Chalkidiki - alles inklusive

Traumstrände, kleine Dörfer, tolle Hotels: Auf der Halbinsel Chalkidiki ist Griechenland am schönsten.

In diesem Artikel:

Ein paar Minuten noch. Nackte Füße wippen im Takt der Rhythmen, die aus den Verstärkern der Beach-Bar "Ethnik" wummern. Alexandros und seine Freunde lagern in weiten Bermudas lässig auf dem Sandstrand von Tristinika, haben die Sonnenbrillen ins Haar geschoben und trinken Bier. Dimitra und Elektra zupfen ihre Bikinis in Position, und ich schaue mit ihnen übers spiegelglatte Meer zum Horizont, wo die Sonne als glutroter Ball ein paar Zentimeter über dem Wasser steht und ihren großen Abgang vorbereitet.

Alexandros und seine Freunde sind heute früh mit ein paar Autos in Thessaloniki aufgebrochen, nur 90 Minuten, dann waren sie hier. Alle sind Studenten, alle Anfang zwanzig. Sie haben Zelte mitgebracht, wie immer, wenn sie übers Wochenende nach Sithonia fahren. "Weil es hier die schönsten Buchten gibt", sagt Dimitra. Die Zelte haben sie hinter der Bar unter den Pinien aufgebaut. Morgen wollen sie weiter, "vielleicht zum Kavoroutribes- Strand an der Ostküste oder zum Africafé bei Vourvourou", erzählt Alexandros und kritzelt unleserliche Anfahrtsskizzen in mein Heft. Sithonia gehört zur Halbinsel Chalkidiki, die südlich von Thessaloniki aus dem nordgriechischen Festland herauswächst. Sie schwimmt im Ägäischen Meer wie ein gigantischer Tintenfisch mit drei Tentakeln. Die Griechen nennen diese Tentakeln "Beine", und jedes hat treue Fans.

Sithonia ist das mittlere Bein der Chalkidiki - eine gebirgige Landzunge, die dicht mit Pinienwäldern überzogen ist. Ein paar kleinere Badeorte gibt es hier, Campingplätze und nur eine einzige, etwas störende Bettenburg. Die Küstenlinie krümmt sich in viele versteckte Buchten - lauter kleine Paradiese für die Großstadtjugend, die hier ohne Familienaufsicht baden, knutschen und feiern kann.

Da diese Strände auf keiner Karte verzeichnet sind, finden wir den Kavoroutribes-Strand an der Ostküste, von dem Alexandros so geschwärmt hat, am nächsten Tag nur wegen der Autos, die im Pinienwald neben der Straße kreuz und quer unter den Bäumen parken. Mit unseren Flipflops rutschen wir einen kurzen Kletterpfad in die Sandbucht hinunter. Die Bäume wachsen bis zum Wasser, und dort breiten wir unsere Handtücher aus. Nur ein paar Plastiktüten und Papierfetzen stören meinen Blick auf diese Welt aus Grün und Blau.

Gerade von der hatten in Thessaloniki alle so begeistert erzählt. Dort hatten wir vor ein paar Tagen unsere Reise auf die Chalkidiki begonnen, und irgendwer hatte uns abends in einer Bar den Tipp mit dem Sonnenuntergang an der "Ethnik-Bar" gegeben. Vielleicht war es der Künstler, den wir in dieser Nacht kennen lernten, die angehende Zahnärztin mit den tollen roten Locken oder die tätowierte Kellnerin, die uns so nett bediente. Vielleicht war es im "Elvis" mit seinem 50er-Jahre-Flair, im "Flocafé" oder in irgendeiner anderen der unzähligen Bars an der breiten Uferpromenade mit Blick aufs Meer. Wir wissen es nicht mehr, denn unsere Erinnerungen an den Abend sind verschwommen und die Lokale zahlreich - mit weit aufgeschobenen Fensterfronten, die die salzige Meerluft hinein- und die Musik hinauslassen, auf den Bürgersteig, wo in dichten Knäueln noch mehr Gäste als drinnen zusammenstehen. Wir schoben uns durch die Menge, tranken Bier und Mojitos und vergaßen die Zeit.

Eigentlich wollten wir in Thessaloniki, Griechenlands zweitgrößter Stadt, nur den Leihwagen in Empfang nehmen, um danach endlich diese außergewöhnliche Halbinsel Chalkidiki zu erkunden, von der ich schon so oft gehört hatte. Doch dann entdeckten wir das Nachtleben der Millionenstadt. Die ist keine klassische Schönheit mit ihren siebenstöckigen Häuserblocks, den vollgeparkten Akazienalleen und byzantinischen Basiliken, deren ungewöhnliche Formen wie gelandete Ufos im modernen Häusermeer hocken. Aber sie ist in Bewegung. Überall waren Studenten unterwegs, die losjubelten: "Ihr müsst unbedingt nach Sithonia!", als wir Chalkidiki erwähnten.

So ganz direkt fuhren wir dann trotzdem nicht dorthin - wir nahmen stattdessen kleine Straßen, die uns 100 Kilometer durch das wenig bekannte Binnenland der Chalkidiki an ihre Ostküste führten bis auf das östlichste der drei Beine: Agion Oros, Heiliger Berg.

Seite:

  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6. ...
  7. 7
  • Text: Annette Rübsamen
    Fotos: Vera Hartmann
    Karte: Claudia Döhring/Kartopolis
    BRIGITTE Heft 12/2007
Sie interessieren sich für unsere Themen? Kostenlosen Newsletter bestellen