- In diesem Artikel:
Erleben
Wo Sie die Bauernwelt und Kultur der Südtiroler
kennen lernen
Ultental: Wie in alten Zeiten
Ein stilles, lang vergessenes Tal ist das Ultental. Steil fallen seine Wiesenhänge ab. Jahrhundertealte Bergbauernhöfe krallen sich darin fest. Doch das Bergbauernleben ist hart, und viele Ultener ziehen weg von hier. Die, die hier bleiben, kann man unterstützen, indem man sie auf den Höfen besucht und die traditionell von ihnen hergestellten Produkte kauft: Butter oder Wolle, Filzarbeiten oder Gewürze. Viele Ultener Bauernprodukte kann man außerdem bei Traudl Schwienbacher kaufen; im obersten Stock ihres Erbhofes in St. Walburg gibt es Handgewebtes, Naturkosmetik und pflanzengefärbte Wolle (Wegleithof, Tel. 04 73/79 53 86, Dienstag und Donnerstag 16 bis 18 Uhr). Wer danach nicht mehr weiterfahren mag, übernachtet im Gasthof Eggwirt in St. Walburg, einer soliden, gutbürgerlichen Adresse mit Charme
und Geschichte (I-39016 St. Walburg,
Tel. 04 73/79 53 19, Fax 79 54 71, www.eggwirt.it, HP ab 39 Euro). Info und
die Broschüre "Lebenswertes Ulten" mit
den Adressen der Bergbauernhöfe erhältlich im Tourismusbüro (I-39016 St. Walburg, Tel. 04 73/79 53 87, Fax 79 50 49, www.ultental.it), Karte Nr. 17
Pflegerhof: Rein biologisch
Was duftende Kräuter anbelangt, so hatte Martha Mulser einfach den richtigen Riecher. Vor 20 Jahren, als man in Italien das Wort "biologisch" noch kaum zu buchstabieren wusste, fing sie bereits an, auf ihren Wiesen unterhalb von Seis am Schlern, gleich neben der Burgruine Aichach, in biologischem Anbau Kräuter und Gewürze anzupflanzen. Heute wachsen auf 7000 Quadratmetern knapp 80 verschiedene Heil- und Würzkräuter, darunter so kuriose Gewächse wie Frauenhaar und Winterheckenzwiebel. Man kann sie im Topf kaufen oder getrocknet, gemischt und abgepackt, z. B. als "Gute-Laune-
Tee" (Goldkerze, Himbeerblätter, Zitronengoldmelisse) oder als erfrischenden
"Hexenzauber" (Kastanienblüten, Pfefferminze, Brombeerblätter). (St. Oswald bei
Seis am Schlern, Tel. 04 71/70 67 71, www.pflegerhof.com), Karte Nr. 18
Archeopark Schnalstal: Ötzi und seine Zeit
Was Ötzi als letztes gegessen hat, wohin er unterwegs war, woran er gestorben ist, weiß heute praktisch jeder. Denn der Mann aus dem Eis, dessen mumifizierte Reste im Bozener Archäologiemuseum zu besichtigen sind, ist bestens erforscht. Doch wer weiß, wie die Menschen in der Jungsteinzeit lebten? Im
Archeopark im Schnalstal kann man es sogar ausprobieren. Zwischen Holzhäusern, Anpflanzungen alter Getreidesorten und einem Lehmkuppelofen kann man bogenschießen, Wolle zu Filz walken und Roggenbrot backen. (Madonna di Sennales 163 in
Schnals, Tel. 04 73/67 60 20, www.archeoparc.it; Eintritt 8 Euro, 10 bis 18 Uhr, Montag geschlossen), Karte Nr. 19
Adolf Vallazza: Ein Meister der Schlichtheit
Ungefähr 1800 Grödner arbeiten in Holzschnitzereien. Die Branche hat Tradition hier, schon im 17. Jahrhundert exportierte die ladinische Bevölkerung des Dolomitentales ihre Heiligenfiguren bis nach Verona. Auch Adolf Vallazza hat mit Madonnen und Kreuzwegen angefangen, doch nicht die haben den 79-Jährigen zu einem der bedeutendsten Künstler Südtirols gemacht. Richtig auf ihn aufmerksam wurde die Kunstwelt erst, als er anfing, abstrakte Plastiken aus Bohlen und Balken zu zimmern. Faszinierende Kunstwerke, die Kritiker zu seitenlangen Elogen hinreißen. Adolf Vallazza ist ruhig, bescheiden und freundlich geblieben. Und wenn man sich vorher anmeldet, darf man ihn in seinem Atelier
besuchen. (Via Sotria 6, St. Ulrich, Tel. 04 71/
79 64 70), Karte Nr. 20
Museum Ladin: Langeweile ausgeschlossen
Am besten gefiel uns das kleine Theaterstück, in dem die Geschichte des Gran Bracul erzählt wird, des Gadertaler Edelmannes, der den Drachen tötete und am Ende selbst gemeuchelt wurde. Dargestellt von Schattenfiguren, schaurig-schön und gleichzeitig so komisch, dass wir vor Lachen fast von der Bank fielen. So soll es sein im Museum, so lernen wir gern etwas über die Geschichte und Kultur der Ladiner, jener dritten Südtiroler Bevölkerungsgruppe, die in fünf Dolomitentälern zu hause ist und sich bis heute ihre direkt vom Latein abstammende Sprache bewahrt hat. Wer sich hier langweilt, dem ist wirklich nicht zu helfen. (St. Martin in Thurn/Gadertal, Tel. 04 74/ 52 40 20, www.museumladin.it; Ostern bis Oktober Dienstag bis Samstag 10 bis 18 Uhr, Sonntag 14 bis 18 Uhr, November geschlossen, Dezember bis Ostern Mittwoch, Donnerstag und Freitag 14 bis 18 Uhr,
Eintritt 5,50 Euro), Karte Nr. 21
Einkaufen in Bozen: Mode, Wein und tolle Schuhe
Früher liefen Einkaufsbesuche in Bozen immer gleich fade ab. Erst waren wir gezwungen, das Auto in Ermangelung an Parkplätzen in abseitigen Vororten abzustellen. Nach längerem Fußmarsch trafen wir dann auf dem berühmten Obstmarkt ein, wo wir im touristischen Gedrängel die bunt leuchtenden Obst- und Gemüsestände bestaunten. Am Schluss kauften wir ein Kilo Äpfel oder Weintrauben, als Wegzehrung für den Rückweg zum Auto. Viel mehr war nicht drin in Bozen. Früher. Jetzt hat Bozen eine Universität, immer mehr junge Leute laufen durch die alten Gassen, die ganze Stadt ist bunter und spannender geworden. Heute parken wir gleich unter dem Waltherplatz, leihen uns beim kommunalen Fahrradverleih (Bahnhofsallee) gratis ein Rad und erkunden erst mal die Rauschertorgasse, wo wir uns
bei Rossobordeaux (Nr. 13) an Taschen, Tüchern und Schuhen in den schönsten Farben berauschen. Schräg gegenüber gibt's im Tonhaus (Nr. 28) originelle Gebrauchskeramik von unterschiedlichen Künstlern und nebenan bei Kreativ (Nr. 24) herrliche Drachen und wunderschöne Spielsachen. In der Museumsstr. 37 verkauft die Bozener Firma Thun ihre berühmten Weihnachtsengel. Wenige Häuser weiter erfreuen wir uns bei Bruschi (Museumsstr. 13) an italienischen Designerschuhen, die hier weniger kosten als daheim. Und auf dem Waltherplatz wird uns klar, dass Südtiroler Mode kein Synonym für Dirndl und Wolljanker sein muss: Bei De Call (Piazza Von der Vogelweide Walther, 10) verkauft die junge Meranerin Alexandra Stelzer ihre eigenen, elegant-femininen Damenkollektionen im Stil von Chanel und Escada. Was fehlt noch? Ach ja, der Wein. Damit decken wir uns beim Südtiroler Winzer-Guru Alois Lageder in der Vinotheque Lageder (Drususallee 122) oder in der charmanten Weinhandlung Enovit ein (Dr.-Streiter-Gasse 30). Karte Nr. 22
Buchtipp
Handliche Reiseführer mit vielen nützlichen Tipps: Dumont-Reisetaschenbuch "Südtirol" mit Stadtkarten und kleinem Atlas (12 Euro); "Südtirol für Insider" mit vielen Adressen vom Insider Oswald Stimpfl, einem gebürtigen Bozener (Folio Verlag, 17,80 Euro).
Telefon
Vorwahl für Italien: 00 39.
Info
Südtirol Marketing Gesellschaft, 39100
Bozen, Pfarrplatz 11, Tel. 04 71/99 99 99, Fax 99 99 00, www.suedtirol.info. Aktuelle Nachrichten über www.dolomiten.it.











