Mallorca: Ringe selber schmieden

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So werden von nun an unsere Tage sein: Vormittags vertiefen wir uns in die Arbeit über den Werkbänken in Tassos kühlem Souterrain, stärken uns mittags im Patio seines Hauses an Paella und kaltem Weißwein, den uns Ulrike, seine Frau, serviert, und fahnden nachmittags auf eigenen Wegen nach Inspiration und Entspannung. Manchmal führt uns diese Suche auf den Wochenmarkt des Nachbarortes Capdepera, manchmal in die wunderbare Badebucht Cala Clara nahe Colonia de San Pedro, oft auch nur quer über die Terrasse, an den Pool unserer Finca. Die steht in Son Severa, ein paar Autominuten von Tassos Haus entfernt, am Ende eines einsamen Weges, hoch auf einem Hügel, davor das Meer. Über ihre Ecken und Erker klettert eine Bougainvillea mit rosa Blüten, im Stall hinterm Haus fläzen sich schwarze Ferkel an der Zitzenbrust ihrer Mutter. Hier sitzen wir vier Frauen - Elke, Christa, Barbara und ich - morgens unter stahlblauem Himmel, säbeln vom Serrano-Schinken und Pecorino-Käse dünne Scheiben ab. Hier amüsieren wir uns über das "Gecko-Ballett", das sich auf der Unterseite unseres Terrassendachs abspielt. Hier trinken wir bei Kerzenlicht einen Roten mehr. Und hören uns das Glöckchengebimmel der Ziegen und Schafe in den angrenzenden Olivenhainen an wie ein Konzert.

Mitte der Woche wird es heiß in Tassos kaltem Keller - wir schmelzen Klümpchensilber überm Bunsenbrenner. Nach ein paar Sekunden wabert schillernder Brei in den Schmelzpfännchen. Zum Abkühlen gießen wir den in verdrahtete Sepia-Scheiben oder in Ölsand. Beides sind Gussformen, in die wir vorher das Schmuckobjekt unserer Wahl gestanzt, gepresst oder geschabt haben. Jede Substanz hat ihren Vorteil: Der Ölsand gibt die feinste Maserung des Gießobjektes wieder, die Sepia-Scheiben - Tintenfischknochen - eignen sich für robuste Vorlagen. Ich nehme den Ölsand, streiche ihn in seinem Kasten glatt, drücke eine Muschelhälfte fest hinein und bedecke den entstandenen Hohlraum mit gepresstem Sand. Zuletzt stochere ich einen Gusskanal in diese Ölsand-Muschel-Gießform und lasse sie von Tasso absegnen. Zwischendurch streut unser Lehrer Begriffe wie Schmelzstelle, Schieblehre, Gießstift oder Spanndraht in die Runde. Das hört sich an wie ein Berufsschulseminar im Stahlwalzwerk, ist aber gemütlicher.

  • Text: Judka Strittmatter
    Fotos: Sabine Steputat
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