London günstig und spontan
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Weihrauchschwaden wabern durch die große Kirche, die im Stil der italienischen Renaissance erbaut ist, der Chor singt lateinische Hymnen - die Atmosphäre im Brompton Oratory ist nahezu himmlisch. Ein guter Start für diesen Sonntag, dem ich das Motto "very British" gegeben habe. Nach der Messe schnappe ich mir an der Station Knightsbridge einen Routemaster. Es gibt nur noch zwei Strecken, auf denen die alten Doppeldeckerbusse mit dem offenen Hintereingang fahren. London hat die Ikonen aus den 50er Jahren unter anderem abgeschafft, weil das Auf- und Abspringen zwischen den Stationen als zu gefährlich galt. Mit der Heritage Route 9 fahre ich vorbei an Glanz und Gloria der Stadt: an Harrods; dem Buckingham- Palast; dem Ritz; dem Traditionskaufhaus Fortnum & Mason, das seit 1707 für sein Angebot an Tee berühmt ist und für seine enge Beziehung zur königlichen Familie. Am Oxford Circus biegt der Bus in die Prachtstraße Regent Street ein; er kämpft sich durch den Stop-and-go- Verkehr am Piccadilly Circus bis zum Trafalgar Square, wo ein steinerner Lord Nelson in über 50 Meter Höhe an die ruhmreiche Schlacht im Jahr 1805 erinnert.
Ella Fitzgeralds Stimme hallt durch den Regent's Park: "I get a kick out of you . . . " Ich habe sie doch noch gefunden, die Swing-Tänzer. Sara hat mir nicht gesagt, wo genau im Park sie üben würden. Google sei Dank bin ich auf eine Internetseite gestoßen, die das heutige Treffen ankündigt - auf einer Wiese, zwischen zwei großen Bäumen, nahe des Bootshauses. Sara ist zwar nicht gekommen. Dafür treffe ich David, Mitte 70, mit Maßanzug und Krawatte. "Ich bin jedes Mal ganz gerührt, wenn ich Ella höre", sagt er. Dann schnappt er sich eine Frau, die rund 50 Jahre jünger ist als er und die ein Top und Armeehosen trägt. Und die beiden tanzen Swing, dass der Rasen wackelt. Beim nächsten Lied fordert mich eine Dame mit riesigem rotem Hut zum Tanz auf. Ihre Bewegungen sind fließend-elegant, meine ähneln abgehackten Verrenkungen. Trotzdem dankt sie mir nachher mit vollendet britischer Höflichkeit und macht mir sogar ein Kompliment für meinen "innovativen Stil".
Der Ober fährt mit beiden Händen mehrmals seinen Hals hinunter. Ich habe einen Tisch im "St. John" gebucht. Das Restaurant ist bei Londonern sehr beliebt, weil es sich die Neuentdeckung der englischen Küche auf die Fahnen geschrieben hat. Das Motto: "nose to tail eating", alles von der Nase bis zum Schwanz eines Tieres wird verwertet. Der Ober versucht mir klarzumachen, was sich hinter dem blumigen Namen "Sweetbreads" auf dem Menü verbirgt, und sagt zu seinen Bewegungen immer wieder das Wort "glands, glands". Ich verstehe überhaupt nichts, frage nur: "Ist das gut?" Der Ober nickt, und das Gericht schmeckt wirklich vorzüglich und passt gut zum trockenen Weißwein. Abends im Hotel bin ich doch neugierig, was ich gegessen habe. Vielleicht hätte ich dieses eine Mal mein Netbook nicht öffnen sollen. Die Suchmaschine verrät nämlich, dass es Schweinedrüsen waren.














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