Ach,  Paris!

Ach, Paris!

Paris, das ist genau wie im Film - ob man nun zum ersten Mal hierher kommt oder schon acht Mal da war. Erstaunlich, wie sehr die Klischees der Wirklichkeit entsprechen. Oder entspricht die Wirklichkeit den Klischees? Egal, traumhaft ist die Stadt allemal.

Paris um neun Uhr. Bürofeine Frauen und Männer flanieren vorbei, schulfeine kleine Kinder an der Hand. Auf zwei Stühlen am Nebentisch nehmen ein alter Herr und sein weißes Hündchen Platz. Schlag zehn Uhr fängt der Springbrunnen an zu sprudeln. Dann betreten drei Männer in Froschgrün die Szene, die Stadtreinigung. Der Hochdruckreiniger spritzt den Unrat der Nacht weg.

Elf Uhr, aus der Charcuterie dringt das Geräusch eines Hackebeils auf Knochen, aus der Boulangerie der Duft von frischem Weißbrot. Die Sonne wandert um den Platz herum. Ich ziehe mit, vom Café Contrescarpe auf die gegenüber liegende Seite zur Terrasse des Café Delmas. Noch ein Milchkaffee.

Käseverkäufer auf der Place Monge Käseverkäufer auf der Place Monge

Es war vor 20 Jahren. Französisch bei Frau Venus. Aus ihrem Leistungskurs ist mir ein unübertroffenes Rezept für Mousse au chocolat geblieben, eine Facharbeit über Saint-Exupéry, eine Schwäche für Jacques Brel und die Liebe zu Paris: Die einwöchige Exkursion im Sommer 1982 hinterließ einen bleibenden Eindruck, nicht zuletzt, weil Frau Venus ihren Neffen aus dem Schwäbischen mit auf die Reise nahm. Ach, Paris, mit 18 Jahren ...

Okay, erst mal ein bisschen warmlaufen. Zum Markt an der Place Monge, Käse, Obst, Brot kaufen. Dann an der Seine ein Picknick am Quai mit Blick auf Notre-Dame. Sitzen. Gucken. Nebenan lehnt ein Pärchen an der Mauer, er hat tatsächlich eine Gauloise im Mundwinkel und spielt Gitarre. Glocken läuten, Tauben gurren, Boote brummen, ein Saxophon spielt "Petite fleur". Ach, Paris! "Ist das schön, wie im Film."

Genauso ist es, egal ob man zum ersten Mal hierher kommt oder schon acht Mal da war. Jedes Mal wieder bin ich irritiert, wie sehr die Paris-Klischees der Wirklichkeit entsprechen. Oder die Wirklichkeit den Klischees? Es ist keine Inszenierung für die Touristen - das alltägliche Pariser Leben, es sieht tatsächlich fast überall genauso aus wie in "Amélie", wie in Mariannes Französisch-Lehrbüchern, wie auf Sempés Zeichnungen, wie auf den Schwarzweiß-Fotografien aus den 40er und 50er Jahren. Die kleinen Jungs, die auf den Wasserbassins im Jardin du Luxembourg ihre Boote fahren lassen. Die alte Dame auf der Seine-Brücke, die zwei winzige Hunde in einem Louis-Vuitton-Täschchen spazieren trägt. Die dörfliche Szenerie mit Schleusen und kastaniengesäumten Ufern am Canal Saint-Martin, auf dem wir eine Bootsfahrt machen, zu Akkordeon-Klängen und dem rollenden "Parrrris" von Edith Piaf aus den Lautsprechern an Deck.

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