Trekkingtour am Großglockner
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Allein mit dem Berg
Zwischen den Gipfeln der Schobergruppe hängt dünner Nebel, darüber scheint die Sonne. Es sieht aus, als seien die Berge in Wasser getaucht. Und wir können den Keeskopf sehen - absurd weit weg. "Heute haben wir den Berg für uns", ruft der Toni. "Wie schön", sagt Conny, "dann findet uns keiner, wenn wir einen spontanen Anfall von Fallsucht haben." Komischerweise tun uns die Beine beim Aufstieg überhaupt nicht weh, und wir kommen uns langsam vor wie Profis. Wir vertrauen unseren Sohlen, obwohl es immer steiler und vor allem felsiger wird. Es gibt kaum noch Pflanzen, nur noch nackten Stein, rein vegetationsmäßig wandern wir von der Taiga durch die Tundra bis nach Grönland. Wer kann das schon von sich behaupten? Der Nebel kriecht uns hinterher, und eine Zeit lang sieht es so aus, als müssten wir ganz ohne Sicht weiterwandern, aber irgendwann bleibt er zurück. Entweder ist der Nebel nachsichtig, oder wir sind einfach schneller.
Die drei auf dem Gipfel
Uns fehlen noch 281 Höhenmeter bis zum Gipfel. Und eine Taktik, mit der man die aufsteigende Angst in den Griff bekommt. In uns herrscht eine Mischung aus Verzweiflung und Aufregung. Was, wenn Toni sich vertan hat und wir doch nicht fit genug sind? Beobachtet von ein paar Schafen (wie sind die hier hochgekommen?) klettern wir zwischen ein paar Felsbrocken durch, und plötzlich schreit Conny: "Wir sind oben!" In diesem Moment sehen wir das Gipfelkreuz von der Sonne angestrahlt. Höher geht's nicht. Toni fällt uns um den Hals und sagt: "Willkommen im Club der 3000er." Wir umarmen uns und müssen heulen. Wir sind so stolz auf uns ...
Um uns herum ist nichts. Nur klare Luft und die anderen Berggipfel. Nichts zum Festhalten, nichts zum Anlehnen, keine Straße, die auf der anderen Seite runtergeht. Wir tragen uns ins Gipfelbuch ein, das in einem Briefkasten am Gipfelkreuz liegt, setzen uns, essen die letzten Powerriegel und hören der unglaublichen Stille zu.
"Natürlich schaffst du das nicht"
Wenn wir gedacht hatten, das Schlimmste sei vorbei, haben wir uns getäuscht. Rauf ist anstrengend, runter ist die Hölle. Weil man sieht, wie tief man im Zweifelsfall fällt. Über jeden Schritt denken wir fünfmal nach, an den schlimmsten Stellen setzen wir uns einfach auf den Hintern und rutschen nach unten. Ich bin mir sicher: "Ich komm hier nie mehr runter." - "Natürlich", sagt Toni, "das schaffst du genauso wenig, wie du hochgekommen bist." Irgendwie sind wir dann plötzlich wieder auf 2700 Metern. Ohne größere Schäden. Endlich wieder sicher. Kathrin lässt sich an einem Wasserfall von Toni schnell noch mal abseilen. 100 Meter tief, einfach "weil ich Bock drauf hab". Conny und ich haben keinen Bock. Weil man für 100 Meter abseilen auch 100 Meter hochsteigen muss. Wir träumen von Kaffee und Kuchen in der Hütte.
Nachdem wir dem Keeskopf einen letzten Blick zugeworfen haben, steigen wir ins Tal hinunter. Sechs Stunden bergab. Schlechte Laune macht sich breit, weil wir müde sind, weil wir immer öfter danebentreten, weil unsere Beine wie Gummi sind. Ich will endlich mal wieder was anderes sehen als Berge. Als es schon dunkel wird, erreichen wir Tonis Hütte, wo wir gestern unser Auto abgestellt haben. Tonis Vater und sein Sohn haben Gemüsesuppe für uns gekocht: dick, heiß, fettig und eindeutig stimmungsaufhellend. Etwas später im Hotel setzt dann plötzlich Euphorie ein. Ehemänner, Freundinnen, Eltern, Geschwister - müssen alle angerufen werden. "Wir waren auf dem Berg." Und duschen ist wie neugeboren werden.
Blasenbilanz
Der nächste Tag ist Ruhetag. Wir müssen insgesamt acht Blasen, eine blutige Zehe und drei schmerzende Arme versorgen. Wir gehen schwimmen, in die Sauna, legen uns im Garten in die Sonne. Wenn wir überhaupt sprechen, dann nur, um uns zu erinnern, was für Heldinnen wir sind. Am Nachmittag lädt uns Toni ein ins Almgasthaus "Glocknerblick". Wir essen Graukaas, trinken frische Buttermilch und wandern ein bisschen vor uns hin. Auslaufen sozusagen. Von weitem können wir den Großglockner sehen. Er ist schneebedeckt und gewaltig und sieht unbezwingbar aus. Conny, Kathrin und ich gucken uns an.













