Ach, Paris!

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Quartier Latin

Vögelfüttern auf dem Platz vor Notre-Dame

Vögelfüttern auf dem Platz vor Notre-Dame

Da gab es doch damals im Quartier Latin ... Ab in die Métro, Haltestelle St. Michel. Und tatsächlich, in der rue Saint-André-des-Arts finde ich diese Crêperie wieder, in der man sich vorzüglich durch die Karte essen kann, erst eine Galette mit Tomaten, Mozzarella und Oliven, dann vielleicht ein Crêpe mit Salat und Ziegenkäse, als Dessert einer mit Bananen und Schokolade, oder doch lieber mit Aprikosengelee flambiert? Noch mehr als die erfolgreiche Sättigung freut mich, dass sich in dem Lokal nichts verändert zu haben scheint: Sitznischen, Schummerlicht, Cidre aus Keramikbechern. So übermannt mich immer wieder bei unseren Streifzügen eine gewisse Nostalgie, und ich bin manchmal geradezu gerührt, wie treu sich diese Stadt geblieben ist. Und mir.

Das beste Eis der Stadt

Immer noch stehen die Menschen Schlange für das beste Eis der Stadt vor Berthillon auf der Ile-Saint-Louis, und das, obwohl sich ganz in der Nähe ein Häagen-Dazs breit macht. Immer noch kann man bei Shakespeare & Company bis Mitternacht in antiquarischen Büchern und englischen Paperbacks blättern, und mittendrin thront George Whitman, inzwischen um die 90. Der Laden mit Blick auf Notre-Dame ist seit Jahrzehnten die Adresse für (nicht nur) amerikanische Bohemiens in Paris. Wir klettern die enge Treppe hinauf, da steht das breite Sofa, auf dem ich damals immer noch ein wenig las, bevor der Nachtzug nach München losfuhr. Sogar das kleine verwohnte Hotel beim Louvre, in der rue du Pélican, habe ich wiedergefunden. Mit Anfang 20 wohnte ich zweimal dort, erst mit einer Freundin, später mit meinem damaligen Liebsten.

Stadtführung per Handy

Eines Nachmittags düdeln die Handys sehr häufig es gibt den genialsten Stadtrundgang überhaupt, mit virtueller Führung. "Urban Safari" heißt die Firma, die sich die 26-jährige Séverine Smadja vor eineinhalb Jahren ausgedacht hat. "Heutzutage will doch niemand mehr ernsthaft hinter einem Guide mit rotem Regenschirm herlaufen", erklärt sie (natürlich am Handy).

Place de la Contrescarpe am Abend: der perfekte Pariser Mikrokosmos im 5. Arrondissement.

Place de la Contrescarpe am Abend: der perfekte Pariser Mikrokosmos im 5. Arrondissement.

Bei der "Urban Safari" kommen die Anweisungen per Kurzmitteilung übers Handy, und man folgt ihnen kreuz und quer durch Paris, zu Fuß oder mit der Métro. Es gibt Themen wie Techno, Kino oder Sport. Ich wähle Schokolade. Und soll - so besagt die erste SMS - Punkt 13.30 Uhr am Métro-Ausgang an der Place Victor Hugo sein.

In den edlen Ladenräumen von "Alliance Chocolat" erwartet einen der Chocolatier Frédéric hinter einem Tresen mit Probierstückchen und erzählt vom Siegeszug des Kakao. Tolteken, Azteken und Maya genossen ihn als Erste; 1519 wurde fatalerweise der Eroberer Cortez damit bewirtet; holländische Piraten kaperten spanische Schiffe - schon verbreitete sich das Getränk in Europa; und vor rund 125 Jahren nahmen sich Schweizer Apotheker wie Nestlé und Tobler dieses sagenhaften Stärkungsmittels an.

Die Handys düdeln. Also weiter, rue Vavin steht im Display. Hausnummer 3: In den Vitrinen und Fenstern liegen Pralinen, Trüffel, Madeleines, Florentiner und Karamelstückchen, präsentiert wie edle Juwelen, der Meister Jean-Paul Hévin erklärt seine jüngste Création mit einer gewissen Poesie: Es handelt sich um Häppchen mit einer würzigen Füllung aus Käse, Livarot etwa mit einem Hauch von Thymian, oder Epoisse mit Kumin, darum eine dünne Schicht Zartbitter.
Schließlich geht's ins Quartier Latin zum Schokolade schlürfen im ersten Stock der traditionsreichen Patisserie "Bonbonnière de Buci". Die letzte SMS lautet: "Die Firma lehnt jede Verantwortung für Karies ab"...

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  • Claudia Münster (Text)
    Melanie Dreysse (Fotos)

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