Marrakesch: Urlaub intensiv
Marrakesch - Moderne prallt auf Vormoderne
Einmal daliegen wie hingegossen: BRIGITTE-Mitarbeiterin Tina Uebel im Spa des Hotels "La Mamounia".
Selbst mich als Liebhaberin des Bizarren verschreckt derartige Gigantomanie zutiefst, ich nehme Zuflucht am anderen Ende der Skala, in einem Riad inmitten der Altstadt. Ehemals Großbürgerhäuser, abweisend nach außen, im Innenhof von einem verspielten Gärtchen beseelt, sind die Riads inzwischen Synonyme für kleine Boutique-Hotels, die in unüberschaubarer Anzahl in der Medina sprießen. Die meist ausländischen Besitzer überbieten sich mit Design-Ideen an der Schnittstelle zwischen Orient und Avantgarde.
Durch eine versteckte Holztür in einer Nebengasse betrete ich eine Parallelwelt von berückendem Charme, das Riad "Kaïss". Rosenblüten treiben im plätschernden Marmorbrunnen des Innenhofs. Unter Orangenbäumen strolcht eine Schildkröte einher, oft in Zwiesprache mit gebraucht aussehenden Katzen. Blumenduft. Hinreißende Fliesenmosaike, einladende 1001-Nacht-Ecken, wo ich ausgiebig lungern kann. So ich es denn übers Herz bringe, mein Zimmer zu verlassen, in dem ich mich wie Scheherazade persönlich fühle. Besonders, wenn ich mich zuvor im hauseigenen Hamam habe baden, schrubben und ölen lassen. Da ist er. Der Wie-soll-ich-zu-Hause-je-wiederglücklich- werden-Effekt.
Immer wieder staunen: Der botanische Garten Jardin Majorelle in der Neustadt gehörte einst Modedesigner Yves Saint Laurent
Am stärksten erwischt er mich auf der Dachterrasse. Zwischen wuchernden Blumenkübeln frühstücke ich und lasse mich von der Morgensonne wärmen. Wird es kurz darauf zu heiß, wechsele ich rüber auf das Baldachinlager, von dem aus sich über die Dächer schauen lässt. Eine kühle Brise vom Atlas her bauscht die Bettvorhänge, und irgendwann rufen die Muezzins, während die sehnigen Katzen auf sonnenwarmen Mauern dösen.
Nachmittags streife ich durch die labyrinthischen Souks. Im Zentrum Touristenschrott nebst schönem Kunsthandwerk, an der Peripherie verliert sich die leicht kulissenhafte Anmutung, es reihen sich Gemüsehöker, Bäckereien, Kleinstkioske aneinander. Cafés voller Männer beim traditionellen Minztee, sie sitzen dort, als hätten sie nichts anderes getan, seit einst die Mauern der Medina errichtet wurden. Durch die Gässchen bratzen Mopedfahrer im Kamikazemodus, und stoische Esel ziehen klapprige Karren. Moderne prallt auf Vormoderne, manchmal wortwörtlich. Gewürzhändler haben wohlriechendes Zeugs zu appetitlichen Häufchen getürmt. Und in der Dämmerung findet man nach Gehör zurück zum Djemaa el Fna, wo es aus Leibeskräften singt, klampft, trommelt und schlangenbeschwört.












-
am um
-
S. Allmaras-Bayerl
am 03.02.13 um 17:57
Liebes Brigitte Team, auch habe mir schon die Finger wund gesucht nach dem Brigitte Artikel aus dem Jahr 2005 über Marrakesch - im Gegensatz zu diesem Artikel hatte dieser damals wirklich den Zauber dieser Stadt hervorgehoben ( und nebenbei bemerkt, auch die damalige Empfehlung der selben Ausgabe für Ponza war grandios) - bitte, bitte sagen Sie mir eine Möglichkeit, an diesen früheren Artikel über Marrakesch heranzukommen.
-
Franz Bauer
am 28.10.12 um 13:29
Hallo BRIGITTE,
-
BRIGITTE.de-Team
am 31.07.12 um 15:18
Liebe Monika Kimpel,
-
Monika Kimpel
am 30.07.12 um 16:22
Hallo Brigitte-Team, mein Kommentar hat euch zu einer Erwiderung aufgefordert. Verstanden habt ihr offensichtlich nicht, was ich gemeint habe. Auch die anderen Kommentare zu diesem Bericht sind doch negativ. Schaut euch doch einmal den Inhalt eures veröffentlichten Berichtes an. Die Autorin schwelgte doch ganz offensichtlich im Rausch bewusst erlebten Luxus-Flairs, das eigentlich gar nicht zu Marrakesch gehört, wo der normale Kulturtourist an der Djemma Al Fna in keinem all der vielen Aussichts-Cafes auch nur ein alkoholhaltiges Bier erwerben kann. Ihr seid doch sonst kein Journal für das Jet-Set-Life. Wahrscheinlich sind eurer Mitarbeiterin, eingelullt durch die wohl dort nicht mehr lange mögliche westliche Dekadenz die unverkennbaren Anzeichen sich ausbreitenden Islamismus entgangen. Mir hat man in Marrakesch an vielen Orten das Arbeiten mit meiner professionellen Kamera verboten. Deshalb halte ich statt Jetset etwas Kritik mehr wichtig.
-
BRIGITTE-Team
am 30.07.12 um 14:54
Liebe Monika Kimpel,
-
Monika Kimpel
am 28.07.12 um 15:10
Auf der Recherche für meine Filmdokumentation zu einer Marokko-Reise im Frühjahr 2010 fand ich diesen Artikel aus der Brigitte, die ich seit 1966 lese, zufällig wieder. Dieser Artikel hatte mich seinerzeit mit Unbehagen berührt. Weil ich selbst schreibe und auch Filme mache (leider nur als Hobbyjournalistin) hatte mich der Inhalt - hauptsächlich bestehend aus Tipps für die Teilnahme am internationalen Jetset, hatte mich dieser Artikel wahrhaft geärgert. Wenn man bezahlt für das, was man anschließend veröffentlicht, die Chance hat, über eine auch heutzutage noch faszinierende Stadt berichten darf, sollte man als Mitarbeiterin einer Zeitschrift mit grundsätzlich gutem Ruf, vielleicht etwas seriöser über das Flair einer orientalischen Stadt erzählen, die trotz gelegentlicher radikalislamischer Anschläge noch reisenswert ist, über das erzählen, was zur immer noch präsenten Geschichte von Marrakesch für interessierte Touristen bestaunenswert ist.
-
Christina
am 14.06.12 um 11:55
Hallo,
-
uz
am 23.02.12 um 19:45
Ich kann meiner Vorschreiberin nur Recht geben. Einige Beispiele von völlig unsinnigen Adjektiven:
-
Koutubia
am 31.10.11 um 00:48
Eine "Schreibtischtäterin", die vorgibt vor Ort gewesen zu sein! Ich möchte bezweifeln, dass diese Dame längere Zeit in Marrakech war!
-
Acqua
am 27.10.11 um 22:27
Wenn man das liest, möchte man gar nicht hinfahren. Die Autorin schmeisst nur so mit Adjetiven um sich, übertrieben und schnoddrig. Man kriegt den Eindruck Marrakesch (eine wunderschöne, traditionsreiche Stadt) sein ein elitaeres und dekadentes Kaff.
mehr (10)ich plane derzeit eine Reise nach Marrakesch und habe mit großem Interesse Ihren interessanten Artikel gelesen. Nun habe ich eine Bitte an Sie:
In BRIGITTE ist in 2005 in der Ausgabe-Nr. 20 auf Seite 160 ein Artikel MARRAKESCH - GUT BEHTET erschienen.
Kann ich diesen Artikel von Ihnen beziehen, in Datei-Form oder auch in Papier?
Wäre SUPER ;-)
Gerne erwarte ich Ihre Antwort!
Schöne Grüße
Franz Bauer
wir verstehen, was Sie meinen. Aber es gibt sehr viele verschiedene Möglichkeiten, über eine Stadt zu berichten. Wir haben uns aus gutem Grund dafür entschieden, Marrakesch in einem literarischen Text als internationale Partydestination zu porträtieren. Das muss Ihnen nicht gefallen und Sie dürfen gern über Marrakesch als Islamistenhochburg berichten. Das Leben hat viele Facetten und die eine Wahrheit gibt es nicht.
Herzliche Grüße,
Ihr BRIGITTE-Team
selbstverständlich hat unsere Autorin den Blickwinkel für ihren Artikel ganz bewusst gewählt, da wir bei BRIGITTE für jede Geschichte einen neuen Dreh suchen, wie im Journalismus üblich. Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten in Marrakesch gibt es bereits zahlreich. Worin läge der Sinn, hundertmal Gelesenen zu wiederholen?
Herzliche Grüße,
Ihr BRIGITTE-Team
das beste an Marrakech ist der Name. Marokko hat soviel zu bieten, schade, wenn man hauptsächlich in Marrakech bliebe. Auch chice Hotels sind kein Grund für einen Aufenthalt, die gibt es schliesslich anderswo auch.
Für den Djemaa el Fna reicht ein Abend, jedenfalls mir. Es ist eine einzige trubelige Verkaufsschau. Die Stadt hat viele hübsche Grünflächen, die etwas für den ungebremsten Bauboom in der Stadt entschädigen.
mit gebraucht aussehenden Katzen
die labyrinthischen Souks
Eine spärlich bezahnte Alte
der unfassbar aufgefederte Transvestit
Nach Sonnenuntergang fallen die Temperaturen ins Eisige! Dann sollte auch der Zeitraum angeben werden! 12 Monate "eisige Nacht"?
Unter Recherche verstehe ich als "Weltenbummlerin" etwas anderes.