- In diesem Artikel:
Lone Scherfig
Lone Scherfig sitzt wie eine Meerjungfrau am Strand, als wäre sie das Wahrzeichen der Stadt höchstpersönlich. Im Hintergrund liegt das Seebad von Charlottenlund im Sund. "Das ist das Beste an Kopenhagen", sagt die 43-Jährige und zupft den Bikini aus der Prada-Handtasche. "Die Stadt ist herrlich geworden, seit das Wasser wieder so klar ist wie in alten Zeiten."
Wir hatten Lone Scherfig im "Amokka" getroffen, einem großen Café im Stadtteil Østerbro, wo derzeit viele Leute hingehen. Wir kannten nicht sie, sondern nur ihren Film. "Italienisch für Anfänger" gewann 2001 den Silbernen Bären der Berlinale. Was liebt eine Frau, deren Film rund um die Welt in mehr als 35 Ländern zu sehen war, an ihrer Stadt, an Kopenhagen? Schwimmen also, die Nähe zum Meer. Das königliche Theater, wo ihre Mutter Lehrerin an der Ballettschule war und wo Lone als Kind viele Nachmittage im Zuschauerraum träumte. Oder bei Trödlern stöbern.
Am Bellevue-Strand.
Wir schlendern im Studentenviertel Nørrebro von Schaufenster zu Schaufenster, von französischen Landmöbeln zu einem Entrümpler mit einem Sammelsurium an Schätzen, am Lampenladen vorbei zu "modern DK". Hier stehen schlanke Sofas aus Teak, Bänke und schlichte Sideboards. Poul-Henningsen-Lampen, Arne-Jacobsen-Stühle, die leichte Eleganz der 50er und 70er Jahre.
Als Lone zur Schule ging und auch später, als sie studierte, war Dänemark ein Land, das versuchte, soziale Unterschiede auszugleichen. Ein dicker Pullover, ein Fischerhemd drüber, ein Schal um den Hals und Holzschuhe an den Füßen: das reichte auch in besseren Kreisen, um als angezogen zu gelten. "In den letzten Jahren ist Mode viel wichtiger geworden", sagt Lone. Das spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung: Auch hier wächst die Kluft zwischen Arm und Reich. Die Leute wollen zeigen, wer sie sind. Und junge Designer erobern internationale Laufstege.
Wahrzeichen: Die kleine Meerjungfrau.
Vor den Toren der Stadt liegen die Studios von Zentropa, der Firma, die Lones Film "Italienisch für Anfänger" produziert hat. Lone Scherfig gehört zu jenen jungen Regisseuren, die dem "Reinheitsgelübde" der Gruppe "Dogma 95" folgen: Gedreht wird mit der Handkamera, ohne Scheinwerfer, ohne nachträglich zugefügte Musik, die Schauspieler gestalten die Situation und nicht die Illusionsmaschinen. "Wenn es am Drehtag regnet, dann regnet es eben auch im Film", heißt eine Dogma-Regel. Eine große, offene Gerätehalle ist das Herz von Zentropa. Es ist Freitag, Zeit für die wöchentliche Teambesprechung. Die Filmemacher sitzen und hocken und lehnen und lümmeln auf den abgewetzten Möbeln.
Wacheparade
Mit ihrer Tochter Feline und deren Freundin gehen wir ins Tivoli. Das Vergnügen in diesem Park reicht von Achterbahnfahren bis Gourmetrestaurant-Speisen, von Spielhölle bis zum Ballett, und es lässt auch Raum für einen Bummel Hand in Hand unter alten Bäumen. Im "Chinesischen Pfauentheater" öffnet sich gerade der Vorhang. Genauer: Da senkt der riesige mechanische Pfau die Schwanzfedern, die sonst den Blick auf die Bühne versperren. Ein Wunderwerk der Technik, von 1874. Zweimal am Tag tritt hier Pierrot auf. Scharen von Menschen haben sich vor der kleinen Barockbühne versammelt.
Zum Ausklang fahren wir noch einmal Richtung Charlottenlund. Jetzt am Strandvej bei Sticks'n'Sushi eine Kiste japanische Take-away-Delikatessen einkaufen, "die besten in ganz Nordeuropa", schwört Lone, und dann ab zum Picknick am Strand. Mit netten Leuten sich zum Essen im Freien treffen, mit Tischdecke, Kerzen, feinen Gläsern und leckeren Speisen - auch das ist typisch dänisch.













