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Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Dafür war Brompton zu klein und zu klobig. Doch ich hatte keine große Wahl. Aber vielleicht sollte ich von vorn anfangen: wie es kommt, dass ich ausgerechnet mit einem quietschgrünen Klapprad namens Brompton durch den Hyde Park fahre, auf dem ich mir vorkomme wie ein Zirkusclown.
Gestern habe ich im "Lime Tree Hotel" eingecheckt, im vornehmen Stadtteil Belgravia. Mit dabei: mein Netbook. Dieser Computer ist klein und leicht wie eine Abendhandtasche, ideal, um unterwegs im Netz zu surfen. Und genauso will ich London entdecken: Meine Reiseführer sollen das World Wide Web und die Internetplattform "Virtual Tourist" sein. Die hat weltweit über eine Million Mitglieder, die regelmäßig Reiseerfahrungen austauschen; mehr als 13 000 leben in London. Müsste doch möglich sein, wenigstens ein oder zwei davon zu treffen. Deshalb habe ich eine Einladung unter der Rubrik "Meetings" veröffentlicht: "London: Wer hat Lust auf ein nettes Gespräch bei Bier oder Wein?" Ob jemand antwortet?
Gestern Nachmittag im Garten des Hotels: Bienen summen um die Rosenstöcke. Und ich plane den kommenden Tag, das Netbook auf dem Schoß. Erst einmal Fahrrad fahren und viel Grün sehen. Aber geht das in London, einer Stadt, die jeden Tag fast am Verkehrsinfarkt stirbt?
Ich rufe die Seite von Google Maps auf und wähle eine Satellitenansicht der Stadt. Das könnte hinhauen: eine Tour durch die Parks in der Innenstadt, dann mit der Bahn raus nach Kew Gardens und von dort an der Themse entlang. Die Botanischen Gärten liegen etwa 13 Kilometer vom Zentrum entfernt. Nun noch über die Suchmaschine einen Fahrradverleih finden. Der Fahrradladen Velorution ist in der Nähe.
So habe ich heute Morgen Mr. Andrea kennen gelernt. Allerdings vermietet er nur Klappräder. "Das Brompton ist das beste", sagte Mr. Andrea, der meinen kritischen Blick auf das merkwürdig zusammengefaltete Gefährt bemerkt hatte. "Das wird noch in England hergestellt. Und keins eignet sich besser für den Stadtverkehr."
Je länger ich durch den Hyde Park rolle, desto mehr wächst mir das Rad ans Herz. Es ist wendig und lässt sich trotz der kleinen Reifen mühelos fahren. Vielleicht setzt aber auch etwas ganz anderes die Glückshormone in mir frei: die Sonne, die sich silbrig im Serpentine-See bricht, die weiten Grasflächen, die Bäume und dieser unverwechselbare Geruch nach Sommer. Auf den Hyde Park folgt der Green Park. Und der Buckingham Palace, die offizielle Residenz von Queen Elizabeth II. Bei der U Bahn-Station Embankment gelingt es mir, das Rad wieder völlig zusammenzuklappen und einhändig durch die Schranke zu tragen. Zum Erstaunen einiger Touristen. Ich komme mir sehr professionell vor - und sehr britisch. Die nächste Circle Line fährt mich ratternd nach Kew Gardens.
Was für ein Ausblick! Ich gehe buchstäblich durch Baumkronen, schwindelerregende 18 Meter über der Erde, auf einem Rundgang aus Eisenplanken, dem "Tree Top Walk". Unter mir die Gartenanlagen von Kew. Das Palmenhaus blitzt strahlend weiß in der Sonne. Sonst schillert alles grün. Später, im Gewächshaus, überfliege ich Informationsschilder. Da steht zum Beispiel bei der Fuchsia exorticata, dass Maori-Jungfrauen einst aus den blauen Pollen Farbe gewonnen haben, um sich die Gesichter zu bemalen. Das weiß Wikipedia zum Beispiel nicht, stelle ich später fest.
Unterwegs zur Themse. Vorbei an einstöckigen Häusern, an Vorgärten voller Blumen. Ein Park, ein Pub, ein Schild, das vor Enten warnt, die die Straße kreuzen. Ist das noch London? Kilometerlang fahre ich am Fluss entlang, biege irgendwo falsch ab, verirre mich in einem Labyrinth von Gassen und Sackgassen. Keine Karte, kein Internet, kein GPS. Also nachfragen. Ein Radfahrer erklärt mir den Weg zu einer U-Bahn-Station, die mich wieder ins Zentrum bringt.













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