Franzoesische-kueche-header

Essen und Wein

Französisch genießen

Von Château zu Château - Weinreise durchs Bordeaux

Zwei Freundinnen auf Weintour in Frankreich: von Château zu Château, zwischendurch kleine Trinkproben, ein Picknick am Fluss und Stopps in zauberhaften Städtchen.

  •  
  •  
In diesem Artikel:

"Kein Parfüm, meine Damen!" Meine Freundin Erika errötet leicht in ihrer Shalimar-Wolke. 10 Uhr morgens. Der Unterricht in der Weinschule von Bordeaux beginnt mit einem Verweis. Michael Paetzold, unser Lehrer, wartet schon im Klassenraum, der mit den grellen Tischlämpchen und Chromstahlbecken eher wie ein Dentallabor aussieht als wie eine gemütliche Probierstube.

Doch bevor die Gläser, die vor uns aufgereiht sind, gefüllt werden, müssen wir noch viel lernen. Zum Beispiel, dass sich die Weinberge im Département Gironde auf etwa tausend Quadratkilometern ausbreiten. Dass Rotwein vor allem aus den Traubensorten Merlot und Cabernet Sauvignon gewonnen wird und die Weißweine ihre Süffigkeit durch die Edelfäule erhalten. Wir hören etwas über die Kunst des Verschneidens von Traubensorten (wer dann noch Vermischen sagt, bekommt weniger zu trinken!) und schnüffeln uns durch unzählige Aromastoffe. Und wir wissen jetzt auch, dass Zigaretten und Parfüm (auch Rasierwasser!) den Genuss beim Verkosten schmälern.

12 Uhr mittags. Unsere Mägen knurren. "Genau die richtige Zeit für eine Weinprobe", sagt Michael Paetzold. Der Graves-Wein duftet nach Mirabelle. Oder mehr nach Vanille? Und schmeckt sehr fruchtig. Ausspucken. Der zweite Wein, ein Sauternes, schimmert golden, riecht nach Mandeln und Feigen und gleitet ölig-süß über die Zunge. Wie die Augen unseres Lehrers funkeln, wenn er mit uns auf Entdeckungsreise geht! Die Geheimnisse des Weins zu entschlüsseln sei für ihn eine tägliche Herausforderung. Keine unangenehme, gibt er schmunzelnd zu.

Wir gondeln durch das Médoc, auf der Route des Châteaux. Die Gironde begleitet uns, breit und träge. Hinter jeder Kurve springen wir aus dem Auto, stehen vor hohen Gittertoren und staunen über die prächtigen Schlösser mit Säulen und Freitreppen. Bei so berühmten Weingütern wie Margaux, Mouton Rothschild und Palmer kann man aber nicht mal eben klingeln und ein Päckchen Wein kaufen. Wer die kathedralenartigen Keller besichtigen oder an einer Weinprobe teilnehmen möchte, muss sich vorher anmelden, am besten Wochen vorher.

"Viele Schlösser sind allerdings nur noch Repräsentationshallen. Die Besitzer leben nicht mehr dort. Einige der großen Weingüter sind sogar von Firmen aufgekauft worden", sagt Maryse Meyre vom Château Cap Léon Veyrin. In ihrem Familienbetrieb bei Listrac sind auch unangemeldete Gäste willkommen. Wir sitzen im Wohnzimmer, vor uns drei herrliche Médoc-Weine, und begutachten die rubinrote Farbe, schnuppern Brombeeren, Walnüsse und feuchte Erde. Und dieser kantige Geschmack der Sauvignon-Traube beim zweiten Schluck! Ganz klar, der Weinkurs zeigt erste Erfolge.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  • Anna M. Löfken (Text),
    Fotos: Sabine Steputat.
BRIGITTE im ABO