Special Fahrradtouren: Wo Freiheit grenzenlos ist

Mit dem Rad von New York nach Boston

Think big! Das gilt für Amerikaner auch, wenn sie eine Sportart neu entdecken. Kein Wunder: Dieses Land per Fahrrad zu erleben macht einfach riesigen Spaß, erkannte Elke Michel auf ihrer Tour von New York nach Boston.

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In diesem Artikel:
Glamour-Stopp: auf dem New Yorker Times Square

Glamour-Stopp: auf dem New Yorker Times Square

Wer in einem Land, in dem das Auto Freiheit verkörpert, auf ein Fahrrad steigt: Der steht schnell nicht nur ohne Auto da, sondern auch ohne Freiheit. Eigentlich hätte man sich das denken können. Habe ich aber nicht - und so muss ich es jetzt lernen, auf dem Broadway, der Theatermeile von New York City. Links und rechts formen Hochhauswände eine Zivilisations-Schlucht; beflaggt mit Musical- Plakaten, von denen Shrek besorgt zu mir herabspäht. Auf den Bürgersteigen in der Schlucht zockeln Touristenherden, auf den Fahrspuren fluten Autos dahin; und auf dem eineinhalb Meter schmalen Streifen, der in diesem Gewusel für Radfahrer vorgesehen ist, flaniert jetzt auch noch: ein Fußgänger. Träumerisch, wie ein Schlafwandler auf einem Dachfirst. Gafft hoch zu Shrek. Pendelt mal zur einen Seite, mal zur anderen. Mein Leihfahrzeug hat keine Klingel, um die schlendernde Straßensperre zu verscheuchen. Ich bin schachmatt.

Aus meiner Sicht böte es sich jetzt an zu bremsen. Nicht aber aus Marcis: "Neinnein- nein! Gehst du da weg!", brüllt sie den Mann an, als sei er ein Hund: "Sei ein liiiieber Fußgänger!" Ihr Kollege Ed rollt derweil neben ein Taxi, das uns gerade geschnitten hat, und hämmert mit der Hand auf das Autodach ein. Marci und Ed sind Stadtführer, sie sollen mich und sechs weitere Touristen auf Fahrrädern durch New York City geleiten. Doch die beiden nutzen ihren Job nebenbei zur Verkehrserziehung der Öffentlichkeit. Und während sich unser Pädagogentrupp bis zur Südspitze Manhattans voranstrampelt, wo die Freiheitsstatue von fern ihre Fackel hebt wie ein Polizist seine Kelle, da wird klar: Die New Yorker sind schwer erziehbar.

Erstaunlich eigentlich, denn sie müssten längst an Radfahrer gewöhnt sein. Allein in New York hat sich deren Zahl in den vergangenen sechs Jahren verdoppelt. Auch der Rest des Landes ist, sportlich gesehen, immer mehr bereit, sich abzustrampeln. Und die Amerikaner handhaben ihr neues Verkehrsmittel so wie alles, wovon sie begeistert sind: Sie machen es größer, think big! Rüsten sich für Tagestouren aus, als planten sie eine Transalp. Drucken Fahrradkarten, die auf Skizzen zeigen, wie man Kreuzungen überquert. Bieten Radkurse an und gründen Internetseiten, auf denen man Schlaglöcher melden kann.

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  • Text: Elke Michel
    Fotos: Johannes Kroemer
    Karte: Fiete Koch
    Ein Artikel aus BRIGITTE 18/10
Letzte Kommentare
  • Heike Schwarz
    am 25.08.10 um 22:48
    Vor 14 Tagen ist der 21jährige Sohn meiner Freundin mit dem Fahrrad in San Francisco unterwegs gewesen, von einem PKW-Fahrer überfahren worden und tödlich verunglückt. Der PKW-Fahrer hatte den Radfahrer überhaupt nicht beachtet. Bitte weisen Sie in Ihren Artikeln noch deutlicher darauf hin, dass PKW-Fahrer in den USA an Radfahrer überhaupt nicht gewöhnt sind. Die Straßenverhältnisse und die Gewohnheiten dort sind nicht annähernd zu vergleichen mit den hiesigen.
  • BRIGITTE.de-Team
    am 23.08.10 um 17:29
    Das klingt toll. Viel Spaß auf der Radreise, liebe dackel56!
  • dackel56
    am 20.08.10 um 17:30
    Ich fahre am Montag mit dem Fahrrad in die Schweiz, erst Bodensee dann nach Chur und weiter bis an den Lago Maggiore. Über 2 Alpenpässe, San Bernardino und Splügenpass, da ist New York bis Boston ein Kindergeburtstag. Ich bin 56 Jahre alt und mache solche Touren jedes Jahr.
 
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