert auf jeden einzelnen Baum, der Früchte trägt, und drückt Fred leckere Beute in die Hand: Pflaumen, Maulbeeren, Orangen, Kirschen, Aprikosen und zum Schluss noch zwei Eier aus dem Hühnerstall. Das wird unser Mittagessen: Ich koche die Eier hart und schnipple das Obst. Mehr brauchen wir bei der Hitze nicht.

Einsame Bucht bei Agios Georgios

Einsame Bucht bei Agios Georgios

Am letzten Tag fahren wir noch mit ein paar Familien im Motorboot an eine einsame Bucht mit glasklarem Wasser und grillen Schafskäse und Würstchen am Strand, die Fred gierig mit Schwimmflügeln an den Armen verspeist. Die weiße Felswand, die hinter uns hochragt, spendet bis 14 Uhr Schatten - danach tuckern wir wieder zurück in die kühlenden Studios.

Und dann geht's schon wieder ans Packen. Schade. Die drei Bücher, die ich in den zwei Wochen gelesen habe, lasse ich für die nächsten Gäste hier. So viel in so kurzer Zeit habe ich seit Freds Geburt nicht mehr geschafft. Es war richtiger Urlaub - auch allein mit Kind.

  • Text & Fotos: Susanne Arndt
Letzte Kommentare
  • Noch kein Kommentar vorhanden. Möchten Sie einen Kommentar schreiben? Das können Sie im Eingabefeld unten.
Kommentar schreiben
Wird nicht angezeigt.
Unter diesem Namen erscheint Ihr Kommentar
Bitte schreiben Sie den Sicherheitscode ab * Andere Zeichenfolge
noch 1000 Zeichen übrig!
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder, alle anderen sind optional.
BRIGITTE im ABO