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Die Entscheidung
Schafe, die einzigen Gipfelbewohner
Wie wir auf diese Idee gekommen sind, wissen wir hinterher auch nicht mehr. Natürlich hätten wir drei Freundinnen nach Sylt fahren können, ins Vier-Sterne-Hotel. Oder zur Ayurveda-Kur nach Bali. Ein bisschen Wellness, ein bisschen Meer und abends drei Gänge à la carte. Wir entscheiden uns für Kärnten: Wandern im Nationalpark Hohe Tauern - dutzende Wanderwege von ganz leicht bis ziemlich schwer, 266 Berge über 3000 Meter, mittendrin der Großglockner, Österreichs höchster Berg - die richtige Mischung aus Naturerleben, frischer Luft und Herausforderung.
Okay, wir alle drei verfügen über sehr rudimentäre Wandererfahrung, aber immerhin sind wir fit: Conny, 31, Ex-Weltmeisterin im Achter-Rudern, Kathrin, 31, Marathon-Teilnehmerin, ich, 35, regelmäßige Joggerin. Was jedes Jahr tausende von Rentnern schaffen, sollte auch für uns kein Problem sein. Wir besorgen uns neue Wanderstiefel und planen eine Tour mit Hüttenübernachtung - Kategorie mittelschwer bis leicht - in Begleitung eines Profi-Bergführers. Theoretisch sind wir vorbereitet.
Überraschungen
Ein Bergführer ist ein Bär. Mindestgröße 1,90, breite Schultern, mächtige Arme, Beine wie Baumstämme. Dachten wir. Der Mann, der sich im Hotel "Schlosswirt" beim Abendessen an unseren Tisch setzt, um uns zu begrüßen, ist vielleicht 1,80, schmächtig, dünn. Er heißt Anton "Toni" Sauper und ist der Hotelbesitzer. Und unser Bergführer. Gemeinschaftsgedanke von uns dreien: "Wie kommt dieser Mann einen Berg hoch?" Schneller als die Ziegen vom Geißen-Peter aus "Heidi", wie wir in den nächsten Tagen feststellen werden.
Die zweite Überraschung: Dem Toni ist unsere Wunsch-Tour zu langweilig. Ein bisschen die Großglockner-Erstbesteigerroute entlang bis auf 2700 Meter findet er eher läppisch: "Da ist ja kein Gipfel dabei." Der Keeskopf dagegen, der sei genau das Richtige für uns, ein 3000er im Gradental. Irgendwie scheint unser Gesichtsausdruck ein leicht panischer zu werden, Toni versichert sofort, diese Tour sei "locker zu schaffen", er habe sie zum ersten Mal mit vier Jahren gemacht. Na prima, Nein sagen kommt da wohl nicht in Frage - wie peinlich wäre es, gegen einen Vierjährigen zu verlieren? Wir sind ein bisschen beunruhigt.
Fragen ohne Antworten
Zwischendurch eine grüne Alm
Wie verabredet stehen wir drei am nächsten Tag um zehn in der Hotellobby. Conny hat sich bei der Kleiderwahl für auffälliges Neonorange entschieden: "Damit ihr mich besser seht, wenn ich in eine Schlucht gestürzt bin." Mit dem Auto fahren wir ins Gradental auf 1650 Meter Höhe. Klingt gut, weil wir nicht ganz unten anfangen müssen, bedeutet aber trotzdem 800 Höhenmeter am ersten Tag, bis zur Nossberger Hütte, auf der wir heute übernachten werden. "Aufi geht's", ruft der Toni. "Aufi" ist Österreichisch für "nach oben", "obi" sagt man, wenn es wieder runter geht.
Jetzt geht es erst mal bergauf. Durch Pinzgauer Kuhherden und Kiefernwälder - die Landschaft sieht aus wie in einem Märchenwald. Das Moos ist grüner als Waldmeisterbrause, der Himmel blauer als in jedem Reiseprospekt, die Luft hat fast Geschmack. Toni erzählt, dass man hier Teile von "Sieben Jahre Tibet" mit Brad Pitt gedreht hat, weil's hier ein bisschen so aussieht wie da. Je höher wir kommen, desto geringer wird unser Bedürfnis zu sprechen. Erstens, weil es so wunderschön hier ist. Zweitens, weil wir außer "Ich kann nicht mehr" nicht viel zu sagen hätten.












