Tallinn, Riga und Vilnius

Drei BRIGITTE-Mitarbeiterinnen waren zur selben Zeit in den Metropolen des Baltikums. In ihren E-Mails erzählen sie von langen Nächten, schicken Cafés, Strandpromenaden und Reisen in die Vergangenheit.

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In diesem Artikel:

TALLINN Entspannen mitten in der Altstadt, auf der Wiese vor der Nikolaikirche am Fuße des Burgbergs
RIGA Die Architektur aus vielen Jahrhunderten bestaunen, wie in der Straße Gertrudes iela
VILNIUS Kaffee trinken im schwebenden Ei unter der Glaskuppel des Europa Shopping Centers

Anke Dörrzapf in Vilnius

Anke Dörrzapf in Vilnius

17. JUNI, 21.04 UHR
BETREFF: VILNIUS DEFTIG

Hallo, ihr beiden! Klingt wie ein abgedroschenes Vorurteil über Osteuropa, aber Bethel und ich hatten nach einer halben Stunde in Vilnius schon den ersten Wodka intus. Wir wollten uns nur den Laden der litauischen Modedesignerin Jolanta Talaikyte ansehen, weil der mit schrägen Pluderhosen und Tüllröckchen vollgehängt ist. Sie war sehr freundlich und drückte uns Gläser mit einem orangefarbenen Drink in die Hand. Ein Schluck, schon brannte uns der Rachen. Dabei sei nur ein ganz kleines bisschen Wodka drin, meinte Jolanta.

Genug, um uns zu benebeln auf unserem ersten Gang durch die Altstadt. Dass die spektakulär ist, haben wir dennoch wahrgenommen: frisch renovierte, verschnörkelte Fassaden in Gelb, Grau und Altrosa, dazwischen Barockkirchen, deren Kuppeln, Türme und schmiedeeiserne Kreuze über die Dächer ragen. Die Mauern werfen das Echo der lauten Schritte auf dem Kopfsteinpflaster durch die Straßen. Und hier sind viele Schritte laut, denn fast alle Mädels laufen auf schmalen, hohen Absätzen.

Nun sind wir frisch gestärkt mit deftiger litauischer Küche: Kartoffelpuffer mit Specksoße (Bethel), Kartoffelknödel mit Fleischfüllung und geröstetem Speck (ich). Ich frage mich, wie es die Mädels schaffen, so verdammt schlank zu bleiben.

Gute Nacht und bis morgen, Anke

Anne Petersen in Riga

Anne Petersen in Riga

17. JUNI, 23.27 UHR
BETREFF: DER OPTIMISMUS VON RIGA

Hallo! Was mir in Riga sofort aufgefallen ist: das Selbstbewusstsein. Zumindest hier, mitten im Zentrum, schlägt einem gleich ein geballter Optimismus entgegen, vor allem von den extrem auf ihr Äußeres bedachten jungen Leuten. Ähnlich wie in Vilnius tragen die Frauen bevorzugt lange Haare, kurze Röcke und hohe Absätze. Nicht mein Geschmack, aber schon beeindruckend. Ich sitze in einem Internetcafé am Rathausplatz, der voll mit Biergärten und Cafés ist, die wiederum voll mit Menschen sind. Und über dem ganzen Trubel, vor den bunten Fassaden der alten Häuser, flattert in diversen Größen die lettische Flagge: rot mit einem schmalen weißen Balken.

Bis morgen, Anne

RIGA Wo ist die nächste Boutique, das nächste Café, die nächste Bar? Hier am Rathausplatz oder in den Seitenstraßen
TALLINN Schöne Aussichten: von der Dachterrasse des "Radisson Hotel" bis zum Meer

Tinka Dippel in Tallinn

Tinka Dippel in Tallinn

18. JUNI, 00.25 UHR
BETREFF: SINGENDES TALLINN

Hallo, die erste Besonderheit, die mir an den Esten aufgefallen ist: Sie singen. Überall und mit Hingabe. Beim Reden sind sie zwar gelinde gesagt sparsam mit Worten, aber sobald eine Melodie dazukommt ...

Als wir auf der Wiese vor der Nikolai-Kirche lagen, dröhnten hinter uns verzerrte Interpretationen von Nirvana und den Beatles. Eben saßen wir in einer Vinothek - mitten im 30. Geburtstag einer blonden Schönheit und ihrer zunehmend alkoholisierten Freundinnen. Sie sangen eine estnische Version von "Rote Lippen soll man küssen" und tanzten auf den Tischen. Mich wundert nicht mehr, dass die baltischen Staaten sich Anfang der 90er Jahre in einer "singenden Revolution" von der Sowjetunion gelöst haben. 300 000 Menschen sangen hier damals ihre verbotene Hymne auf der Sängerwiese, wo heute noch Chortreffen stattfinden.

Tinka

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  • TALLINN: Tinka Dippel (Text) und Enver Hirsch (Fotos)
    RIGA: Anne Petersen (Text) und Odile Hain (Fotos)
    VILNIUS: Anke Dörrzapf (Text) und Bethel Fath (Fotos)
    BRIGITTE Heft 09/2007